Winterpause Rudis Halbzeit-Bilanz


Rudi Völler sieht den deutschen Fußball-Nachwuchs auf dem Vormarsch und für die Bundesliga-Vereine auch nach den Europacup-Pleiten in der vergangenen Woche nicht schwarz.

Rudi Völler sieht den deutschen Fußball-Nachwuchs auf dem Vormarsch und für die Bundesliga-Vereine auch nach den Europacup-Pleiten in der vergangenen Woche nicht schwarz. "Das ist eine klassische Momentaufnahme, von der man sich nicht täuschen lassen darf. Der deutsche Fußball steht nicht ganz unten", erklärte der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft in einem dpa-Interview zum Abschluss der Bundesliga-Hinrunde. Zwei 23-Jährige haben sich in dieser ersten Saison-Halbzeit ganz besonders in Völlers Blickfeld gespielt: "Arne Friedrich und Paul Freier sind die Shooting Stars der Hinrunde. Sie gehören in ihren Vereinen Woche für Woche zu den besten."

Sturm-Talente

Dank dieser Konstanz haben sich der Hertha-Verteidiger und der Flügelflitzer aus Bochum im Kreis der Nationalmannschaft bereits etabliert - andere wie die Stürmertalente Benjamin Lauth oder Kevin Kuranyi sind auf dem besten Weg zur Länderspiel-Premiere. "Wir haben im Junioren-Bereich wieder Spieler, die in ein paar Jahren ganz oben sein könnten", urteilte Völler, froh darüber, "dass in der Bundesliga der Glaube an die jüngeren Spieler zurückgekehrt ist."

Die Ursache dafür sieht er nur teilweise in der Klasse des U21- Jahrgangs und in einem Umdenken der Trainer begründet. Beschleunigt worden sei der Blick auf den eigenen Nachwuchs durch wirtschaftliche Zwänge der Clubs: "Die Jungen haben das Glück, dass einige Vereine finanziell abspecken mussten und sich auch mal einen Ausländer nicht leisten konnten."

Sonderlob für Bremen

Als Überraschungsteam der Hinrunde bezeichnete Völler den Tabellendritten SV Werder Bremen: "Deren Erfolg war so nicht zu erwarten, da im Sommer mit Torsten Frings, Marco Bode und Frank Rost drei ganz wichtige Spieler verloren gegangen sind. Es ist schon riesig, was Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs da hinbekommen haben."

Die entschiedene Meisterschaft

br> Im Kampf um die deutsche Meisterschaft jedoch sind für Völler angesichts des Sechs-Punkte-Vorsprungs von Bayern München die Würfel fast schon gefallen. Zwar seien in der Vergangenheit schon höhere Führungen verspielt worden, aber vieles spreche für den deutschen Rekordmeister. "Einerseits haben die Bayern eine tolle Mannschaft, und zum zweiten fällt die Doppelbelastung durch das Aus in der Champions League weg", so Völler: "Dadurch kann Ottmar Hitzfeld praktisch immer mit der besten Mannschaft spielen."

Bayers Misere

Dieser Umstand blieb Bayer Leverkusen in der gesamten Spielzeit versagt, und deshalb bezeichnete Völler die Verletztenmisere als "das wahre Problem" jenes Clubs, bei dem er vor seinem DFB-Engagement als Sportdirektor tätig war. Vehement wehrt er sich gegen die These, dass die Leverkusener in besonderem Maß an den Folgen der ebenso erfolgreichen wie anstrengenden WM zu leiden hätten: "Ich lasse die Strapazen der Weltmeisterschaft als Argument nicht gelten."

Doch auch Völler kommt nicht an der Erkenntnis vorbei, dass der Höhenflug des Vize-Weltmeisters in Japan und Südkorea zumindest bei einigen Spielern wie Kapitän Oliver Kahn und weit mehr noch bei Miroslav Klose Spuren hinterlassen haben. Während der Keeper des FC Bayern jedoch "nur über einen kurzen Zeitraum ein paar kleine Schwächen" gezeigt habe, stürzte WM-Torjäger Klose nachhaltig, für Völler aber nicht unerwartet, in die Krise.

Rückendeckung für "Miro"


"Bei ihm war klar, dass er nach der tollen WM und seiner Torquote eine schwierige Saison vor sich haben würde. Die Erwartungshaltung an ihn war riesig und kaum zu erfüllen", sagte Völler. Allerdings hat er keinen Zweifel an den Perspektiven des 24-jährigen Stürmers: "Miro ist vom Charakter so gefestigt, stabil und so ein toller Junge, dass er durch dieses Tief durchgehen wird. Für ihn wäre es besser, erst einmal in Deutschland zu bleiben. Aber auch wenn er ins Ausland geht: Er wird sich sportlich durchsetzen."

DPA

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