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Uefa beschließt neuen Wettbewerb: Die Nationenliga braucht keiner

Die Nationenliga kommt ab 2018. Der neue Wettbewerb sorgt dafür, dass es noch mehr Fußball gibt. Doch das Kunstprodukt ist völlig überflüssig.

Ein Kommentar von Felix Haas

Ach, liebe Uefa. Ihr habt euch etwas Neues ausgedacht. Da ist eigentlich gar nichts gegen einzuwenden. Ihr wollt weniger Freundschaftsspiele, mehr Wettbewerb, das klingt erstmal ganz verlockend. Doch leider endet euer Einfall damit, dass es noch mehr Partien in der Sommerpause geben soll. Lasst euch das sagen: Zusätzliche Spiele, das braucht keiner!

Auf Welt- und Europameisterschaften freut man sich gerade deswegen, weil sie nicht jedes Jahr ausgespielt werden. Die Turniere sind Highlights für jeden Fan. Eure neue Nationenliga soll nun auch in den spielfreien Sommermonaten der ungeraden Jahre ausgetragen werden. So schön das erstmal klingen mag: Holland und Deutschland spielen um den Titel in der Nationenliga im Jahr 2019. Es wird nicht vergleichbar sein mit einem Finale bei der Welt- oder Europameisterschaft. Nicht für die Spieler und nicht für die Fans.

Mehr als 60 Spiele im Jahr

Die Spieler der Top-Nationen absolvieren - wenn sie die Saison ohne große Verletzungen überstehen - teilweise 60 oder mehr Pflichtspiele im Jahr. In der Saison gilt: Wenn bei einem Bastian Schweinsteiger mal der Fuß schmerzt oder bei Mesut Özil die Wade zwickt, dann beißen sie in wichtigen Spielen auf die Zähne, werfen vielleicht mal ein Schmerzmittel ein und geben alles.

Wenn eine reguläre Saison vorbei ist, braucht der Körper also eigentlich Urlaub. Nun steht jedes zweite Jahr ohnehin schon ein großes Turnier an. Da verdrängt der Wille noch die körperliche Tortur: Für jeden Spieler ist es das größte bei einer WM oder EM dabei zu sein. Kein Spieler würde seinem Trainer wegen einer kleinen Blessur vor der WM in Brasilien absagen.

Top-Spieler brauchen Urlaub

Umso schöner sind für die Spieler die Jahre ohne Turnier. Da können sie nach der Saison ganz entspannt in den Urlaub fahren, ihren Körper pflegen, ihre Familien verwöhnen - und sich auf die neue Saison freuen. Und jetzt, liebe Uefa, setzt ihr den Spielern ein weiteres Turnier vor die Nase. Ausgerechnet in der einzigen entspannten Urlaubszeit im Leben eines Profis!

Stellt euch mal vor, was passiert, wenn bei Schweinsteiger oder Özil vor den Nationenliga-Spielen im Sommer 2019 die Wade zwickt. Sie würden wohl absagen. Und das ist ihnen nicht zu verübeln. Die Nationenliga ist eben nicht die Champions League und erst recht nicht die Weltmeisterschaft. Sondern sie ist dieses eine Turnier zu viel.

So dürften viele Nationen, gerade die großen, trotz der vermeintlichen Reputation eines neuen Titels, nicht ihre besten Mannschaften zu eurem neuen Turnier schicken.

Nationenliga muss sich hinten anstellen

Was das für den Stellenwert der Liga bei den Fans bedeutet, ist klar: Auch für die Fans ist das Angebot an Wettbewerben im Fußball groß genug. Man freut sich über schöne Ligaspiele, über Champions-League-Spiele und, klar: erst recht auf die nächste WM. Eine Nationenliga, bei der dann auch noch manch ein Star fehlt, ist auch hier das eine Turnier zu viel. Es droht eine Sättigung.

Die Nationenliga, euer neues Event, wird sich erstmal hinten anstellen müssen - da kann sie während der Saison noch so viele langweilige Freundschaftsspiele ersetzen.


Ein Kommentar von Felix Haas

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