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WM-Verkehrsvergehen: Knöllchen für den Korso

Der Jubel nach den Siegen der deutschen Nationalmannschaft ist grenzenlos, auf deutschen Straßen herrscht der Ausnahmezustand. Zu ausschweifende Freude im Straßenverkehr kann allerdings teuer werden.

Von Björn Erichsen

Deutschland begeht sein großes Fußballfest. Auf den Fanmeilen feiern Hunderttausende, auf den Straßen herrscht Ausnahmezustand in Schwarz-Rot-Gold. Fester Bestandteil der Jubelfeiern: Das Auto-Korso. Unmittelbar nach den Spielen walzen Lawinen von reich beflaggten Autos hupend durch die Innenstädte. Allzu ausschweifende Freude im Straßenverkehr kann allerdings teuer werden.

WM-Begeisterung nennen es die einen, Verkehrsvergehen die anderen. Vor allem nach den Spielen der deutschen Mannschaft geht auf manchen Straßen nichts mehr. Im Anschluss an die Achtelfinalpartie gegen Schweden kommt auf der Düsseldorfer Kö der Verkehr zum Erliegen, die Hamburger Reeperbahn muss für mehrere Stunden gesperrt werden. Manche Autofahrer fallen durch riskante Fahrmanöver auf. Die Polizei hält sich bei den nicht immer legalen Auswüchsen automobiler Begeisterung oft zurück.

"Natürlich gilt die Straßenverkehrsordnung auch während der WM", sagt Ralf Kunz, Sprecher der Hamburger Polizei. "Wenn jemand bei Rot über die Kreuzung fährt, kostet das nun mal 100 Euro. Ob nun Fußballweltmeisterschaft ist oder nicht." Ob das Vergehen geahndet wird, müssten die Beamten aber im Einzelfall entscheiden. Davon hängt auch ab, wie teuer die Fanfreude im Autokorso tatsächlich werden kann.

Die BILD will den Fan mit dem ersten "Jubel-Knöllchen ausfindig gemacht haben. Weil er nicht angeschnallt gewesen sei, erhielt Manfred Fandrei aus Hamburg 30 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg. Daraufhin präsentiert die Hamburger Zeitung den "Jubel-Bußgeldkatalog": "Im Autokorso die Kreuzung blockieren" kostet danach 20 Euro, die "Fahne während der Fahrt verlieren", wird mit 40 Euro und einem Punkt geahndet. Nur fünf Euro werden fällig, wenn Fahne oder Schal das Nummernschild verdecken.

Sollte die Polizei beim Korso beide Augen zudrücken?

"Wir wollen nicht als Spielverderber" dastehen, sagt Ralf Kunz. "Wir achten darauf, dass unsere Beamten mit Augenmaß entscheiden. Wenn zum Beispiel eine kleine Fahne während der Fahrt raus fällt, dann fällt sie eben raus." Die entscheidende Frage für die Beamten ist, ob durch die jeweilige Aktion jemand gefährdet oder behindert wird. "Was gar nicht geht ist, etwa bei einem fahrenden Auto auf der Motorhaube zu liegen, oder in einem Cabrio auf dem Beifahrersitz zu stehen"; sagt Kunz. "Da werden wir durchgreifen."

Die nächste Bewährungsprobe kann schon am kommenden Freitagabend anstehen. Sollte die deutsche Mannschaft das Viertelfinale gegen Argentinien siegreich beenden, werden die Straßen wieder den jubelnden Massen gehören. Viele Fans müssen dann auf die Milde der Polizei hoffen. Oder ihnen ist der ausschweifende Jubel im Korso eben ein paar Euro wert.

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