Sonntagsspiele Guerrero küsst den HSV wach


Mit zwei Toren nach seiner Einwechslung hat Paolo Guerrero den HSV zum Sieg über Bayer Leverkusen geschossen. Es ist der erste Sieg für den HSV nach 15 Pflichtspielen. Die "Remis-Könige" Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg trennten sich - unentschieden.

Edel-Joker Paolo Guerrero hat den Hamburger SV praktisch im Alleingang vor dem nächsten Nackenschlag bewahrt und mit einem Doppelpack die Serie von 15 Spielen ohne Sieg beendet. Der Peruaner erzielte im Gastspiel bei Bayer Leverkusen zunächst nur Sekunden nach seiner Einwechslung in der 70. Minute den Ausgleich, vier Minuten vor dem Ende traf er auch noch zum umjubelten 2:1 (0:1)-Siegtreffer. Die Leverkusener waren durch ein Tor von Andrej Woronin (40.) vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena in Führung gegangen, bleiben durch die erneute Niederlage aber im Mittelmaß der Fußball-Bundesliga stecken. Der HSV schaffte mit dem ersehnten Befreiungsschlag hingegen den Sprung von den Abstiegsrängen.

Die Rückkehr von Van der Vaart sollte den Hamburgern neuen Mut geben, der Niederländer zeigte bis zu seiner Auswechslung nach 75 Minuten auch seine Qualitäten als Spielmacher. Auch Abwehrchef Vincent Kompany kehrte zurück. Dennoch fehlte weiter fast ein halbes Dutzend Stammkräfte - und die erschreckenden individuellen Fehler setzten sich zumindest in der ersten Hälfte unvermindert fort.

HSV zeigte Trotzreaktion

Bei den Hanseaten war das Bemühen zu spüren, die von Doll nach den vielen Nackenschlägen heraufbeschworene Trotzreaktion zu zeigen. Die erste Chance hatte aber ausgerechnet ein ehemaliger Hamburger: Der erst im Sommer nach Leverkusen gewechselte Sergej Barbarez (6.) setzte einen Kopfball-Aufsetzer über das Tor.

Anschließend bestimmten die Gäste eine insgesamt Niveau arme erste Hälfte. Die Höhepunkte waren aber ein schonungsloses Spiegelbild der Hamburger Serie von Pech und Unvermögen: Boubacar Sanogo (12.) schoss freistehend am leeren Tor vorbei. Ein Kopfballtreffer von Juan Pablo Sorin (18.) wurde wegen Abseits zurecht nicht anerkannt, und schließlich prallte ein Kopfball von Danijel Ljuboja (36.) vom Innenpfosten wieder ins Feld. Als Doll dachte, schlimmer könnte es nicht kommen, behinderten sich Timothee Atouba und Torwart Sascha Kirschstein gegenseitig und legten so Woronin den Ball zum Führungstreffer förmlich auf.

Woronin und Barbarez vergeben Chancen

Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte verpassten die Leverkusener die mögliche Vorentscheidung. Woronin und Barbarez (47.) rutschten an einer Flanke von Nationalspieler Bernd Schneider knapp vorbei. Dananch überließen die Hausherren dem HSV weitgehend das Spiel, standen aber solide in der Defensive. Van der Vaart versuchte sich mit einem Fallrückzieher (51.) und einem Distanzschuss (59.), fand aber in Bayer-Torwart Hans-Jörg Butt seinen Meister. Doch dann schlug die Stunde von Guerrero, der mit seinem ersten Doppelpack für den HSV die Wende brachte.

Im Duell der Altmeister haben Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg ihren Ruf als "Remis-Könige" gefestigt und den Nimbus der Unbesiegbarkeit in dieser Bundesliga- Saison gewahrt. Das 2:2 (1:1) war für die Hessen bereits das siebte und für die Franken das sechste Unentschieden im achten Spiel. Ioannis Amanatidis (4.) per Handelfmeter und Albert Streit (57.) erzielten vor 50 300 Zuschauern die Tore für die Hausherren. Ivan Saenko (5.) und Horacio Pinola (50.) trafen für den "Club", der nunmehr seit 15 Jahren ohne Sieg gegen die Eintracht ist.

Nürnbergs Polak verursachte Hand-Elfmeter

Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel veränderte sein Team gegenüber dem U-Cup-Spiel gegen Palermo auf zwei Positionen. Für Benjamin Köhler rückte Michael Fink wieder ins defensive Mittelfeld und an Stelle von Alexander Meier durfte sich Markus Weissenberger als Spielmacher versuchen. Der österreichische Nationalspieler führte sich auch gleich gut ein, als er Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer in der 3. Minute zur ersten Glanzparade zwang. Bei der folgenden Ecke spielte Jan Polak den Ball im Strafraum unnötig mit der Hand und ermöglichte Amanatidis die frühe Führung vom Elfmeterpunkt.

Der "Club" zeigte sich davon nicht geschockt und schlug nur 60 Sekunden später durch Saenko eiskalt zurück. Vorausgegangen war ein Fehler von Benjamin Huggel, der den Ball nach einer Flanke direkt vor die Füße des Torschützen abwehrte. Danach beherrschten die Gäste die Partie dank der besseren Spielanlage und hätten durch Robert Vittek (11.) sogar in Führung gehen können.

Frankfurt tat sich schwer

Die Eintracht tat sich gegen die gut organisierte Defensive der Franken schwer und benötigte eine knappe halbe Stunde, um sich wieder zu berappeln. Im Mittelfeld gab es auf Seiten der Hausherren zu viel Leerlauf und zu wenige Ideen. Erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit agierten die Frankfurter druckvoller und erarbeiteten sich gute Chancen. Zunächst lenkte Schäfer einen Kopfball von Fink (36.) mit einem Reflex an die Latte, eine Minute später rettete der gut aufgelegte FCN-Torwart glänzend gegen den durchgebrochenen Albert Streit und den Nachschuss von Weissenberger.

Nach dem Wechsel jubelten zunächst die Gäste, als Pinola mit einem abgefälschten Freistoß zum 2:1 traf. Die Freude währte aber nicht lange, denn schon sechs Minuten später antwortete die Eintracht mit einem direkt verwandelten Freistoß von Streit. In dem offenen Schlagabtausch boten sich beiden Teams danach weitere Chancen, die jedoch ungenutzt blieben.

Eric Dobias und Andreas Schirmer/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker