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Schrecksekunde in der Bundesliga: Bewusstlos im Strafraum: Warum Nürnberg-Keeper Mathenia trotzdem weiterspielen durfte

Es war eine der Schrecksekunden des 20. Spieltags der Fußball-Bundesliga. In der 60. Minute blieb Nürnbergs Torwart Christian Mathenia zunächst regungslos auf dem Rasen liegen. Der stern fragte bei den Franken nach, warum er dennoch weiterspielte.

Christian Mathenia nach dem Knock-out in Nürnberg

Schon Sekunden nach dem Zusammenprall waren die Nürnberger Teamärzte bei Christian Mathenia. Weil er "wach, ansprechbar und dreifach orientiert war", durfte der Keeper weiterspielen.

Getty Images

Wie ein angezählter Boxer liegt Christian Mathenia in seinem Strafraum. Was ist passiert? In der 60. Spielminute prallt der Keeper des 1. FC Nürnberg beim Stand von 0:0 nach einem Eckball heftig mit dem Bremer Verteidiger Gebre Selassie zusammen, geht zu Boden und bleibt benommen liegen. "Ich war kurz weg", erklärt er nach dem Spiel dem Fernsehsender Sky.

Ausgewechselt wird er trotz Brummschädels nicht. Trainer Köllner bringt stattdessen Stürmer Ishak, der den Franken kurz vor dem Abpfiff zumindest einen Punkt rettet. In vielen Medien wurde nach dem Spiel per Ferndiagnose eifrig darüber diskutiert, ob Mathenia hätte ausgewechselt werden müssen.

Ein Sprecher des Tabellen-17. erklärte dem stern auf Anfrage, warum der Torhüter bis zum Schlusspfiff auf dem Platz bleiben durfte - und auch heute Abend beim DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr) zwischen den Pfosten stehen könnte. 

FCN-Sprecher: "Wach, ansprechbar, dreifach orientiert"

Schon wenige Sekunden nach dem Zusammenprall stürmte FCN-Teamarzt Dr. Matthias Brenn auf den Rasen des Max-Morlock-Stadions. "Der Spieler war wach, ansprechbar und dreifach orientiert, als unsere Ärzte bei ihm eintrafen", beschrieb ein Klub-Sprecher die Auffindesituation. Abgesehen von Zahnschmerzen sei Mathenia beschwerdefrei gewesen. Auch seine Sehfähigkeit war demnach unbeeinträchtigt. Kein Grund also, den Keeper in dieser wichtigen Phase des Spiels vom Feld zu nehmen. Ein im Umgang mit Profi-Fußballern erfahrener Arzt bewertet den Vorfall kritisch. "Der Spieler schien nach dem Zusammenprall bewusstlos gewesen zu sein. Wenn dem so war, hätte ich dem Trainer wohl empfohlen, ihn vom Platz zu nehmen", sagte er dem stern. Ähnlich bewertete der Paderborner Neurologe Claus Reinsberger in einem Interview mit dem "Spiegel" die Szene. Direkt in die Augen schauen, konnte aber auch er dem früheren HSV-Torwart nicht.

DFB führt Videobeweis für Teamärzte ein

Die beiden Teamärzte Mathenias stellten auch in den Minuten nach dem Zusammenprall keine weiteren Symptome fest. "Sie hielten sich noch mehrere Minuten in der Nähe auf, um sicher zu gehen, dass alles okay ist", so der Sprecher. Dann entschieden sie, dass der Torhüter weiterspielen kann. An der Bremer Führung, die wenige Minuten nach dem Schreckmoment fiel, war Mathenia schuldlos. Als Teamkollege Ishak fünf Minuten vor dem Schlusspfiff zum Ausgleich traf, dürfte der 26-Jährige die Szene aus der 60. Minuten zumindest kurz vergessen haben. 

Beim Deutschen Fußballbund (DFB) geht man inzwischen sehr sensibel mit Kopfverletzungen um. Erst kürzlich wurde die Teamärzte der Profiklubs noch einmal im Umgang damit geschult. So haben die Mediziner unter anderem die Möglichkeit, sich die Bilder der Szene, die zur Verletzung führte, auf dem Bildschirm am Spielfeldrand noch einmal anzuschauen und neu zu bewerten. 

Grünes Licht für die Rückkehr in den Volkspark

Trotz des Knock-outs von Nürnberg wird Mathenia am Dienstagabend - 72 Stunden nach dem Zwischenfall - mit seinem neuen Verein in den Hamburger Volkspark zurückkehren. Auch das bestätigte der 1. FC Nürnberg dem stern. Nach der Analyse der TV-Bilder habe man sich dazu entschlossen, den Spieler nach der Partie einigen weiteren Tests zu unterziehen. Dazu gehörten demnach unter anderem ein MRT sowie neurologische und neuropsychologische Tests. "Unabhängige Experten des Conussion Centers am BG Klinikum Hamburg haben danach grünes Licht gegeben", so der FCN-Sprecher. Einem Einsatz im Pokalspiel heute Abend stünde also nichts im Weg.

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