Portugal - Iran Das Glück des kleinen Mannes


Bis zur 63. Minute sah es fast so aus, als würde Iran das Künststück gelingen, Portugal ein Unentschieden abzuringen. Doch dank des kleinen Deco und Ronaldo sind die Portugiesen erstmals seit 40 Jahren eine WM-Runde weiter.

Erstmals seit 40 Jahren steht Portugal wieder in einem WM-Achtelfinale: Die Mannschaft von Luis Felipe Scolari besiegte am Samstag vor 48.000 Zuschauern in Frankfurt den Iran mit 2:0. Mann des Tages war neben Altstar Luis Figo der nach seiner Verletzung erstmals wieder eingesetzte Spielmacher Deco, der nach gut einer Stunde die Führung erzielte.

Zehn Minuten vor Schluss gelang Christiano Ronaldo per Foulelfmeter die endgültige Entscheidung. Der Iran, der das ruppige Spiel bis zum 2:0 ausgeglichen gestalten konnte, ist nach dieser zweiten Niederlage vorzeitig ausgeschieden. Figo hatte nach dem glanzlosen 1:0-Auftaktsieg gegen Angola sein Team mit starken Worten aufzurütteln versucht: "Wir kennen unseren Wert, und wir wollen unserem Land Ansehen verschaffen, während die ganze Welt zuschaut." Und der Kapitän ging gegen den Iran mit gutem Beispiel voran. Fast jede gefährliche Offensiv-Aktion lief in der ersten Hälfte über den 33-Jährigen, der mit dem von seiner Zerrung genesenen Rückkehrer Deco hervorragend harmonierte.

Schiedrichter übersieht rot-würdige Attacke

Auch Jungstar Christiano Ronaldo hatte ebenso wie Rechtsverteidiger Miguel gute Szenen im Angriff, zeigte aber auch jene aufreizenden Nachlässigkeiten, die Trainer und Mitspieler regelmäßig in den Wahnsinn treiben. Gut in Form präsentierte sich aber vor allem der nach dem 1:3 gegen Mexiko noch kritisierte iranische Torwart Ebrahim Mirzapour, der mehrere scharfe Schüsse parieren konnte. Mit zunehmender Spieldauer gelang es den Iranern, deren Offensive erneut vom Bundesliga-Trio Ali Karimi, Mehdi Mahdavikia und Vahid Hashemian gebildet wurde, sich aus der portugiesischen Umklammerung zu befreien. Dazu zogen sie das Spiel in die Breite, nahmen das Tempo heraus und unterbrachen Angriffe mit rustikalen Fouls. Dabei übersah der französische Schiedsrichter Eric Poulat in der ersten Hälfte eine rot-würdige Attacke von Hossein Kaabi, der mit gestrecktem Bein gegen Figos Kopf sprang.

Auch Deco konnte zu Beginn der zweiten Halbzeit von Glück sagen, dass er für ein ähnlich übles Foul gegen Mohammad Nosrati nur Gelb erhielt. Das Team von Luiz Felipe Scolari war nach der Pause sehr bemüht, den Eindruck vom Angola-Spiel vergessen zu machen, als das Team nach der Pause kraft- und ideenlos über den Platz schlich. Gegen den Iran wurden die anhaltenden Offensivbemühungen in der 63. Minute mit einem erneut perfekten Zuspiel von Figo auf Deco belohnt, der aus 20 Metern mit einem strammen Schuss per Außenrist Mirzapour keine Chance ließ.

Erstmals seit 40 Jahren im WM-Achtelfinale

Die Iraner gaben aber keineswegs auf. Trainer Branko Ivankovic setzte alles auf eine Karte und wechselte mit dem Lauterer Ferydoun Zandi sowie mit Rassoul Khatibi zwei weitere Offensivkräfte ein. Und tatsächlich hätte der 23. der Fifa-Weltrangliste nach einem Stellungsfehler des Stuttgarters Fernando Meira fast den Ausgleich erzielt. Mitten in die Drangphase des Außenseiters fiel dann aber die endgültige Entscheidung: Nach einem Foul an Figo verwandelte Ronaldo in der 80. Minute den berechtigten Strafstoß zum 2:0.

Mit dem Sieg steht Portugal erstmals seit 1966 wieder in einem WM-Achtelfinale. 1986 und 2002 gewannen die Portugiesen von insgesamt sechs WM-Spielen nur zwei und mussten beide Male nach der Vorrunde nach Hause fahren, und das, obwohl sie jeweils wegen exzellenter Einzelspieler als Geheimfavoriten gehandelt worden waren. Die Enttäuschung nährte Zweifel, ob Portugal für die Weltmeisterschaftsbühne genug Substanz hat. Diese Zweifel dürften nun vorerst beseitigt sein, zumal die Südeuropäer nun auch beste Aussichten auf den Gruppensieg vor Mexiko haben, das mit vier Punkten auf Platz zwei liegt.

AP AP

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