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30. Spieltag: Bremen patzt, Schalke feiert

Werder Bremen hat mit einem torreichen Remis in Karlsruhe seinen zweiten Tabellenplatz verteidigt. Aber Schalke holt auf: Nach einem Sieg gegen Hamburg liegen Königsblau punktgleich auf Rang drei. Der HSV ist damit im Kampf um die Champions-League-Plätze aus dem Rennen. Cottbus ist der große Gewinner im Abstiegskampf

Der FC Bayern München muss die Feier der 21. deutschen Fußball-Meisterschaft noch um mindestens eine Woche verschieben. Zwar büßte Verfolger Werder Bremen am 30. Spieltag durch das 3:3 beim Karlsruher SC Boden auf die Spitze ein, dafür gewann der FC Schalke 04 das Verfolgerduell beim Hamburger SV mit 1:0. Beide liegen auf den Plätzen zwei und drei jeweils neun Punkte hinter dem Spitzenreiter zurück. Selbst ein Sieg der Bayern an diesem Sonntag gegen den VfB Stuttgart reicht dem Rekordmeister nicht, um bereits definitiv als neuer Titelträger festzustehen. Am Tabellenende feierte der FC Energie Cottbus einen wichtigen Sieg.

Werder patzt gegen Karlsruhe

Werder Bremen hat im Rennen um die direkte Qualifikation für die Champions League eine gute Ausgangsposition vor dem Bundesliga-Endspurt verspielt. Die Bremer mussten sich in einem begeisternden Spiel beim Aufsteiger Karlsruher SC mit einem 3: 3 (2:1) begnügen und büßten nach zuletzt drei Siegen in Folge zwei wichtige Punkte ein. Werder bleibt zwar Zweiter, liegt nun aber gleichauf mit den drittplatzierten Schalkern.

Diego (23.), Mesut Özil (29.) und Boubacar Sanogo (87.) trafen für Werder, Sebastian Freis (15./59.) sowie Edmond Kapllani (66.) für die im gesicherten Mittelfeld stehenden Badener. Vor 29.470 Zuschauern im ausverkauften Wildparkstadion waren die agilen Bremer, die ohne Nationalspieler Torsten Frings (Kapselverletzung im Sprunggelenk), Frank Baumann (Bänderdehnung), Aaron Hunt (Gelb-Sperre) und Sebastian Boenisch (Muskelfaserriss im Oberschenkel) auskommen mussten, in den ersten Minuten brandgefählich. Sanogo (4.) und sein Sturmpartner Ivan Klasnic (6.) konnten die beiden großen Chancen in der Anfangsphase aber nicht verwerten.

Obwohl die Bremer auch in der Folge das Geschehen bestimmten, waren es die auf Konter lauernden Gastgeber, die überraschend die Führung erzielten. Dabei nutzte Freis nach guter Vorarbeit von KSC-Spielmacher Tamas Hajnal eine große Lücke in der zu weit aufgerückten Werder-Abwehr zu seinem siebten Saisontor. Nach der Führung der Gastgeber, die auf Michael Mutzel (Angina), Joshua Kennedy (Bänderriss im Sprunggelenk) und Bradley Carnell (Adduktorenprobleme) verzichten mussten, wurde die ohnehin schon attraktive Partie noch besser. Vor allem die Gäste boten den Zuschauern schnellen Kombinationsfußball, der in zahlreichen hochkarätigen Chancen mündete. Eine dieser Möglichkeiten nutzte der wieder einmal überragende brasilianische Spielmacher Diego zu seinem 13. Saisontor.

