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Was meinen Strunz?: Aufwachen, HSV-Profis!

stern.de-Experte Thomas Strunz hat sich die Spiele der deutschen Königsklassen-Teilnehmer angesehen. Bayern und Werder sieht der Ex-Profi nach drei Spielen voll im Soll. Um den Krisen-HSV macht er sich dagegen ernsthafte Sorgen.

Von Thomas Strunz

Zunächst einmal zu den positiven Erkenntnissen dieses dritten Champions-League-Spieltages: Der deutsche Meister FC Bayern München ist mit einem 1:0- Auswärtssieg beim portugiesischen Kontrahenten Sporting Lissabon durch ein Tor des immer wichtiger werdenden Bastian Schweinsteiger mit mehr als einem Bein im Achtelfinale der Königklasse angekommen. Darüber hinaus hat sich mein Ex-Verein viel Selbstvertrauen für die kommende Wochenendaufgabe beim anderen deutschen Champions-League-Teilnehmer, Werder Bremen, geholt.

Mit nunmehr neun Zählern und einem Fünfpunktevorsprung auf die Gruppen-Zweiten Inter Mailand und Sporting Lissabon (bei noch zwei ausstehenden Heimspielen in der Allianz-Arena) müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich die Bayern diese Chance noch nehmen lassen. Ich bin sicher, dass bereits am kommenden Spieltag das Erreichen der K.o.-Runde klargemacht wird. Das könnte dann auch positive Auswirkungen auf die Bundesliga-Saison haben. Ich kenne das noch aus meiner Zeit bei den Münchnern: Wird die Gruppenphase, also die Pflicht, gut erledigt, läuft es auch in der Meisterschaft viel besser. Der erste Druck ist dann nämlich zunächst von der Mannschaft gewichen. Sie wird dann noch befreiter aufspielen können.

Werder hat es selbst in der Hand

Anders die Vorzeichen bei unseren beiden anderen Champions-League-Teilnehmern Werder Bremen und dem HSV. Die Bremer haben am Mittwoch mit ihrem Pflicht-Sieg vor heimischem Publikum gegen harmlose Bulgaren aus Sofia ihre Chance gewahrt, sich in der Todesgruppe mit dem FC Barcelona und Chelsea London für die nächste Runde zu qualifizieren. Der Sieg der Londoner über Barca verschafft Werder eine ganz ordentliche Ausgangsposition. Man ist nun punktgleich mit dem spanischen Rivalen und könnte bei einem Sieg in Sofia am nächsten Spieltag riesigen Druck auf den Titelverteidiger ausüben. Denn der FC Barcelona muss ja gleichzeitig im Nou Camp wieder gegen den Ballack-Club FC Chelsea bestehen. Und die Engländer sind momentan (siehe das Ergebnis von Mittwoch) wohl das stärkste Team Europas. Der lachende Dritte könnte dann, das erwähnte ich bereits in meiner Kolumne zur Gruppenauslosung, Werder Bremen sein.

Der Hamburger SV hat derzeit ganz andere Probleme. An der Elbe scheinen langsam aber sicher die Lichter auszugehen. Am Dienstag beim blamablen 1:4 gegen den FC Porto gab es für die "Rothosen" eine Vorführung auf europäischer Ebene. Für den HSV war es die dritte Niederlage im dritten Spiel. Die Portugiesen deckten eklatante Schwächen innerhalb der Mannschaft auf. In diesem Zusammenhang von Mannschaft zu sprechen, empfinde ich allerdings mittlerweile als Hohn. Es ist eine Ansammlung von sehr guten Spielern, die nicht zusammen spielen, die nicht kämpfen und die bei weitem nicht alles für den Erfolg geben. Der HSV ist zu einer Truppe von Profis verkommen, in der es überhaupt keine Hierarchie und Gruppendynamik gibt.

HSV-Spieler müssen endlich aufwachen

Ich erkenne im Kader keinen Spieler, der mal intern, aber ruhig auch mal extern Tacheles redet. Dafür ist in der jetzigen brenzligen Situation eben nicht der Trainer zuständig. Das muss nun Aufgabe der Spieler sein. Sie müssen einen "Reinigungseffekt" erreichen. Auch das weiß ich noch aus meiner eigenen Zeit als Spieler. Es müssen nun vier, fünf Spieler das Heft in die Hand nehmen und dazwischen hauen, auch auf dem Trainingsplatz. Die Aufgabe des Trainers ist es, zu erkennen, wer diesen manchmal brutalen Weg mitgeht und wer nicht. Ohne Rücksicht auf Namen, Status, Ablösesummen und Gehälter muss Thomas Doll dann eine Elf aufstellen, die sich unter der Woche als verschworener Haufen dargestellt hat. Nur so kann der HSV meines Erachtens den Weg aus der Misere finden. Der Vereinsführung um Bernd Hoffmann und Didi Beiersdorfer möchte ich an dieser Stelle aber auch einmal ein Kompliment aussprechen. Sie haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt immer vor den Trainer gestellt. Ich bin sicher, dass Thomas Doll immer noch der richtige Mann beim HSV ist. Für mich steht die Mannschaft total in der Verantwortung. Es ist an der Zeit für die Spieler, endlich aufzuwachen. Denn sonst kann es noch sehr lange dauern, bis auch in Hamburg endlich mal wieder die Fußball-Sonne scheint. Es bleibt spannend.

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