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VfB Stuttgart: Lehmann will zurück in die DFB-Elf

Das Pokern hat ein Ende: Nach monatelangem Feilschen haben sich Torwart Jens Lehmann und der VfB Stuttgart erwartungsgemäß auf eine Vertagsverlängerung bis 2010 geeinigt. Der ehemalige Nationalkeeper liebäugelt sogar wieder mit der WM 2010.

Torwart-Oldie Jens Lehmann hängt wie erwartet noch ein Jahr beim VfB Stuttgart dran und liebäugelt sogar mit einem Comeback in der Nationalmannschaft. "Die WM in Südafrika wäre ein Anreiz für mich", sagte der 39 Jahre alte Fußball-Profi am Freitag bei der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung bis Ende Juni 2010 mit dem schwäbischen Bundesligisten. "Ich weiß aber nicht, ob Bedarf da ist." Andererseits habe er kein Abschiedsspiel gehabt, meinte Lehmann und heizte mit breitem Grinsen Spekulationen an: "Wer weiß, wozu das gut ist." Beim 0:1 im EM-Finale gegen Spanien am 29. Juni 2008 hatte er letztmals für Deutschland gespielt. VfB-Sportdirektor Horst Heldt betonte vor Journalisten in der Mercedes-Benz Arena: "Für uns ist es ganz, ganz wichtig, dass Jens ein weiteres Jahr bei uns bleibt."

Letztendlich haben Lehmanns Lust, der Wunsch seiner drei Kinder und das Okay seiner Frau den Ausschlag für die Verschiebung des sportlichen Renteneinstiegs gegeben. "Wenn ich spiele, will ich das Maximum herausholen", versicherte der 61-malige Nationalkeeper, dass er auch mit fast 40 noch Hunger auf Erfolg habe. "Für mich war es wichtig zu sehen, dass wir seit Ende letzten Jahres eine gute sportliche Entwicklung und gute Perspektiven haben. Zudem wollten meine Kinder unbedingt, dass ich weiterspiele und meine Frau hat gemerkt, dass ich weitermachen möchte". Der Top-Verdiener soll angeblich weiterhin etwa 2.5 Millionen Euro Jahresgehalt bekommen.

Babbel freut sich

Teammanager Markus Babbel freute sich über die Einigung nach monatelangem Hick-Hack: "Mit seiner professionellen Einstellung, seiner wahnsinnigen Erfahrung, seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung ist Jens für mich einer der besten Torhüter und ein wichtiger Ansprechpartner." Heldt hob ebenfalls "die absolut professionelle Einstellung" des Routiniers auf und außerhalb des Platzes hervor.

Der VfB-Sportdirektor entschuldigte sich mit einem kleinen Seitenhieb gegen die Medien zugleich dafür, dass die weitere Zusammenarbeit entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung "vier Tage zu spät" mitgeteilt worden sei: "Das tut mir leid." Die Verhandlungen hätten sich jedoch nicht "wie ein Kaugummi hin- und hergezogen", sondern es seien drei gute, kurze Gespräche gewesen. Lehmann verteidigte seine Hinhaltetaktik: "Gut Ding will Weile haben. Ich hatte keine Eile."

Keine Sonderregelungen

Heldt versicherte, dass der Verein - entgegen anderslautender Meldungen - Lehmann keine Sonderregelungen zugestehe. Dies sei auch "nie Bestandteil" der Verhandlungen gewesen. Es sei aber ein Unterschied, ob einer 20 oder 39 Jahre alt sei. "Wenn Jens am Sonntag beim Auslaufen nicht dabei ist, ist das nicht die Welt", rechtfertigte der Manager gewisse Zugeständnisse. Lehmann wisse, wie er sich vorbereiten und verhalten müsse.

Für Lehmann-Fans hat die Fortsetzung der Laufbahn ihres häufig emotional reagierenden und eigenwilligen Idols auch eine weniger erfreuliche Auswirkung. "Die Buchveröffentlichung wird verschoben", sagte der Schlussmann. Die ursprünglich für April geplante Autobiografie kommt nun erst im nächsten Jahr auf den Markt.

Elmar Dreher/DPA / DPA

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