KSC-Keeper Miller griff daneben

Die Führung der Bremer resultierte allerdings nicht aus einer der vielen Chancen. Denn während Sanogo zwei gute Möglichkeiten nicht nutzen konnte (27./28.), ließ KSC-Torhüter Markus Miller einen harmlosen Schuss von U21-Nationalspieler Özil passieren. Der Tortwartfehler Millers, der zuvor hervorragend gehalten hatte, bescherte dem Ex-Schalker seinen ersten Treffer im Werder-Dress. Nach dem Seitenwechsel stand zunächst Schiedsrichter Marc Seemann (Essen) im Mittelpunkt, da dieser nach Meinung der Bremer Trainerbank ein Handspiel des Karlsruher Innenverteidigers Maik Franz im Strafraum übersehen hatte (48.). Zwei Minuten später verfehlte KSC-Kapitän Mario Eggimann per Kopf knapp das Werder-Tor, wiederum zwei Minuten später scheiterte Bremens Naldo an Miller.

Auch im Anschluss beruhigte sich die Begegnung nicht. Während Werder auf das dritte Tor drängte, blieb der KSC weiter mit Kontern gefährlich und erzielte erneut durch Freis den Ausgleich. Danach schaffte Kapllani mit seinem ersten Saisontor sogar die Führung für die Einheimischen, doch Sanogo konnte noch ausgleichen. Beste Spieler auf Seiten der Bremer waren Diego, der Däne Daniel Jensen und Nationalspieler Tim Borwoski, der sich unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw für einen Platz im deutschen EM-Kader empfehlen konnte. Bei den Platzherren konnten vor allem Hajnal und Freis überzeugen.

HSV verspielt gegen Schalke Chance auf die Champions League

Schalke 04 hat das `Endspiel´ um die Teilnahme an der Champions League gegen den direkten Mitkonkurrenten Hamburger SV dank Stürmer Kevin Kuranyi gewonnen. Mit seinem Siegtreffer zum 1:0 (1:0) brachte der Nationalstürmer die Königsblauen in der Fußall-Bundesliga einen großen Schritt in Richtung Königsklasse und einer Einnahme von rund 20 Millionen Euro. Für die Hamburger ist der Traum von der Champions League nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge dagegen wohl endgültig ausgeträumt. Matchwinner war bereits in der zweiten Minute Kevin Kuranyi, der den Schalker Interimstrainern Mike Büskens und Youri Mülder mit seinem 15. Saisontor den zweiten Sieg im zweiten Spiel bescherte.

Die mit großer Spannung erwartete Partie begann denkbar ungünstig für die Gastgeber vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena. Außenverteidiger Thimothee Atouba unterschätzte in der zweiten Minute offenbar die Geschwindigkeit seines Gegenspielers Albert Streit und ließ den ehemaligen Frankfurter unbedrängt einem Ball hinterherlaufen.

Streit erwischte das Leder noch vor der Tor-Aus-Linie und zirkelte eine Flanke genau auf den Kopf des völlig freistehenden Kuranyi, der keine Mühe hatte, das Tor des Tages zu erzielen. Die Hanseaten zeigten sich allerdings nur kurze Zeit geschockt. Schon zwei Minuten später hätte es durchaus den Ausgleich geben können. Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart, der seit dem 19. Spieltag kein Tor mehr erzielt hat, traf aus kurzer Distanz mit der Hacke allerdings nur das Außennetz.

Am Anfang war die Partie unterhaltsam

In der zunächst sehr unterhaltsamen Partie hatten anschließend die Gäste die große Chance zur schnellen Vorentscheidung. Nach einem Steilpass von Fabian Ernst lief Halil Altintop völlig frei auf Torwart Frank Rost zu, überlupfte seinen ehemaligen Mannschaftskollegen, konnte aber anschließend den ins Aus trudelnden Ball nicht mehr erreichen. Auf der Gegenseite verhinderte in der 12. Minute Torwart Manuel Neuer mit einem Reflex einen Treffer von Ivica Olic, der nach einem Steilpass von van der Vaart frei stand.

