HOME

Sprengstoff-Attacke: Fünf Jahre Haft für Fan von Preußen Münster

Es war kein Silvesterknaller, sondern ein gefährlicher Sprengkörper, den ein Münsteraner Ultra-Fan im September 2011 im Osnabrücker Fußballstadion zündete. 33 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 24-Jährige muss nun für fünf Jahre in Haft.

Am 10. September 2011 hatte ein als Ultra-Fan des SC Preußen Münster bezeichneter Mann beim Gastspiel der Preußen in Osnabrück einen Sprengkörper auf das Dach des ehemaligen Spielertunnels geworfen. Bei der anschließenden Explosion wurden 33 Menschen – darunter auch Kinder – teilweise schwer verletzt. Nun wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Sprengkörper war auf dem Tunneldach gelandet, aber dann durch einen Spalt in den Tunnel hineingefallen, wo sich kurz vor Beginn des Spiels zahlreiche Sicherheitskräfte aufhielten. Der Angeklagte hatte geltend gemacht, seit dem frühen Morgen Alkohol und Drogen - Speed und Marihuana - konsumiert zu haben. "Ich wollte, dass der Böller oberhalb des Tunnels und nicht im Spielertunnel explodiert. Ich hatte einen Blackout", sagte der Angeklagte auf ndr.de.

Die Anklage hatte zuvor eine Strafe von viereinhalb Jahren gefordert, das Gericht hatte jedoch auch die Möglichkeit, die Maximalstrafe von 15 Jahren zu verhängen. Zudem muss der Verurteilte außerdem an neun Geschädigte Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 39.000 Euro zahlen. Revision gegen das Urteil ist zugelassen.

Herkunft als mildernder Umstand

Der in Neapel geborene Fan hatte versucht, durch ein Gutachten strafmildernde Wirkung zu erzielen. "Fans in Süditalien zünden bei Fußballspielen öfter Böller und Knallkörper als andernorts und müssen trotz Verbots nicht mit konsequenter Verfolgung solcher Vergehen rechnen", hatte Fanforscher Prof. Gunter A. Pilz im Verlauf des Prozesses laut noz.de erklärt.

Der Verteidiger sagte zudem, dass durch die Annahme dieser Fankultur der Wurf eine andere und geringfügigere Bedeutung gehabt habe. "Inzwischen hat sich die Bedeutung der Pyrotechnik gewandelt. Es ist ein vor allem bei Auswärtsspielen bevorzugtes Mittel zur Provokation des Gegners und ein Symbol der Eroberung des Stadions“, wird Pilz auf noz.de zitiert.

Davon ließ sich das Gerücht jedoch nicht beeindrucken. Der Angeklagte wusste von der Gefährlichkeit des Sprengkörpers, sagte der Richter. "Er wollte den Fanblock der Gegner treffen." Die Verletzung von Menschen habe er billigend in Kauf genommen.Dennoch wurde die Entschuldigung von Juri C. strafmildernd aufgefasst.

''Bitte OSNA töten. Wir wollen gewinnen''

Er soll allen 33 Beteiligten sowie dem Richter Briefe geschrieben haben, in denen er um Entschuldigung bat. "Der Angeklagte wollte keine vorformulierten Briefe aus einer Anwaltskanzlei unterschreiben, sondern authentisch sein Bedauern ausdrücken und von ganzem Herzen um Entschuldigung bitten“, erklärte Anwalt Thomas Klein laut noz.de.

Einem Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes Niedersachsen zufolge war der Knallkörper erheblich gefährlicher als in Deutschland zugelassene Böller. Bei der Zündung sei ein Schallpegel von mehr als 150 Dezibel entstanden. Die Verletzten erlitten Knall- und Explosionstraumata, einige Beamte auch Bauch- und Beinverletzungen durch Teile der herumfliegenden Ummantelung des Sprengkörpers.

Die Polizei war dem Angeklagten nach Auswertung von umfangreich vorhandenem Foto- und Videomaterial auf die Spur gekommen. Sein Foto entdeckten die Fahnder als Profilbild in einem sozialen Netzwerk des Internets. Schon eine Woche nach der Tat konnte er festgenommen werden. Auf seinem Mobiltelefon entdeckten die Ermittler eine SMS- Nachricht vom Tattag: "Bitte OSNA töten. Wir wollen gewinnen."

sportal.de / sportal

Wissenscommunity