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Uefa Cup: Pleiten für HSV und Stuttgart

Die Krise des VFB Stuttgart hält an: Die Schwaben verloren vor heimischen Publikum gegen den FC Middlesbrough. Auch der HSV kommt 2006 nicht in Fahrt. Die Hanseaten kassierten gegen Thun eine Niederlage und hoffen nun auf das Rückspiel.

Fußball-Bundesligist Hamburger SV findet auch im UEFA-Cup nicht zur Top-Form des vergangenen Herbstes zurück. Der in diesem Jahr auswärts noch sieglose Liga-Zweite unterlag am Donnerstagabend vor 20 000 Zuschauern in Bern beim FC Thun mit 0:1 (0:1) und muss nun um das Erreichen des Achtelfinales bangen. "Da war mehr drin. Uns hat der letzte Biss gefehlt", kritisierte HSV-Trainer Thomas Doll nach der insgesamt schwachen Leistung seines Teams vor allem vor der Pause.

Sieg unter neuem Trainer

Adriano (30.) erzielte das Tor des Abends für den Sechsten der Schweizer Superliga in dessen erstem Spiel unter dem neuen Trainer Heinz Peischl. Die knappe Niederlage lässt dem HSV aber noch alle Chancen für das Rückspiel am nächsten Donnerstagabend. "Da werden wir einen ganz anderen HSV sehen», versprach Doll. In der Runde der besten 16 trifft der Sieger des deutsch-schweizerischen Duellsauf den Gewinner des Aufeinandertreffens von Hertha BSC und Rapid Bukarest (Hinspiel: 0:1).

Bei strömendem Regen hatten die Norddeutschen auch ohne die verletzten Rafael van der Vaart, Stefan Beinlich, Ailton und den gesperrten Khalid Boulahrouz gegen den Schweizer Vizemeister vom Anpfiff weg optische Vorteile. Im Mittelfeld versuchten vor allem David Jarolim und Piotr Trochowski, offensive Akzente zu setzen. Wirklich nachhaltig gelang ihnen das allerdings nicht, so dass die beiden HSV-Spitzen Sergej Barbarez und Benjamin Lauth in der Luft hingen. In der ersten halben Stunde erspielte sich der Bundesliga-Zweite keine einzige echte Torgelegenheit.

Erster Schuss ein Tor

Die Schweizer schafften das zwar auch nicht, aber ihr erster und einziger Vorpausen-Torschuss war dann gleich drin. Adriano nahm nach einem Konter aus halblinker Position im Strafraum Maß und ließ HSV-Torhüter Stefan Wächter keine Chance. Der Ball prallte von der Unterkante der Latte ins Tor. Vorausgegangen war ein katastrophaler Ballverlust von Raphael Wicky im Mittelfeld. "Ich mache ihm keinen Vorwurf. Die ganze Mannschaft hat in der ersten Halbzeit nicht zu ihrem Spiel gefunden", sagte der HSV-Coach.

An der optischen Überlegenheit der Hanseaten änderte der völlig unerwartete Rückstand zwar nichts, an der Angriffsschwäche aber auch nicht. Lediglich bei einem Schüsschen von Lauth drohte dem im ersten Spielabschnitt so gut wie beschäftigungslosen Thuner Keeper Eldin Jakupovic Gefahr, aber der Ball wurde von dessen Mannschaftskameraden noch vor der Torlinie aufgehalten (41.).

Thun mit guter Abwehrleistung

Aus der Pause kam die Mannschaft von Trainer Thomas Doll zwar mit spürbar mehr Engagement. Thuns massive Deckung hielt jedoch dicht auch deshalb, weil den Hamburgern kaum etwas einfiel. Erst nach 70 Minuten schien der Ausgleich nahe, aber der Treffer von Daniel van Buyten fand wegen eines vorausgegangenen Foulspiels von Barbarez keine Anerkennung.

13 Minuten vor dem Abpfiff war Barbarez erneut der Hauptakteur einer Strafraumszene, aber wieder fand der Schuss des Bosniers nicht den Weg ins gegnerische Tor. Mit zwei weiteren Wechseln versuchte Doll dann in der Schlussphase, noch mehr Druck zu erzeugen. Aber vergebens. Am Ende stand die zweite Niederlage im 15. internationalen Auftritt in dieser Saison.

