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Trotz Millionenklage: Klasnic bleibt bei Werder

Ivan Klasnic wird trotz seiner Ärztepfusch-Klage weiterhin das Trikot von Werder Bremen tragen. Nach seinem Auftrittt bei "Beckmann" war über einen Rausschmiss spekuliert worden. Werder-Boss Jürgen Born sagte stern.de, dass Klasnic bleibt.

Von Klaus Bellstedt

Um vier Minuten nach 9 Uhr erschien Ivan Klasnic am Dienstag zum Termin mit der Geschäftsführung von Werder Bremen. Seine Anwälte Teichner und Horndasch verspäteten sich sogar noch ein bisschen mehr. Den Bremer Vereinsoberen um Manager Klaus Allofs und Club-Boss Jürgen L. Born dürfte diese kleine Provokation gar nicht gefallen haben, Hanseaten warten nur ungern. Besonders dann, wenn der Grund des Zusammentreffens - wie im Fall Klasnic - kein schöner ist.

Allofs und Co. hatten Klasnic, der von Werder wegen seiner Nierentransplantation 1,4 Millionen Schadenersatz will, zum Rapport geladen. Der Stürmer hatte am Vorabend bei "Beckmann" seine Vorwürfe an die Mannschaftsärzte erneuert, die er wegen Versäumnissen bei der Behandlung seiner Nierenerkrankung auf Schadenersatz verklagt hat. Spätestens nach dem Herz- und Schmerzauftritt des Ehepaars Klasnic in der ARD-Talksendung wurde auch jedem bis dahin Unbeteiligten klar, dass das Verhältnis zwischen Ivan Klasnic und Werder Bremen gestört ist. Und dennoch: Wie stern.de erfuhr, spielt Klasnic auch weiterhin für Werder! stern.de erreichte Club-Boss Born nach der Marathon-Sitzung am Telefon: "Ivan will weiter für Werder spielen und das wollen wir auch", so Born. Klasnic wird wohl auch wieder die Zusammenarbeit mit Werder-Doc Dimanski aufnehmen, ließ Born durchblicken. Bremen und Klasnic einigten sich auch darauf, über eine Vertrags-Verlängerung zu verhandeln.

"Mit dem heutigen Gespräch sind die Irritationen zwischen Ivan Klasnic und Werder Bremen ausgeräumt. Wir werden uns zur Fortführung der Vertragsgespräche weiterhin mit Ivan Klasnic zusammensetzen", hieß es in einer von Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs am Dienstagabend vor der Presse verlesenen Erklärung. Der 28 Jahre alte Angreifer zeigte sich ebenfalls versöhnlich. "Jeder hat ein paar Fehler gemacht. Die sind jetzt ausgeräumt", so Klasnic, der eine von seinen Anwälten verlesene Presseerklärung herausgab, in der er ausdrücklich betonte, dass sich seine Kritik "ausschließlich gegen die betroffenen Ärzte, nicht gegen den Verein" gerichtet hat. Werder gestand ebenfalls Fehler im Umgang mit seinem Spieler ein. "Bei Ivan Klasnic und seiner Familie ist der Eindruck entstanden, Werder Bremen habe sich während seiner Erkrankung nicht in ausreichendem Maße gekümmert. Wir bedauern dies sehr und räumen ein, dass wir in manchen Situationen besser hätten reagieren können", erklärte Allofs. Vor allem Patricia Klasnic brachte mit ihren scharfen Attacken den Verein in Bedrängnis. Die Ehefrau von Klasnic, der seit März 2007 mit einer Niere seines Vaters lebt, griff namentlich Klaus Allofs an. Werders Manager habe sich nicht nach dem Befinden des Profis nach zwei Transplantationen erkundigt. Außerdem hätte die Clubführung der Familie einen "Maulkorb" verpasst. Auch wenn die Worte nicht aus dem Munde des verschüchtert wirkenden Klasnic kamen - dass das sensible Bremer Führungsquartett um Vorstandsboss Born und die drei Geschäftsführer Allofs, Müller und Fischer auch weiterhin zu Klasnic halten würden, damit konnte man so nicht rechnen.

Das Gespräch auf der Geschäftsstelle der Grün-Weißen im Weserstadion, an dem auch Coach Schaaf teilnahm, verlief dann länger als gedacht. Mehr als fünf Stunden sagte man sich hanseatisch, ehrlich und direkt die Meinung. Werder-Vorstand Manfred Müller hatte schon tags zuvor angekündigt, mit Klasnic und seinen Anwälten Tacheles zu reden: "Wir sprechen Auge in Auge mit Ivan darüber, ob er überhaupt noch Lust hat, mit uns zusammenzuarbeiten." Ein Satz, der das Ende der siebenjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Bundesligaklub und dem kroatischen Nationalspieler näher rücken ließ - hätte man meinen können.

Klar ist nach diesen turbulenten vier Tagen an der Weser nur eines: Gewinner gibt es in der unfassbaren "Causa Klasnic" bei der es um zwei womöglich vermeidbare Nierentransplantationen, um vermeintlichen Ärztepfusch - und vor Gericht um Schmerzensgeld sowie Schadensersatz in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro geht keine. Nur zwei Verlierer! Ein Arzt, bei etlichen Werder-Profis nicht sehr beliebt, der angeklagt ist und eventuell darauf kommen könnte, dass seine Zeit als Werder-Mediziner abgelaufen ist. Und natürlich Klasnic selbst, der möglicherweise mit für ihn fatalen gesundheitlichen Folgen falsch behandelt wurde und sich ein Leben lang um seine Gesundheit sorgen muss.

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