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Kaputte Nieren durch Schmerzmittel Ex-Profi Ivan Klasnic erhält vier Millionen Euro Schmerzensgeld von früheren Werder-Ärzten

Ivan Klasnic im Januar 2020 bei einem Promi-Kick im Emsland
Ivan Klasnic im Januar 2020 bei einem Promi-Kick im Emsland
© Picture Alliance
Spätes Eingeständnis: Die früheren Mannschaftsärzte von Werder Bremen haben Schuld daran, dass Ex-Profi Ivan Klasnic schwere Nierenschäden davontrug. Jetzt kassiert er nach einem Vergleich vier Millionen Euro Schmerzensgeld.

Nach zwölf Jahren ist ein Rechtstreit zwischen dem früheren Fußball-Profi Ivan Klasnic und zwei ehemaligen Mannschaftsärtzen von Werder Bremen zu Ende gegangen. In einem Vergleich einigten sich die Parteien darauf, dass Klasnic vier Millionen Euro Schmerzensgeld erhält. Klasnic hatte nach jahrelanger Einnahme von Schmerzmitteln, die ihm die Ärzte verschrieben hatten, schwere Nierenschäden davongetragen. Mittlerweile hat der 40-Jährige drei Transplantationen hinter sich und wird weiter gesundheitlich eingeschränkt sein.

"Wenigstens waren die Ärzte jetzt dazu bereit, ihr Bedauern über die Vorkommnisse im Vergleich auszudrücken", sagte Klasnics Rechtsanwalt Matthias Teichner. "Dies war meines Erachtens längst überfällig." Die Entschädigung wird von Versicherungen gezahlt, die Ärzte selbst werden nicht belangt.

Erst auswärtige Ärzte schlugen Alarm

Das schwere Schicksal des kroatischen Angreifers, der für Werder Bremen und den FC St. Pauli spielte, hatte damals ein Schlaglicht auf den Medikamenten-Missbrauch unter Profi-Fußballern geworfen. Klasnic' schlechte Nierenwerte waren erst im Jahr 2005 vor einer Blinddarm-Operation von auswärtigen Ärzten festgestellt worden, die umgehend Alarm schlugen. Die früheren Werder-Mannschaftsärzte Götz Dimanski und Manja Guha hatten zunächst jegliche Schuld von sich gewiesen. Dabei müssen die schlechten Blutwerte lange vorher bekannt gewesen sei - ohne dass sie handelten. Eine Ausrede der Ärzte lautete damals, Klasnic hätte ein Vorschädigung gehabt und seine Niereninsuffizienz sei nicht zu verhindern gewesen. 

 

Der nun vereinbarte Vergleich, über dessen genauen Inhalt beide Parteien schweigen, dürfte eine Genugtuung für den den Ex-Profi sein. Das Bremer Landgericht hatte Klasnic in einem ersten Urteil zunächst 100.000 Euro zugesprochen. Klasnic und sein Rechtsanwalt Teichner akzeptierten das Urteil nicht und zogen weiter vor das Oberlandesgericht, wo das Verfahren noch einmal Jahre dauerte. Anwalt Teichner hält die jetzt vereinbarte Summe für "eher dazu geeignet, ein Gefühl von Gerechtigkeit aufkommen zu lassen". Allerdings könne "kein Geld der Welt den erheblichen und dauerhaften Gesundheitsschaden meines Mandanten wettmachen". Dem stern sagte Klasnic kürzlich: "Ich bin rückblickend selbst sehr stolz ­darauf. Der Schlüssel war wohl, positiv zu bleiben, trotz vieler Rückschläge. Ich wollte es mir zeigen. Und auch den Leuten. Ich habe nie aufgegeben, auch wenn es Tage gab, an denen es sehr schwer war."

Erster Fußballer weltweit, der mit Spenderorgan auflief

Das Urteil wirft auch kein gutes Licht auf das damalige Verhalten von Werder Bremen. Der Klub, mit dem Klasnic 2004 das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann, hatte jegliche Mitverantwortung von sich gewiesen. Trotzdem verlängerte Klasnic nach seiner ersten Nierentransplantation 2007 zunächst seinen Vertrag bei Werder um ein Jahr. So wurde er im November 2007 im Siel gegen Energie Cottbus zum ersten Fußball-Profi weltweit, der in einer der höchsten Spielklassen mit einem Spenderorgan auflief. 2008 trennten sich die Wege. Nach Stationen bei den Bolton Wanderers und dem FC Nantes beendete der Kroate seine Karriere 2013 beim Mainz 05. Heute lebt er in Hamburg und arbeitet als Spielerberater.

Quellen: "Sportschau.de", DPA

tis

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