Stefan Effenberg exklusiv Das Thema 'Enke' muss aus den Köpfen heraus


stern.de-Experte Stefan Effenberg widmet sich in seiner letzten Bundesliga-Kolumne in dieser Saison dem Abstiegskampf. Hertha und Bochum steigen verdient ab, meint Effe, der auch noch einen Ratschlag an Hannover 96 hat.

Im oberen Tabellendrittel war ja schon vor dem letzten Spieltag vieles klar. Deshalb habe ich mich verschärft dem spannenden Abstiegskampf gewidmet. Ok, über die Hertha muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Auch ich habe dazu an dieser Stelle schon alles gesagt. Nur das vielleicht noch: Jetzt müssen alte Zöpfe abgeschnitten werden. Mit einem neuen Trainer und mehr Kompetenz an allen Stellen muss in Berlin der sofortige Wiederaufstieg angepeilt werden. Nichts anderes muss das Ziel sein.

Auch Bochum steigt verdient ab. Sie haben seit Wochen keine Ergebnisse mehr erzielen können. Gerade zuhause vor den eigenen Fans war der VfL eigentlich immer stark. Aber auch dort traten die Bochumer immer mutloser auf. Die Installation von Heiko Herrlich, von der ja eigentlich eine Signalwirkung ausgehen sollte, bewirkte in Wahrheit das Gegenteil. Herrlich hat gut begonnen, aber dann stimmte die Harmonie zwischen Team und Trainer irgendwann nicht mehr. Als Trainernovize muss man wissen: Bochum ist ein heißes Pflaster. Trotzdem glaube ich an die Fähigkeiten von Heiko Herrlich. Er wird seinen Weg gehen. Jetzt hoffe ich, dass die Verantwortlichen Dariusz Wosz auch in der zweiten Liga das Vertrauen schenken. Der VfL ist doch sein Verein!

Dass Hannover sich doch noch gerettet hat, spricht für die Qualität dieser Mannschaft, die durch den Tod von Robert Enke wirklich eine harte Zeit durchgemacht hat. Jetzt muss aber auch bei 96 ein Schlussstrich diesbezüglich gezogen werden. Das Thema 'Robert Enke' muss aus den Köpfen heraus. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass der Club auch in die neue Saison traumatisiert startet. Damit wir uns richtig verstehen: Die Spieler sollen Robert nicht vergessen, das tun sie sowieso nicht, aber sie müssen lernen, die psychische Belastung in den Griff zu bekommen bzw. auf ein Minimum zu reduzieren. Sie sind auf einem guten Weg, das haben die letzten Wochen mit 6 Punkten und 9:1 Toren aus den letzten beiden Partien bewiesen.

Noch schnell zu einer Sache, die mir am Herzen liegt - vielleicht auch im Hinblick auf die neue Saison: Insgesamt wünsche ich mir noch mehr Trainerpersönlichkeiten in der Bundesliga. Davon gibt es derzeit zu wenige. Van Gaal, Schaaf und auch Magath: Das sind Trainer mit einer Aura, sie strahlen alle etwas aus und treffen auch in der Kommunikation sowohl mit den Medien als auch mit ihren Mannschaften immer den richtigen Ton. Vielleicht sollten die Clubs, bevor sie ihren Trainer feuern, zweimal überlegen - und dann erst entscheiden. Man muss auch mal als Verein dem öffentlichen Druck standhalten können und nicht immer sofort nachgeben. Nur so können sich Persönlichkeiten in diesem harten Geschäft doch erst entwickeln.


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