Die große Schwäche der Hamburger bei der Chancenverwertung zeigte sich auch in der 20. Minute. Olic köpfte in einer ähnlichen Situation wie Kuranyi beim Führungstreffer aus kurzer Distanz am Schalker Tor vorbei und auch in der 20. Minute fand ein Kopfball von Paolo Guerrero nicht den Weg ins Ziel. Die Gelsenkirchener verlegten sich nun überwiegend auf die Verteidigung ihres Vorsprungs, spielten dabei sehr konzentriert und ließen bis zum Ende der ersten Halbzeit keine klare HSV-Chance mehr zu. Das Spiel der Gastgeber verflachte zunehmend, misslungene Flanken quittierten die Fans mit Pfiffen.

Nach der Pause kam der HSV mit mehr Druck nach vorne aus der Kabine und hatte durch Guerrero (54.) und Guy Demel (64.) Pech, deren Schüsse knapp das Tor verfehlten. Die Schalker warteten weiter nur auf Konter, während sich die Hamburger kaum noch gefährlich dem Gäste-Strafraum nähern konnten und ihr Glück überwiegend durch Fernschüsse versuchten. Beste Spieler bei Schalke 04 waren Fabian Ernst sowie Abwehrchef Marcelo Bordon, bei den Hamburgern ragten Nigel de Jong sowie Guy Demel heraus.

Cottbus landet Big Point gegen Rostock - mit zehn Mann

Energie Cottbus hat einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt getan. Durch einen Treffer von Dimitar Rangelow in der Nachspielzeit (90.+1) sicherten sich die Lausitzer in Unterzahl im Ostderby gegen Hansa Rostock einen 2:1 (0:1)-Erfolg und verbesserten ihr Punktekonto auf 32. Die Hanseaten rutschten mit 27 Zählern auf den 17. und vorletzten Tabellenplatz ab.

Djordjije Cetcovic erzielte mit seinem ersten Bundesligatreffer in der 16. Minute den Führungstreffer für Rostock. Energie, das ab der 42. Minute nach einer Gelb-Roten Karte für Verteidiger Igor Mitreski wegen wiederholtem Foulspiels in Unterzahl agierte, wurde erstmals durch den Ausgleich von Timo Rost (81.) für seinen Kampfgeist belohnt.

Die Gastgeber erwischten vor etwa 21.000 Zuschauern im Stadion der Freundschaft den besseren Start in die Partie, die beide Seiten zuvor als "wichtigste in der Saison" bezeichnet hatten. Bereits in der zweiten Minute hatte Stivn Rivic die Führung auf dem Fuß, doch Hansa-Verteidiger Tim Sebastian klärte in höchster Not.

Cottbus siegte mit Leidenschaft

Auch mit zunehmender Spieldauer hatten die Cottbuser mehr Spielanteile, in Führung ging jedoch der Gast aus Rostock mit seiner ersten Chance. Cetkovic nahm das Geschenk von Stanislaw Angelow, der ihm den Ball im Strafraum unfreiwillig zuspitzelte, dankend an und schob unhaltbar für Gerhard Tremmel zum 1:0 ein. Cottbus zeigte sich jedoch wenig geschockt über den Rückstand und erarbeitete sich weiter gute Torchancen. So hätte Angelow seinen Fehler mit einem Latten-Schuss (17.) wieder gut machen können, zudem kratzte Tobias Rathgeb einen Kopfball von Vragel da Silva von der Linie (21.). Die Rostocker nahmen fortan etwas das Tempo aus dem Spiel und versuchten, mit gelegentlichen Entlastungsangriffen die Gefahr vom eigenen Tor wegzuhalten.

Cottbus kam jedoch mit neuem Schwung aus der Kabine und war trotz Unterzahl spielbestimmend. So hätte ein Eigentor Gledson (48. ), der nach einen Freistoß an die eigene Latte geköpft hatte, sowie ein Schuss ans Außennetz von Branko Jelic (56.) die Hausherren zurück in die Partie gebracht. Die Gäste waren viel zu passiv und schlugen zunächst kein Kapital aus ihrer numerischen Überlegenheit. Zudem wurden die wenigen Konterangriffe oftmals kläglich vergeben. So scheiterte Sebastian Hähnge frei vor dem stark reagierenden Tremmel (69.).

