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Verantwortung der Medien Die hohe Kunst, Trumps Feuer mit Feuer zu bekämpfen

Donald Trump
Donald Trump: Wenn wir den Irrsinn als Normalfall hinnehmen, befinden wir uns auf bestem Weg in eine alternative Realität
Das aktuelle "Spiegel"-Cover ist nur der jüngste Zankapfel in der Dauerdiskussion, wie Medien das Thema Donald Trump behandeln sollten. Bei aller gebotenen Vorsicht vor Panikmache ist allerdings längst der Punkt erreicht, an dem wir gar nicht laut genug werden können.

Es ist eine reflexartige Reaktion, wie immer, wenn sich irgendwer ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnt: Der "Spiegel" präsentiert einen triumphierenden US-Präsidenten Donald Trump auf seinem aktuellen Cover mit blutverschmiertem Messer und dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand - und "das Netz" dreht durch, von Otto Normaltwittervogel bis zu den ranghohen Meinungsmachern. Trauriger Tenor: So ein Cover geht gar nicht!

Es ist nur der jüngste Zankapfel in der Dauerdiskussion, wie Informationsmedien das Thema Trump behandeln sollten. Aber stellt sich diese Frage wirklich? In den Kommentaren der Kollegen ist zum Beispiel von einem "hyperventilierenden Anti-Trump-Journalismus" die Rede. Was soll das sein?

Donald Trump: Schaum vorm Mund ist immer schlecht

Es ist die Aufgabe von Journalisten, die Dinge einzuordnen und gegebenenfalls vor Missständen zu warnen. Trump wirft sein Land und damit die westliche Welt um 50 Jahre zurück und wird so zur sinisteren Symbolfigur unserer Zeit, in der aus rasender Gier auf Ressourcen apokalyptische Kriege wie in Syrien geführt werden. Kann es in diesem Zusammenhang ernsthaft so etwas wie eine "Anti"-Berichterstattung geben? Oder anders gefragt: Was denn sonst?

Und "hyperventilieren"? Nun, Schaum vorm Mund ist immer schlecht und Vorsicht vor Panikmache ist stets geboten. Allerdings mehrten sich nach seiner Wahl die mäßigenden Stimmen, die prophezeiten, dass Trump im Amt schon vernünftig werden würde, seine Leute würden ihn schon zähmen. Und auch wenn der Vergleich so sehr hinkt wie er nervt: Genau so wurde Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Jahr 1933 von vielen Beobachtern kommentiert. Nach dem Motto: Wird schon werden.

Gegen das plumpe Tun des Trump kann also gar nicht genug gewettert werden. Es ist die Aufgabe von Journalisten, Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern, sich zusammenzuschließen und Trumps Feuer mit Gegenfeuer zu bekämpfen wie den politischen Flächenbrand, den er darstellt - zugegebenermaßen eine hohe Kunst, aber besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

Es ist die Aufgabe der Berichterstatter und Beobachter, sich so laut und ausdauernd wie möglich gegen die absurde Agenda des neuen US-Präsidenten zu wenden und damit die Menschen für die Gefahr zu sensibilisieren, die ab sofort von Washington ausgeht. Es geht um nicht weniger als Demokratie und Freiheit - und es ist schlimm genug, dass Trumps Kampf gegen die wissenschaftliche Aufklärung, seine irrationale Ignoranz bezüglich des Klimawandels, sein Einreisestopp oder seine Mauer gegen Mexiko kaum noch mehr als Schulterzucken bei uns bewirken. Wenn wir den Wahnsinn als Normalfall hinnehmen, befinden wir uns auf bestem Weg in eine alternative Realität.

Die Leute mit dem Vorschlaghammer treffen

Schon vor mehr als 20 Jahren hieß es in David Finchers Kino-Thriller "Sieben": "Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen einfach auf die Schulter zu tippen. Man muss sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann kann man sich ihrer Aufmerksamkeit gewiss sein." So funktioniert auch das "Spiegel"-Cover - in zynischen Zeiten wie unseren gilt dieses Credo mehr denn je. Auch Trump selbst bedient sich dieses Prinzips, er wendet es gerne auf seine peinliche Propagandapoesie an. Wie gesagt: Wir sind längst dazu gezwungen, Feuer mit Feuer zu bekämpfen.

Aber das ist in Ordnung. Wir dürfen uns bloß nicht einschüchtern lassen von Menschen, die "Lügenpresse" rufen und gleichzeitig lieber den alternativen Fakten der pathologischen Lügner Glauben schenken. Die Kritiker warnen: Was soll noch kommen, wenn wir Trump jetzt schon mit dem IS vergleichen? Was machen wir, wenn es wirklich ernst wird, wenn er womöglich einen Krieg anzettelt? 

Gegenfrage: Sollen wir etwa warten, bis es passiert? Denn dann ist es ganz sicher zu spät.


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