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VfB Stuttgart: Lehmann haut drauf

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Unirea Urziceni in der Champions League (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de) hat Jens Lehmann die Führung des VfB Stuttgart wegen der Entlassung von Markus Babbel scharf kritisiert. Zudem äußerte er Zweifel an der Qualität einiger Mitspieler.

Torhüter Jens Lehmann hat dem Vorstand des VfB Stuttgart im Zusammenhang mit der Entlassung von Trainer Markus Babbel Führungsschwäche vorgeworfen. Die Verantwortlichen hätten sich von den Fan-Protesten beeinflussen lassen, meinte Lehmann in einem Interview mit dem TV-Sender "Sky". "Ich bin aus dem Stadion gegangen und habe diese große Gruppe von zumeist pubertären Jugendlichen da stehen sehen", sagte Lehmann in dem am Montag geführten Gespräch, das vor dem Champions-League-Spiel an diesem Mittwoch gegen Unirea Urziceni ausgestrahlt wird. "Und das hat dann wohl den Ausschlag gegeben, den Verein dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen. Das ist so im Fußball."

Rund um das enttäuschende 1:1 gegen den VfL Bochum war es am vergangenen Samstag zu Krawallen gekommen. Am Sonntag hatte der dreiköpfige Vorstand aus Präsident Erwin Staudt, Sportvorstand Horst Heldt und Finanzvorstand Ulrich Ruf - unter anderem mit Verweis auf die Gewaltausbrüche - Teamchef Markus Babbel freigestellt und den Schweizer Christian Gross verpflichtet. Lehmann sieht darin ein Einknicken vor den randalierenden Anhängern, die am Samstag vor der Partie vorübergehend den Mannschaftsbus festgesetzt hatten und abends die Geschäftsstelle stürmen wollten. Die Clubspitze bat die VfB-Fans indes am Mittwoch in einem Offenen Brief um faire und leidenschaftliche Unterstützung für die Begegnung gegen Urziceni.

Trennung von Babbel nicht unumgänglich


"Es ist eine Sache der Vereine, wie sie mit diesen Gruppen umgehen. Wenn sie sich dem immer beugen, wird es natürlich irgendwann mal schwierig, nicht nachzugeben oder nicht das zu tun, was diese Gruppen wollen", sagte Lehmann. "Wenn man aber die Stärke und auch die Qualität hat, Entscheidungen zu treffen, die dem öffentlichen Verlangen ein bisschen widersprechen, ich glaube dann fährt man auf die Dauer besser. Aber das kriegen die Vereine halt nicht hin." Die Trennung von Babbel war nach Ansicht Lehmanns nicht unumgänglich. "Natürlich gibt es andere Wege", betonte der 40-Jährige.

Dem öffentlichen Druck standzuhalten ist für ihn "nicht ein Problem des VfB Stuttgart, sondern ein allgemeines. Die Qualität an der Spitze ist nicht so vorhanden wie sie vorhanden sein sollte. Insofern ist das schwierig, sich da so zu verhalten, dass man diese ganzen Beeinflussungen nicht unbedingt akzeptieren muss".

Die Einflussmöglichkeiten des neuen Trainers vor dem Spiel gegen Urziceni schätzt Lehmann als gering ein: "Ich will am Mittwoch gewinnen und wie er uns da hinkriegt, dass wir gewinnen, ist mir eigentlich Wurst. Er kann nicht so viel machen, weil er nur noch zwei Trainingseinheiten Zeit hat, aber ich hoffe, dass er dann wenigstens Glück hat."

Zweif an der Qualität im Kader


Außerdem zweifelt Lehmann offensichtlich die Qualität im Kader an - ein deutlicher Seitenhieb auf die Einkaufspolitik von Manager Horst Heldt. "Ich weiß nicht, ob das eine Sache der Verunsicherung oder der Qualität ist - bei einigen. Das muss eben der neue Trainer herausfinden."

Die Streichung seines freien Tages, den er zuvor nach Spielen genossen hatte, kritisierte der ehemalige Nationaltorhüter ebenfalls scharf. "Anscheinend hat es Leute im Vorstand gestört, dass ich nach den Spielen nicht immer zum Regenerationstraining gekommen bin und auch in der Mannschaft", erklärte Lehmann. "Aus meiner Erfahrung im Fußball sollte man immer sehen, dass man den Schwachen im Verein zuhört, aber nie das macht, was die Schwachen verlangen, weil man dann keinen Erfolg haben wird."

DPA/SID/tis / DPA

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