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WM 2006: "Nichts als Panikmache"

Erst kritisierte die Stiftung Warentest den Zustand der Fußballstadien, nun schlagen WM-Organisatoren und Stadien-Betreiber zurück. Im Gespräch mit stern.de schimpft der Geschäftsführer der Fritz-Walter-Stadion-GmbH: "Die Tester haben nicht sorgfältig gearbeitet."

"Die Mängelliste ist ja in unserem Fall besonders lang ausgefallen, aber ich kann die Leute beruhigen: Wir in Kaiserslautern können all das, was uns vorgeworfen wird, sofort entkräften", sagt Erwin Seile, Stadionchef am Betzenberg, im Gespräch mit stern.de. In der Studie hieß es, dass die Arena in Kaiserslautern unter anderem "erhebliche Mängel" beim Brandschutz habe.

"Es wurde beanstandet, dass wir keine Brandmelder bei uns im Stadion installiert haben. Das stimmt einfach nicht. Die Melder sind längst angebracht. Das ist Fakt, da kann sich jeder von überzeugen", so Seile, der sich mit Vehemenz gegen einen weiteren Kritikpunkt der Sicherheits-Studie wehrt: "Angeblich soll der Rauchabzug unter der Nordtribüne nicht funktionieren. Auch in diesem Fall haben die Tester nicht sorgfältig gearbeitet. Sonst hätten sie nämlich bemerkt, dass die Wand vor dem Rauchabzug luftdurchlässig ist. Mit einmal kurz hinschauen, ist es da nicht getan."

"Blinde Panikmache" hätte verhindert werden können

In der Studie für das Fritz-Walter-Stadion wird außerdem bemängelt, dass es keine Steigleitung (eine Wasserleitung, die im Brandfall für den Transport des Löschwassers von der Feuerwehr eingesetzt wird, Anm. der Red.) gibt. Auch diesen Vorwurf wischt der Geschäftsführer mit Nachdruck vom Tisch: "Wir haben sehr wohl Wandhydranten, hierfür hat uns die Feuerwehr ihr OK gegeben."

"Die Tester hätten sich mit unseren Brandschutzexperten einfach nur unterhalten müssen. Dann hätte man ihnen unser Sicherheitskonzept vorgestellt", sagt Erwin Seile. Seiner Auffassung nach hätte so "blinde Panikmache" verhindert werden können. "Das ist von denen alles sehr schnell zusammengeschrieben worden, das muss man einfach so sagen und dafür muss man die Stiftung Warentest auch kritisieren. Im Übrigen ändert es nichts daran, dass unser WM-Stadion in Kaiserslautern sicher ist."

Niersbach moniert Stil der Stiftung Warentest

Das Organisationskomitee hat die zwölf WM-Stadien unterdessen ebenfalls für sicher erklärt und damit auch der Studie widersprochen. "Wir bleiben dabei: Unsere Stadien sind sicher", sagte der OK-Vizepräsident Hort R. Schmidt bei einer Pressekonferenz am Dienstag wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Studie. Diese beziehe sich auf Brandschutz und Panikfälle, nicht aber auf die gesamten Sicherheitsaspekte, sagte Schmidt. Kurz zuvor hatte sich das WM-OK mit den Verantwortlichen der Stadien in einer Telefonkonferenz "intensiv" über den jüngsten Stand in den zwölf WM-Stätten informiert.

Amtskollege Wolfgang Niersbach monierte ebenso wie Schmidt erneut die Art und Weise, wie die Stiftung mit ihren Ergebnissen umgegangen sei. "Wir bleiben bei unserer Verärgerung, dass es aus unserer Sicht nicht in Ordnung ist, etwas anzukündigen, das nicht korrekt ist", sagte Niersbach. "Wir sind sehr für Panik-Forschung, aber nicht für Panikmache."

Klaus Bellstedt mit Material von DPA

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