Als beste Spieler taten sich bei Cottbus neben Tremmel auch der agile Rivic hervor. Bei den Gästen war Kai Bülow im defensiven Mittelfeld sehr auffällig, zudem gefiel Torhüter Stefan Wächter.

Bielefeld und Nürnberg verschenken Punkte

Der 1. FC Nürnberg hat im Abstiegskampf den erhofften Befreiungsschlag verpasst und muss weiter um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga bangen. Die Mannschaft von Trainer Thomas von Heesen kam im direkten Duell mit dem Konkurrenten Arminia Bielefeld nicht über ein 2:2 (2:0) hinaus und bleibt weiter auf einem Abstiegsplatz. Zwei Punkte mehr hat die Arminia auf dem Konto, die damit weiter Tabellen-15. ist. In einer über weite Strecken niveauarmen, aber spannenden Begegnung erzielten Marek Mintal (29.) und Iwan Sajenko (38.) die Club-Tore sechs Tagen nach dem 1:0-Heimsieg über den VfL Wolfsburg im Wiederholungsspiel am vergangenen Sonntag. Für die über weite Strecken erschreckend schwachen, in der zweiten Halbzeit aber kaltschnäuzigeren Gäste, trafen Artur Wichniarek (47.) und Markus Bollmann (59.).

Duisburg verpasst große Chance

Die Hoffnung auf den Klassenerhalt schwindet bei MSV Duisburg immer weiter. Die Mannschaft von Trainer Rudi Bommer kam beim VfL Bochum trotz einer guten Leistung nur zu einem 1:1 (1:0) und bleibt Tabellenschlusslicht. Stanislav Sestak wendete in der 84. Minute mit seinem zwölften Saisontor die zweite Heimniederlage des VfL in der laufenden Saison ab und verhinderte den dritten Auswärtssieg der Duisburger in Folge. Claudiu Niculescu (26.) sorgte mit einem spektakulären Freistoß aus 25 Metern in den Winkel des Bochumer Tores für die MSV-Führung. Vor 24.399 Zuschauern hätten die Gäste alleine in der ersten Hälfte allerdings mindestens ein Dutzend Tore schießen können. Nach einer Schrecksekunde durch den Kopfball durch Bochums Benjamin Auer (1.) spielte nur noch der MSV und hatte durch Niculescu (7., 9.), den starken Blagoy Georgiew (9., 11.), Adam Bodzek (15.), Tobias Willi (15.) und Manasseh Ishiaku (39., 43.) beste Einschussmöglichkeiten. Lediglich Bochums Torhüter Rene Renno hielt die Gastgeber noch im Spiel.

Berlin tritt auf der Stelle

Trotz einer Aufholjagd in der zweiten Halbzeit tritt Hertha BSC Berlin weiter auf der Stelle. Der seit nun acht Spielen sieglose Hauptstadt-Klub kam bei Hannover 96 nach einem 0:2-Halbzeitrückstand zwar noch zu einem 2: 2, muss sich in der Tabelle aber weiter an unteren Regionen orientieren. Für Hannover, das sich nach zuvor zwei Siegen in Folge wieder leichte Hoffnungen auf eine Teilnahme am UI-Cup gemacht hatte, bedeutete das Remis derweil ebenfall einen Dämpfer. Vor 41.473 Zuschauern in Hannovers WM-Arena sorgte der Berliner Steve von Bergen per Eigentor unfreiwillig für die Führung der Platzherren (19.). Sieben Minuten später erhöhte Jiri Stajner nach einem haarsträubenden Missverständnis in Herthas Hintermannschaft auf 2:0. Berlin gelang durch Sofian Chahed per Handelfmeter der Anschluss (55.), Lukasz Piszczek (66.) glich kurz darauf aus.

Neben der Partie von Rekordmeister Bayern München gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart steht an diesem Sonntag auch noch das Duell zwischen Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg auf dem Programm.

DPA/SID / DPA

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