HOME

Stern Logo WM 2006

Ghana: "Black Stars" hoffen auf Sternstunde

Die "Aufsteiger des Jahres 2005" sind guten Mutes, bei der WM ein erfolgreiches Turnier zu spielen - trotz des glücklosen Auftrittes bei Afrika-Cup. Ein Serbe soll es nun richten und die Schwarzafrikaner zu Ruhm und Ehre führen.

Das kleine westafrikanische Land Ghana gibt sich trotz des Rückschlags beim Afrika-Cup selbstbewusst. "Wir sind zwar zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei, aber wir haben bestimmt nicht das Lampenfieber von Anfängern", sagte Präsident John Kufuor, als Chef-Organisator Franz Beckenbauer ihm die Einladung zur Weltmeisterschaft persönlich überbrachte. Dabei liegen Ghanas gloriose Fußballzeiten schon eine Weile zurück. In den 60er bis 80er Jahren gewann Ghana vier Mal die Afrika-Meisterschaft.

Erst der serbische Trainer Ratomir Dujkovic machte die "Black Stars" so fit, dass sie sich ihr kostbares Ticket nach Deutschland erspielten. Dujkovic hat Erfahrung mit dem afrikanischen Fußball. Er trainierte zuvor die Nationalmannschaft von Ruanda und führte sie erstmals in die Endrunde der kontinentalen Meisterschaft. Somit kennt der Serbe alle Höhen, aber auch die Tiefen. Am 1. Februar musste er ohnmächtig mit ansehen, wie sein Team beim Afrika-Cup durch ein 1:2 gegen den Fußball-Zwerg Simbabwe mit 1:2 bereits in der Vorrunde scheiterte. Dabei war Ghana zum Jahresende vom Weltverband Fifa noch zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt worden, mit einem Sprung auf den 50. Weltranglisten-Platz.

Land des 1. schwarzen Fußball-Profis

In der Deutschen Botschaft in Accra stapeln sich bereits die Visumanträge. Mehr oder weniger seriöse Visamakler bieten in den ghanaischen Zeitungen ihre Dienste an. Wie auch bei den anderen afrikanischen Teilnehmerländern besteht Anlass zur Sorge, dass Reisen nach Deutschland zur illegalen Einwanderung genutzt werden könnten. Daher müssen alle Fans, die zur Fußball-WM reisen wollen, glaubhaft machen, dass sie auch wieder nach Ghana zurückkehren. Allerdings kann sich in dem armen Land ohnehin nur eine winzige Oberschicht eine so aufwändige Reise leisten.

Ihren Namen haben die "Black Stars" von der rot-gelb-grünen Nationalflagge, die in der Mitte einen schwarzen Stern zeigt. Der Stern symbolisiert die Freiheit des Landes, das als erster schwarzafrikanischer Staat im 20. Jahrhundert unabhängig wurde. "Schwarzer Stern der Hoffnung und Würde, für alle die nach Freiheit streben", heißt es in der Nationalhymne.

Aus Ghana stammt mit Arthur Wharton auch der erste schwarze Fußball-Profi. Er spielte Ende des 19. Jahrhunderts in England. Wegen seiner Hautfarbe konnte er jedoch nie bei offiziellen Wettkämpfen antreten.

"Nehmt euch vor allem vor den USA in Acht"

Der große Star der "Black Stars" ist Michael Essien, für den der englische Meister Chelsea immerhin 38 Millionen Euro ausgegeben hat. Bei der Afrika-Meisterschaft konnte er wegen einer Knöchelverletzung nicht mitspielen. Vorwürfe im Heimatland, dass seine Loyalität zu seinem Verein größer sei als zur Nationalmannschaft, wies Essien entrüstet von sich.

Mit den USA, Tschechien und Italien muss Ghana bereits in der Vorrunde hohe Hürden nehmen. "Macht euch nichts vor und nehmt euch vor allem vor den USA in Acht. Die haben 2002 das Viertelfinale erreicht und hätten beinahe Deutschland geschlagen", gab Beckenbauer den "Black Stars" mit auf den Weg.

Trainer Dujkovic hatte sich vergeblich bemüht, den in Ghana gebürtigen Freddy Adu aus den USA zurückzuholen. Der 16 Jahre alte Jungstar, der von führenden europäischen Clubs umworben wird, hat sich für die amerikanische Nationalmannschaft entschieden. Falls Adu mit nach Deutschland reist, wäre er nicht nur der jüngste Spieler der WM-Geschichte, sondern müsste in der Vorrunde auch noch gegen sein Herkunftsland antreten.

Ulrike Koltermann/DPA / DPA

Wissenscommunity