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Wettskandal-Metropole Herten: Unterwelt trifft Glitzerwelt

Tief im Ruhrgebiet soll über Jahre hinweg ein Ring aus Erpressern und Wettbetrügern deutsche Fußballspiele manipuliert haben. Ein Ortstermin im Epizentrum des deutschen Wettskandals.

Von Frank Gerstenberg und Christian Parth, Herten

Der Schornstein des rot geklinkerten Einfamilienhauses in Herten qualmt, auf dem riesigen Flachbildschirm im Wohnzimmer läuft zur Mittagszeit ein Spielfilm. Regeln prasselt auf das Gartenhäuschen und den Garagenanbau. Das Haus von Deniz C., einem der mutmaßlichen Haupttäter im europaweiten Wettskandal, ist vier Tage nach seiner Festnahme nicht unbewohnt und wird streng überwacht. Vor dem unscheinbaren Eigenheim in einem Villenviertel am Waldrand der schmucklosen Ruhrgebietsstadt nördlich von Recklinghausen fährt ein schwarzer Mercedes CLS die Straße auf und ab. Im Auto sitzen zwei Südländer mit schwarzer Baseballkappe, schwarzem Blouson, Adidas-Jogginghosen und finsterem Blick, beide um die 30. Der Nachbarin gegenüber wird langsam "mulmig".

Sie kennt Deniz C. wie man sich in einer Nachbarschaft im Allgemeinen kennt: unverbindlich, vom Sehen halt. "Eigentlich ein netter Mann, zwei Kinder, es gab nie Probleme." Als sie Ende voriger Woche erfuhr, dass der unscheinbare Nachbar möglicherweise ein Großkrimineller ist, der im Ruhrgebiet Wettbüros und Bordelle kontrolliert, mochte sie es kaum glauben. Den Fahrer des schwarzen Mercedes hat sie an diesem Montagmittag auch bemerkt: "Er hat sich einfach auf unseren Privatparkplatz gestellt. Was soll ich dagegen machen? Die Polizei rufen?"

"Deniz C. ist gefährlich"

Selbst hart gesottene Burschen aus dem Rotlichtmilieu zucken, wenn sie den Namen Deniz C. hören. Ralf (Name geändert), Türsteher vor einer Spielothek in Herten, kennt den 30-Jährigen gut. "Der ist gefährlich, Mann." Deniz C. habe selbst als Türsteher angefangen, jetzt gehörten ihm in Herten Spielhöllen, Wettbuden und Bordelle. "Die schießen auch schon mal ganz gerne", sagt der Informant mit einem Lächeln, das einen innerlich gefrieren lässt. In dieser Szene sich zu bewegen heißt einen faustischen Pakt zu schließen.

Wen diese Jungs am Haken haben, seien es Schiedsrichter, Fußballspieler oder Reporter, den lassen sie ungern ohne weiteres gehen. Ein anderer, bei dem es die Leute mit der Angst zu tun bekommen, ist Nurettin G. Seinen Namen in einem der drei Wettbuden im verschlafenen Lohne 60 Kilometer nördlich von Osnabrück in den Raum zu werfen, bedeutet Blicke zu ernten, als stünde der Leibhaftige vor der Tür. Jeder der vielen Südeuropäer in dem kleinen Nest in der Kalkrieser Senke, in die sich einst Varus zu weit vorwagte und Roms stolze Legionen versenkte, kennt "Nuri", obwohl manche das Gegenteil behaupten. Einer kennt ihn offenbar besonders gut. Sagen möchte er aber eigentlich nichts. Er sei seit einigen Wochen Vater, "und ich möchte meinen Sohn noch aufwachsen sehen", wir müssten verstehen. Der junge Türke, Ende 20, gewinnendes Lächeln, offener Blick, will nur schnell weg und auf der Lohner Durchgangsstraße möglichst nicht mit uns gesehen werden. Dann redet er plötzlich doch über einen Mann, der als Nummer 3 der internationalen Wettszene gilt und ein 25.000-Einwohner-Kaff wie das erzkatholische Lohne, in dem eine Bäckerei mit roten Weihnachtssternen im Schaufenster und die gewaltige St.Gertrud-Pfarrkirche dörfliche Idylle verströmen, zum Hauptquartier seines kriminellen Imperiums gemacht zu haben scheint.

Netz von Lohne ins Ruhrgebiet

Vor 15 Jahren schießt Nuri vor der Diskothek "Wunderbar" in Vechta einen Polizisten über den Haufen, der Beamte überlebte schwer verletzt. Der 19-jährige Nuri wandert sieben Jahre in den Knast und lernt dort den Griechen "Sappo" kennen. Beide beschließen, draußen gemeinsame Sache zu machen. In Lohne und Umgebung bauen sie Anfang 2000 eine Automatenszene auf, später kommen Wetten dazu. Nuris Compagnon reicht das kleine Geld aus den Daddel-Automaten und von den Tipp-Scheinen bald nicht mehr, das große Rad soll es sein: Nutten, Drogen, Wetten im großen Stil. Nuris Aufstieg war unübersehbar: Seinen schwarzen Mercedes überlässt er gerne seinen Freunden, die im braven Lohne auf dicke Hosen machen dürfen.

