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Torwart-Frage: "Weiß es selbst noch nicht"

Bundestrainer Klinsmann hat sich noch nicht entschieden, wer bei der Fußball-WM im Tor stehen wird. Die Konkurrenten Kahn und Lehmann sehen sich beide als Sieger.

Jürgen Klinsmann hat die Entscheidung über den deutschen WM-Torhüter trotz seiner bisherigen Einstufung von Oliver Kahn als Nummer eins und Jens Lehmann als Herausforderer als völlig offen bezeichnet. "Ich selbst weiß zur Zeit noch nicht, wer im Tor stehen wird", sagte der Bundestrainer dem Fußball-Fachmagazin "kicker". Ausschlaggebend bei der Wahl des Torwarts für die Fußball-Weltmeisterschaft, die Klinsmann Anfang Mai verkünden will, sei die Frage: "Was ist das Beste für die Mannschaft?"

Der Bundestrainer attestierte sowohl Kahn als auch Lehmann im Verlauf ihres fast zweijährigen Konkurrenzkampfes "stark gehalten" zu haben. "Ich hoffe, dass sich keiner der beiden noch verletzt oder einen Rückschlag erleidet. Würde das passieren und wir hätten uns frühzeitig entschieden, wäre es fatal", sagte Klinsmann.

"Es wird immer Diskussionen geben"

Im April will er mit seinem Assistenten Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke "alles aufarbeiten" und sich dann auf seine Nummer eins beim Turnier festlegen. Die Brisanz der Personalie ist dem 41-Jährigen bewusst: "Die Bekanntgabe des WM-Torwarts wird die entsprechende öffentliche Begleitmusik auslösen, aber das stört uns nicht", kommentierte Klinsmann. "Es wird immer wieder Diskussionen geben, das bringt der Job mit sich."

Bayern-Kapitän Kahn und Arsenal-Keeper Lehmann sehen sich jeweils als Sieger ihres Duells. Da ihn Klinsmann bislang stets als Nummer eins bezeichnet hatte, gebe es für ihn "keinen Grund, an irgendwas zu zweifeln", erklärte Kahn in der vergangenen Wochen vor dem Spiel gegen die USA, bei dem er im Tor gestanden hatte. Er habe die Rotation mit Lehmann angenommen "und eindreiviertel Jahre stabile Leistungen gezeigt". Lehmann äußerte sich nach der Partie in Dortmund ebenfalls optimistisch: "Ich wüsste keinen einzigen Grund, warum ich nicht spiele bei der WM." Klinsmann stören solche Aussagen nicht, beide dürfen weiterhin verbal für sich werben: "Das ist absolut in Ordnung."

Lauth ist raus

Obwohl Benjamin Lauth mit vier Treffern in den letzten vier Spielen für den Hamburger SV beste Eigenwerbung betrieb, spielt der 24-Jährige in den WM-Planungen des Bundestrainers keine Rolle. "Für den Angriff gehört Benny Lauth nicht zu unserem erweiterten Kader", sagte Klinsmann. Auch die Routiniers Jens Nowotny (Bayer Leverkusen) und Markus Babbel (VfB Stuttgart) können kaum noch hoffen, als Nothelfer in der Abwehr zum Zuge zu kommen. "Im Grunde haben wir Vertrauen zu unseren jungen Abwehrspielern."

Eine Abkehr von der Viererkette hin zum nicht mehr zeitgemäßen System mit Libero schloss Klinsmann aus: "Den Libero wird es bei uns nicht geben." Zur Stabilisierung der Defensive denkt er eher an einen zweiten Abräumer im Mittelfeld. "Es kann durchaus eine zweite Nummer 6 geben." Neben dem gesetzten Bremer Torsten Frings könnte das der Dortmunder Sebastian Kehl sein, der beim 4:1 gegen die USA ein geglücktes Comeback in der Nationalmannschaft gefeiert hatte.

Testspiel gegen Luxemburg

Für den zusätzlichen WM-Test am 27. Mai hat der Deutsche Fußball- Bund (DFB) Luxemburg als Gegner ausgeguckt. Der Verband bestätigte eine offizielle Anfrage an den luxemburgischen Verband. Der Spielort stehe noch nicht fest, sagte DFB-Sprecher Harald Stenger. Im Gespräch ist offenbar Freiburg. Den vor dem USA-Spiel abgesagten Fitness-Test will Klinsmann an einem Montag im April nachholen. Teammanager Bierhoff soll mit Bayern-Manager Uli Hoeneß, dem Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft der Bundesliga, einen Termin aushandeln.

Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA / DPA

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