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Meinung

Kürzungen in der 2. Liga: Der "Tor"-Schrei verschwindet: Diese Änderung in der Fußball-Konferenz hätte sich Sky besser gespart

Sky setzt in der 2. Liga keine eigenen Kommentatoren mehr für die Konferenz ein. Viele Fans sind zu Recht verärgert: Das Format verliert damit Emotionen – und den legendären "Tor"-Schrei.

Sky Kameramann

Sky zeigt alle Spiele der 2. Liga, setzt in der Konferenz aber keine eigenen Kommentatoren mehr ein

DPA

Fernsehsender Sky muss sich von Fußballfans oft Kritik anhören, eines aber muss man dem Pay-TV-Anbieter lassen: Was Fußballübertragungen angeht, hat der Sender neue Maßstäbe gesetzt. Im Jahr 2000 – damals noch unter dem Namen des Vorgängerunternehmens Premiere – lief auf dem Kanal die erste Bundesliga-Konferenz im deutschen Fernsehen. Nach dem Vorbild der legendären Schlusskonferenz im Radio konnten die Fans so mehrere Spiele der Bundesliga und 2. Liga gleichzeitig live verfolgen.

Mittlerweile gehört die Konferenz zum selbstverständlichen Inventar der deutschen Fernsehlandschaft. Zur neuen Saison allerdings hat Sky zumindest in der 2. Liga eine Änderung eingeführt, die viele Fußballfans auf die Palme bringt. Statt wie bisher die Spiele von eigenen Reportern in der Konferenz kommentieren zu lassen, wird jetzt zwischen den Kommentatoren der Einzelspiele hin und her geschaltet. Damit hat Sky seinen Zuschauern keinen Gefallen getan – und sich selbst auch nicht.

Sky führt neues Konferenz-Modell in der 2. Liga ein

Bis zum letzten Spieltag der vergangenen Saison war neben den Kommentatoren, die 90 Minuten lang ein Einzelspiel übertrugen, auch jeweils ein Kommentator für jedes Konferenzspiel zuständig. Vor den Bildschirmen in der Sky-Zentrale in Unterföhring bei München spielten sich die Konferenz-Reporter die sprachlichen Bälle zu, sie riefen "Tor in Sandhausen" und "Rote Karte in Fürth". Für Fans war das ein wichtiger Service.

Einige Tage vor Saisonbeginn in der 2. Liga kündigte der Sender an, künftig auf diese Kommentatoren verzichten zu wollen. Stattdessen sollte, so hieß es in der Mitteilung, ein Moderator durch die Konferenz führen und das Bindeglied zwischen den einzelnen Spielen darstellen. Der Kommentar zu den Spielszenen sollte von den Kommentatoren der Einzelspielübertragungen kommen, in die man sich nahtlos einschalten wollte. Ein Rückschritt gegenüber dem vorherigen Modell, aber zumindest ein halbwegs durchdachter Plan, der bei Sky bei Handball-Übertragungen schon getestet wurde. Wenn er denn so funktionieren würde ...

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Der erste Versuch geht schief – viel Kritik von Fans

Am ersten Spieltag im Unterhaus zeigte die neue Konferenz noch zahlreiche Kinderkrankheiten – und viele Fans fühlten sich eher veralbert. Einige Zuschauer machten ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken Luft. Während der Samstags- und Sonntagsspiele hagelte es Beschwerden für die Sky-Accounts auf Twitter. 

Tatsächlich verlief der Auftakt ausgesprochen holprig. Gewöhnungseffekte beim Zuschauer konnte Sky noch nicht voraussetzen, in Deutschland ist das Format noch relativ unbekannt. Die Umsetzung von Sky an diesem Wochenende dürfte allerdings nicht unbedingt dazu beitragen, dass es schnell an Akzeptanz gewinnt: Scheinbar wahllos wurde zwischen den Einzelspiel-Kommentatoren hin- und hergeschaltet, der eine wurde mitten im Satz abgewürgt, der andere stieg mitten im Satz ein. Zusammenhänge waren für den Zuschauer nur schwer herzustellen, wenn sich die Reporter gerade auf etwas bezogen, was sie kurz zuvor angesprochen hatten.

Wenige Informationen, kaum noch Emotionen

Einen wirklichen Einblick in das Spiel zu bekommen, ist für Fans so noch schwieriger als ohnehin schon in einer Konferenzschaltung. Zwar war bei den Kommentatoren wie Jörg Dahlmann durchaus das Bemühen zu erkennen, auch die Konferenz-Zuschauer abzuholen, das gelang indes nur selten. So blieb als Fazit: strukturlos, lieblos, zu wenige Informationen, anstrengend zum Zuhören.

Auch das wäre noch zu verkraften, doch die neue Zweitliga-Konferenz bei Sky macht genau das wahrscheinlicher, was für den Konferenz-Zuschauer der Worst Case ist: ein Tor zu verpassen. Nichts zu verpassen, alle wichtigen Informationen zu bekommen – das ist der Grund, warum Menschen sich eine Fußball-Konferenz anschauen, und das sollte eigentlich auch Sky wissen. Ein Tor auf einem anderen Platz wird nun aber nicht mehr durch den klassischen Schrei "Tor in ..." angekündigt, sondern durch ein leises, undefinierbares Grollen, auf das dann die Schalte ins andere Stadion folgt. Dort ist der Kommentator mitunter schon so weit, dass er gar nicht mehr den Namen des Torschützen nennt.

Bundesliga-Konferenz bleibt unverändert

Wenig Information, kaum noch Emotion – die neue Zweitliga-Konferenz wird so keinen Fan mehr vom Hocker reißen.  Offenbar will der Sender in der 2. Liga Geld einsparen, indem er weniger Kommentatoren benötigt. Es ist nicht das erste Mal, dass im Fußball-Unterhaus gekürzt wird: Seit dem vergangenen Jahr sitzen die Kommentatoren der Einzelspiele nicht mehr bei jedem Zweitliga-Spiel live im Stadion. Schon damals hatte die Änderung für Kritik – auch von den Vereinen – gesorgt, der Effekt für den Zuschauer war aber nicht so spürbar gewesen wie diesmal.

Zwei gute Nachrichten gibt es dennoch. Erstens: In anderen Ländern funktioniert das neue Sky-Prinzip – beispielsweise bei NFL-Übertragungen in den USA. Auch Konkurrent DAZN führt seine Konferenzen in der Europa League so durch. Zweitens: Die Konferenz der Bundesliga, die am 16. August in die neue Saison startet, wird nach dem gewohnten Modell ablaufen. Die Fans der 2. Liga aber müssen vorerst auf den "Tor"-Schrei verzichten.

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