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Ein Weltstar für die Bundesliga Glanz und Risiko in der Vorstadt: Was die Verpflichtung von Xabi Alonso als Trainer von Bayer Leverkusen bedeutet

Neu in Leverkusen: Trainer Xabi Alonso
Neu in Leverkusen: Trainer Xabi Alonso
© Thomas Banneyer / DPA
Bayer Leverkusen hat den früheren Weltstar Xabi Alonso als Trainer verpflichtet. Der bringt einen großen Namen mit, hat aber wenig Erfahrung als Coach. Das bedeutet ein Risiko, aber auch ein wenig Glanz für den Klub.

Ob Xabi Alonso jemals durch die Leverkusener Innenstadt spazieren wird, ist fraglich. Bei allem Respekt: Es existieren interessantere und attraktivere Stadtzentren in Deutschland. Es ist schwer vorstellbar, dass der ehemalige Weltstar die Stadtmitte Leverkusens jemals in Augenschein nehmen wird. Immerhin ist Alonso verwöhnt von der Pracht Madrids oder Münchens. Das kann die Stadt Leverkusen nun mal nicht mithalten.

Aber für eine Stadtbesichtigung verlegt der 40-jährige Baske seinen Lebensmittelpunkt nicht nach Leverkusen, sondern um seinen Job als neuer Trainer von Bayer Leverkusen anzutreten. Seine Aufgabe: Eine zutiefst verunsicherte und durch die Saison taumelnde Mannschaft wieder aufzurichten und zurück in höhere Tabellen-Regionen zu führen. In der Bundesliga rangiert die Bayer-Elf nach acht Spieltagen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Will die Mannschaft die akute Krise überwinden, sollte sie langsam in die Gänge kommen.

Es wartet viel Arbeit auf Xabi Alonso

Wie in der Bundesliga ist auch in der Champions League nichts verloren. Bayer hat Atletico Madrid auswärts geschlagen und dabei einen von zwei Saisonsiegen in insgesamt zwölf Pflichtspielen eingefahren. Weil sich die Konkurrenz ebenfalls nicht mit großen Leistungen hervorgetan hat, steht Bayer mit drei Punkten in der Gruppe B auf dem dritten Platz, punktgleich mit Atletico und dem FC Porto. Die Qualifikation für die K.o.-Phase ist noch drin, zumal Tabellenführer Club Brügge trotz eindrucksvoller Bilanz (drei Siege) auch kein Spitzenteam ist.

Alonso wird einiges zu tun bekommen bei Bayer. Die Mannschaft ist verunsichert, es fehlt eine klare Hierarchie. Auf der Sechserposition herrscht Mangel. Charles Aranguiz ist mit 33 Jahren nicht mehr der Schnellste und Robert Andrich eher ein Achter. Auch auf der linken Verteidigerposition gibt es keine Idealbesetzung und zentrale Spieler wie Angreifer Patrick Schick sind vollkommen außer Form. Schick verschoss im Spiel gegen Porto einen Strafstoß. Die Probleme, mit denen der glücklose Alonso-Vorgänger Gerado Seoane zu kämpfen hatte, werden bleiben. Alonso muss hier eine Lösung präsentieren.

Das Spiel gegen Schalke 04 wird ein erster Gradmesser sein für einen Trainer, der sein erstes Profiteam übernimmt. Schalke ist ein direkter Konkurrent im Tabellenkeller. Ein Sieg ist Pflicht. Das Risiko, das Bayer mit der Verpflichtung eingeht, besteht darin, dass Alonso als Trainer ein blutiger Anfänger ist. Seine Erfahrungen beschränken sich auf die Nachwuchsmannschaften von Real Madrid und zuletzt drei Jahre bei Real Sociedad San Sebastian.

Seine Mannschaft soll das Spiel immer kontrollieren

Seine Vorstellungen formulierte Alonso selbstbewusst auf seiner ersten Pressekonferenz: "Dominant. Intensiv mit und ohne Ball. Mit hoher Aktivität und Mentalität", erklärte er. Als früherer Mittelfeldstratege will der Spanier, dass seine Mannschaft die Kontrolle über das Spielgeschehen hat.

Er selbst darf für diese Tugenden als Vorbild gelten. Als Spieler war Alonso ein Weltstar, der stets klarzustellen wusste, wo sein Ruf herrührte. Als er 2014 mit 32 Jahren zum FC Bayern München wechselte, beeindruckte er von der ersten Sekunde an als einer, der sofort Verantwortung übernahm. Alonso kam als Welt- und Europameister, als zweifacher Champions League-Sieger und mit zahlreichen weiteren Titeln im Gepäck. Bei den Bayern war er der verlängerte Arm von Pep Guardiola. Diese Einstellung und diesen Glanz soll jetzt der Trainer Alonso bei Bayer verbreiten. Dafür gehen die Vereinsbosse das Risiko ein, dass er keinerlei Cheftrainer-Erfahrung besitzt. 

Einer, der mit Alonso bei den Bayern zusammengespielt hat, glaubt fest daran, dass Alonso einen guten Job machen wird. "Er hat in meinen Augen alles, was ein Trainer braucht. Er ist sehr ehrgeizig und liebt den Fußball", sagte Jerome Boateng dem Internetportal "Sport1". Er sei "ein echter Gewinnertyp". "Ich habe Xabi schon als Spieler als absoluten Strategen erlebt, er hat seine ganze Karriere mit und unter Weltklassespielern und Trainern gespielt", erklärte Boateng, der in Frankreich bei Olympique Lyon spielt.

Quellen: DPA, "kicker", "t-online"

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