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Vorwurf der Beleidigung Spieler beschuldigen Schiedsrichter der Pöbelei


Beleidigungen von Schiedsrichtern sind so alt wie der Fußball. Motzereien von Unparteiischen kennt man nicht. Im Pokalspiel Karlsruhe gegen Duisburg soll es genau die gegeben haben.
Von Joel Stubert

Es gab wohl kaum eine Schiedsrichter-Beleidigung in der deutschen Fußballgeschichte, die humorvoller war. Im Regionalliga-Spiel von RW Essen gegen Westfalia Herne 1965 antwortete Willi "Ente" Lippens auf die Aussage des Schiedsrichters "Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!" mit einem "Herr Schiedsrichter, ich danke Sie!". Es folgte der Platzverweis wegen Schiedsrichter-Beleidigung.

Schmähungen hat es im Fußball immer gegeben. Doch jetzt stehen die Schiedrichter nicht für ihre Entscheidungen auf dem Rasen in der Kritik, sondern für ihren Umgang mit den Spielern. Beim Pokalspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem MSV Duisburg (1:0) sollen sich Schiedsrichter Tobias Stieler und sein Assistent Manuel Kunzmann im Ton vergriffen haben. Zumindest, wenn man MSV-Verteidiger Goran Sukalo glaubt: "Assistent Kunzmann hat zu Daniel (Brosinski) gesagt: ‚Du kriegst gleich auf die Nuss‘", berichtet die "Bild"-Zeitung. Der Assistent bestreitet das allerdings: "Das entspricht weder meiner Wortwahl noch den Tatsachen." Während des Spiels soll Stieler zudem die protestierenden Duisburger mit "Hau ab, sonst fliegt ihr alle raus" in Schach gehalten haben.

Strigel in der Schiedsrichter-Kabine

MSV-Coach Kosta Runjaic bemängelte außerdem, Stieler habe ihm nach dem Schlusspfiff den Handschlag verweigert. "Allein diese Situation zeigt, dass der Schiedsrichter generell heute wenig Feingefühl hatte", sagte der Trainer dem Boulevard-Blatt. Schiedsrichter-Assistent Kunzmann dazu: "Normalerweise geben wir allen die Hand, in diesem Fall war es wegen der Proteste zu turbulent." Runjaics Kritik am Unparteiischen ging noch weiter: "Es gab Leute auf dem Platz, die einen sehr, sehr schlechten Tag erwischt hatten." Zwei aus Duisburger Sicht unberechtigte Platzverweise für Sukalo und Keeper Felix Wiedwald waren die Hauptkritikpunkte der "Zebras". Doch MSV-Pressesprecher Haltermann störte noch etwas: "Der harsche Ton des Gespanns war sehr gewöhnungsbedürftig."

Tatsächlich erschien laut "Bild" Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel direkt nach Spielschluss in der Schiedsrichterkabine und kritisierte das Unparteiischen-Team heftig. Grund dafür dürfte aber die schlechte Leistung und nicht die Wortwahl des Schiedsrichter-Gespanns gewesen sein.

Ähnlicher Fall in England

Passend dazu sorgt in England die angebliche Wortwahl von Schiedsrichter Mark Clattenburg für Schlagzeilen. Nach dem verlorenen Ligaspiel von Chelsea London gegen Manchester United (2:3) legten die "Blues" offiziell Beschwerde beim Verband ein. Es ging weniger um die beiden Fehlentscheidungen Clattenburgs, die Chelsea um den möglichen Sieg brachten, sondern vielmehr um eine angebliche rassistische Beleidung des Chelsea-Spielers Jon Obi Mikel.

Mittlerweile hat der Verein seine Aussagen allerdings relativiert. In seiner offiziellen Mitteilung ist von einer rassistischen Beleidigung nichts mehr zu lesen. „Unangemessene Wortwahl“ wird Clattenburg, seit 2006 Fifa-Schiedsrichter, nun zur Last gelegt. Manchester-United-Trainer Sir Alex Ferguson stellte sich auf die Seite des Schiedsrichters. "Ich glaube nicht, dass er solche Kommentare machen würde", sagte Ferguson, er weigere sich gar, sich derartiges vorzustellen. Clattenburgs Assistenten sagten aus, über die Funkverbindung nichts gehört zu haben. Arsene Wenger, Coach des Londoner Rivalen Arsenal sagte: "Es kann passieren, dass sich ein Referee danebenbenimmt - ich sage nicht, dass sie Engel sind -, aber es ist immer besser, das intern zu klären."


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