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Sport-Wahl: Ronaldinho ist Europas Fußballer des Jahres

Ronaldinho hat den europäischen Fußballthron erklommen. Der brasilianische Stürmerstar vom FC Barcelona gewann die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres vor Frank Lampard und Steven Gerrard.

Mit seinen beiden Toren beim 3:0-Sieg des FC Barcelona über den Erzrivalen Real Madrid riss er kürzlich selbst die gegnerischen Fans zu Begeisterungsstürmen hin. An solchen Tagen, bekennt Ronaldinho, spürt er geradezu eine himmlische Unterstützung. "Manchmal glaube ich, dass Gott mir die Pässe zurechtlegt", sagt der 25-jährige Brasilianer, der mit der Krönung zu Europas Fußballer des Jahres am Montag in Paris einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erlebte.

"Das ist die Verwirklichung eines großen Traumes. Es ist mir eine große Freude und motiviert mich, auf diesem Niveau weiter zu arbeiten», sagte Ronaldinho am Montag. "Barças" Stürmerstar hat aber bereits weitere Ziele im Blick: "Ich möchte mit meinem Verein die Champions League und die Meisterschaft gewinnen und im nächsten Jahr Weltmeister werden."

Ballack auf Rang 14

Mit der vom französischen Fachblatt "France Football" organisierten Wahl sicherte sich der Dribbelkönig erstmals und als dritter Brasilianer nach Ronaldo und Rivaldo auch die europäische Krone. Im Vorjahr war der Star des FC Barcelona zum Weltfußballer gewählt worden. Ronaldinho, der aus einem ausgewählten Kreis von 50 Spielern von Europas Sportjournalisten gewählt wurde, setzte sich gegen die auf Rang zwei und drei platzierten Frank Lampard und Steven Gerrard durch. Michael Ballack landete als einzig nominierter Deutscher auf Platz 14. Matthias Sammer war 1996 der letzte Spieler aus der Bundesliga, der Europas Fußballer des Jahres wurde.

Ronaldo de Assis Moreira, so sein Geburtsname, verzückt aber nicht nur bei seinen Auftritten im Stadion. Auch menschlich verzaubert der Brasilianer, wo er geht und steht. Ronaldinho scheint immer gut gelaunt ("Auf dem Fußballfeld vergnüge ich mich wie ein Kind"), hat stets ein Lächeln parat und gibt sich nie als unnahbarer Star. "Der Erfolg hat ihn nicht verändert. Den Vereinspräsidenten behandelt er mit dem selben Respekt wie den Wachmann", meint sein brasilianischer Teamkollege Edmilson. Das steckt an. Denn mit dieser Kombination aus Fußballkunst und Bescheidenheit ist der Profi mit den markanten Vorderzähnen gleichermaßen zur Seele und zum Zugpferd des spanischen Fußballmeisters FC Barcelona geworden.

Barcelona wollte eigentlich Beckham

Dabei war "der kleine Ronaldo" bei den Katalanen ursprünglich nur die zweite Wahl. Als Vereinsboss Joan Laporta vor zwei Jahren die Verpflichtung eines großen Stars versprach, hatte er eigentlich David Beckham von Manchester United im Visier. Doch der Engländer wechselte zum Erzrivalen Real Madrid. So fielen die Blicke auf Ronaldinho, der damals noch für Paris St. Germain spielte. Rund 30 Millionen Euro ließ sich "Barça" den Transfer kosten.

Heute würden die Katalanen den "fröhlichsten Fußballer der Welt" ("El País") am liebsten auf Lebenszeit an sich binden. Schließlich entpuppte sich Ronaldinho als die gelungenste Verpflichtung der Vereinsgeschichte. Dass die Blauroten aus der Krise fanden und nach sechs erfolglosen Jahren Meister wurden, ist auch ihm zu verdanken. So verlängerte "Barça" seinen Vertrag bis 2010 und erhöhte seine Ablösesumme auf 125 Millionen Euro. 60 Millionen kassiere Ronaldinho inklusive Prämien in den kommenden fünf Jahren, heißt es.

Ronaldinho stammt aus einem Armenviertel in Porto Alegre. Sein Vater João starb, als das heutige Idol acht Jahre alt war. Er ertrank im Swimming Pool eines Hauses, das der Verein Gremio der Familie geschenkt hatte, um den Wechsel von Ronaldinhos älterem Bruder Roberto zur Konkurrenz zu verhindern. Roberto hängte die Fußballstiefel nach einer Verletzung an den Nagel und kümmert sich heute um die Finanzen des "Barça"-Stars. Seine Mutter verwaltet die Immobiliengeschäfte der Familie und Schwester Deisy kümmert sich um die Termine. "Ohne den Fußball wäre ich nichts, ohne ihn könnte ich meinem Sohn keine vernünftige Ausbildung bezahlen. Aber die Familie bleibt das Wichtigste in meinem Leben", sagt Ronaldinho.

Jörg Vogelsänger und Morten Ritter/DPA/DPA

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