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Analyse

Niederlage gegen Real Madrid: Wie Peter Bosz den BVB ins Verderben schickte

Der fulminante Offensivfußball des BVB funktioniert in der Bundesliga, aber nicht in der Champions League. Dafür beherrscht Dortmund die Holland-Power-Taktik von Trainer Peter Bosz nicht gut genug - auch wenn sie viel Spektakel bietet.

Borussia Dortmund hat auch sein zweites Champions-League-Spiel verloren. Damit schwinden die Chancen, die Gruppenphase zu überstehen. Noch ist nichts entschieden, aber Tottenham Hotspur und Real Madrid haben bereits sechs Punkte auf ihrem Konto angesammelt, der BVB null. Man muss angesichts der Lage sehr optimistisch sein, um an das Erreichen des Achtelfinales zu glauben. So war es kein Wunder, dass sich die Miene von Hans-Joachim Watzke auf der Tribüne während des Spiels zusehends verfinsterte. Nach dem Schlusspfiff rauschte der ansonsten auskunftsfreudige BVB-Boss ohne Kommentar in seinem Auto davon.

Objektiv betrachtet war es ein wunderbarer Fußball-Abend im Signal Iduna Park. Beide Teams boten ein wahres Offensiv-Feuerwerk. Gegenpressing, schnelle Konter und Kombinationen, zahlreiche Torchancen - als neutraler oder als Madrid-Fan konnte man die Partie genießen. Es gab nicht einen zähen Moment, kein Ballgeschiebe, kein nervtötendes Einigeln am eigenen Strafraum. 

Der BVB-Fan leidet Qualen

Aber als BVB-Fan litt man diesem Abend Qualen neben der Freude über den schönen Fußball an sich. Die offensive Harakiri-Taktik von Trainer Peter Bosz und die damit verbundenen Defensivschwächen der Mannschaft offenbarten eines: Was in der Bundesliga erfolgreich ist, funktioniert auf höchstem internationalen Niveau in der Königsklasse nicht. 

Wie schon gegen die Tottenham Hotspurs versuchte Dortmund, den Gegner von Beginn an massiv unter Druck zu setzen, scheiterte mit dieser Taktik aber gnadenlos. Wie ein Schwarm Raubvögel stürzten sich die Dortmunder Spieler auf die Real-Abwehr, wenn diese versuchte, das Spiel zu eröffnen. Und in den ersten Minuten hatte man das Gefühl, die Überfall-Taktik könnte funktionieren.


Doch Real blieb kühl, Toni Kross und Luka Modric zerlegten das Pressing des Gegner mit ihren präzisen Pässen, vorne besorgten Ronaldo und Bale den Rest. Schon nach zwei Minuten verhinderte der herausgelaufene BVB-Torwart Roman Bürki den ersten Konter der Madrilenen. In der 18. Minute erzielte Bale die Führung, nachdem Carvajal aus dem Halbfeld unbedrängt flanken konnte. Ronaldo legte mit zwei Treffern in der zweiten Halbzeit nach. Dass den Dortmundern in der 14. Minute ein glasklarer Handelfmeter (Ramos war bei der größten BVB-Torchance der Übeltäter) verwehrt wurde - geschenkt. 

Die große Frage nach der richtigen Taktik

Insgesamt hatte Real mehr und größere Torchancen als die Gastgeber. Die Niederlage hätte höher ausfallen können. Die Dortmunder Angreifer Yarmolenko, Philipp und Aubameyang rannten sich hingegen immer wieder an Reals Abwehr fest, nur die Pässe von Götze sorgten für Gefahr - und die eine Flanke von Castro, der Aubameyang vor dem Anschlusstreffer zum 1:2 bediente. Später stellte Bosz vom 4-3-3 auf auf ein 3-5-2 - das brachte zwar ein kompakteres Mittelfeld, aber die Außenbahnen lagen blank. Ronaldo nutzte die Weite des Dortmunder Defensivraumes zu seinem Kontertor, das den Endstand zum 3:1 markierte.

Jetzt folgen die Spiele gegen Apoel Nikosia, die mit Abstand schwächsten Mannschaft in der Gruppe H. Die wird (und muss) Dortmund mit der offensiven Taktik gewinnen. Spannend ist die Frage, ob Bosz sein Team mit der gleichen Taktik in die Rückspiele gegen Real und Tottenham schickt, oder ob er auf die Niederlage reagiert. Tatsache ist: Bislang ist der BVB-Trainer mit seiner Spielidee in der Champions League krachend gescheitert.

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