Nuri und Sappo ziehen ihr Netz von Lohne über Osnabrück bis ins Ruhrgebiet, erzählt uns S., der seinen vollen Namen nicht sagen will. Im Ruhrpott könnten die beiden bald auf Deniz C. getroffen sein. Der vermeintliche Biedermann aus dem geklinkerten Eigenheim mauserte sich seinerseits zur großen Nummer. Wer bei ihm nicht zahlen wollte, musste fühlen: Nach einer abgekarteten Backgammon-Partie in Nürnberg soll er Medienberichten zufolge den Verlierer, der seine Spielschulden in Höhe von 150.000 Euro nicht zahlen konnte, in einen Keller gesperrt und dort so lange verprügelt haben, bis er das Geld auftrieb.

"Nur kämpfen und schreien für den VfL"

In diesem Milieu bewegen sich also offenbar die Herren Fußballprofis, die sich im Stadion als grandiose Sportsleute feiern lassen. Die sich gerne sinnfrei beklatschen und begrölen lassen. So wie in der lila-weißen Nacht des ins Visier der Ermittler geratenen VfL Osnabrück, der zwei Tage nach den Verhaftungen von Deniz C. und Nuri G. und den Anschuldigungen gegen die Ex-VfL-Spieler Thomas Cichon und Marcel Schuon sowie ihren Kapitän Thomas Reichenberger im Osnabrücker Party-Tempel Alando eine rauschende Fete feiern, in der die Fans Autogramme von ihren Sport-Idolen aus der 3. Liga bekommen und mit ihnen die Nacht durchfeiern dürfen. Zu feiern gibt es einiges an diesem Samstagabend: den 4:1-Sieg gegen die zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, das Tor des Monats von Angelo Barletta und überhaupt den VfL, für den nur sie alle "kämpfen und schreien".

Ein männliches Provinz-Moderatoren-Pärchen überschlägt sich vor Erregung und droht auf der Bühne zwischen lila-weißen Fahnen und hunderten Fans zu kollabieren. Der Saal tobt und kocht, als sich die VfL-Spieler beim Moonwalk zum Affen machen, Sport ist im Verein am schönsten, alle sind eine Familie. Kein Wort zum Wettskandal, in dem der VfL irgendwie tief drinzustecken scheint, kein Wort zu Bestechungen und zu verkauften Spielen, die dem VfL in der vorigen Saison möglicherweise die 2. Liga und damit rund fünf Millionen Euro und etliche Arbeitsplätze kosteten. Und das vielleicht nur, weil zwei, drei Spieler die Hand aufhielten und sich ein paar tausend Euro von den "Läufern" der Deniz' und Nuris' dieser Welt in die Taschen stecken ließen. Warum auch? Es ist ja nichts bewiesen. Namen nennt die Staatsanwaltschaft Bochum offiziell nicht und heizt damit die Gerüchteküche an. Kapitän "Tommy" Reichenberger hatte nur wenige Stunden vor dem Anpfiff gegen den BVB im Stadion an der Bremer Brücke sein „Ehrenwort“ auf die Zuschauertribüne trompetet und freut sich jetzt im Alando "einfach nur über die tolle Moral und über die tolle Truppe". Die Fans sind auf seiner Seite, für ihren "Tommy", der gerne Poker spielt und eine eigene Wett-Seite betreibt, legen sie die "Hand ins Feuer". Für Abstiegs-Trainer Pelé Wollitz, heute in Cottbus, würde gar eine „Welt zusammenbrechen“, wenn Spieler, denen er vertraut hat, absichtlich verloren oder gar wie sein Spezi aus gemeinsamen Kölner Zeiten Thomas Cichon, der inzwischen im WM-Gastgeber-Land Südafrika kickt, entscheidende Elfmeter versemmelt haben.

Spielsucht unter Fußballern

Die Zuschauer an der Bremer Brücke, der Betonschüssel mitten in der Stadt, würden für Cichon und dem nach Sandhausen gewechselten Marcel Schuon, dessen Haus die Polizei am Donnerstag durchsucht hat und der inzwischen bei seinen Eltern in Stuttgart untergetaucht ist, dagegen nicht garantieren: "Die Staatsanwalt-schaft wird sich das Ganze ja nicht aus den Fingern gesogen haben", so ein Fan vor dem Spiel gegen den Dortmund am vorigen Samstag.

Ehemalige Mitspieler übrigens auch nicht. Sie kannten Cichon als Zocker, der nach dem Training sofort in die Wettbuden verschwand und ständig vor Wettseiten im Internet hockte: „Der hatte teilweise fünf Seiten gleichzeitig geöffnet, auf denen er online wettete“, so ein Ex-VfL-Spieler. Dass Trainer Wollitz davon nichts bekam, dürfte un-wahrscheinlich sein, zumal einer der VfL-Spieler wegen seiner Spielsucht den beim Verein um Hilfe bat. Gleichwohl fischen alle im Trüben. Zu befürchten ist jedoch, dass die glitzernde Scheinwelt des Fußballs wie die prächtigen Soldaten Roms in ihren glänzenden Rüstungen im schmierigen Sumpf um Osnabrück versinken.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(