Nächste Pleite für VfB-Coach Veh

Der VfB Stuttgart muss nach der zweiten Niederlage unter Trapattoni-Nachfolger Armin Veh den Traum vom Einzug ins Achtelfinale des UEFA-Cups praktisch begraben. Gegen den FC Middlesbrough kassierte der schwäbische Fußball-Bundesligist am Donnerstagabend trotz spielerischer Überlegenheit im Zwischenrunden- Hinspiel eine 1:2 (0:1)-Pleite. Jimmy Floyd Hasselbaink (20. Minute) nach einem kapitalen Schnitzer von Fernando Meira und Stuart Parnaby (46.) direkt nach der Pause trafen zur 2:0-Führung für die Briten. Der VfB kam vor 21 000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion durch Danijel Ljuboja (85.) nur noch zum Anschlusstreffer.

"In der zweiten Halbzeit gab es gleich das Tor. Danach haben wir keinen guten Fußball gespielt", sagte Silvio Meißner nach der Partie. "Wichtig war das Tor von uns. Mal schauen, was da noch möglich ist." Das Rückspiel bei den Briten findet am 23. Februar statt. Auch Veh hat sein Team noch nicht abgeschrieben. "Es ist eine Situation, die nicht einfach ist. Aber ich sehe immer Chancen", sagte der VfB-Coach.

Starke Engländer

Der FC Middlesbrough, der zuvor in dieser Saison im UEFA-Cup noch ohne Gegentor war, kam mit breiter Brust nach Stuttgart. Die Briten hatten in der Premier League Spitzenreiter FC Chelsea mit 3:0 besiegt. Veh hatte seine Elf im Vergleich zu seinem misslungenen Einstand bei Arminia Bielefeld (1:2) gleich auf fünf Positionen verändert.

Der offensiv aufspielende VfB agierte beherzter und selbstbewusster als noch unter Ex-Coach Giovanni Trapattoni. Gleich zu Beginn der ersten Hälfte kam Ljuboja (2.) zu einer guten Möglichkeit. Der Angreifer spitzelte am Strafraum George Boateng den Ball vom Fuß und scheiterte an Keeper Mark Schwarzer, der früher bei Dresden und Kaiserslautern im Tor stand. Nach 16 Minuten vergab Jon Dahl Tomasson nach einer schönen Kombination von Meira und Ljuboja. Nur zwei Minuten später verpasste der Stürmer eine Hereingabe von Jesper Grönkjaer.

Überraschende Führung

Wie aus heiterem Himmel kamen die Gäste zur Führung: Der von Veh wieder in die Abwehrreihe beorderte Meira schoss George Boateng in den Rücken, den Abpraller verwertete Hasselbaink zum 1:0 und stellte damit den Spielverlauf auf den Kopf. Nach dem Aussetzer leistete sich der verunsichert wirkende Meira auf dem schweren Boden noch weitere Patzer, die der Tabellen-16. der englischen Liga aber nicht nutzen konnte. Chancen erspielten sich nur die Schwaben: Die Möglichkeit zum Ausgleich noch vor der Pause hatten Zvonimir Soldo (37.) mit einem Distanzschuss und Tomasson (39.).

Die zweite Hälfte begann mit dem K.o. für die Schwaben: Nach 55 gespielten Sekunden vollendete Parnaby eine Hereingabe von Boateng, der sich auf der rechten Seite durchgesetzt hatte. Der Wille des VfB war nach dem 0:2 gebrochen, die Elf wirkte verunsichert und erspielte sich nur noch wenige Chancen. Für Druck sorgte lediglich über die rechte Seite der agile Grönkjaer. Die Briten zogen sich nach der beruhigenden Führung zurück und taten nichts mehr für die Offensive. Kurz vor dem Ende traf Ljuboja mit einem direkten Freistoß ins untere linke Eck zum 1:2-Endstand.

Rund eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff war die Haupttribüne des Gottlieb-Daimler-Stadions wegen eines angeblichen Feuers evakuiert worden. Wie sich wenig später herausstellte, war ein Fehlalarm der Grund für die Räumung.

DPA / DPA

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