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WM-Tagebuch: Alptraum ohne Netzer

Burn-Out nach zehn Tagen Weltmeisterschaft. Unser WM-Reporter Klaus Bellstedt ist platt. Auf der Mattscheibe seines Uralt-Fernsehers hält er jetzt schon Günter Netzer für Rudi Völler.

Geht es Ihnen auch so? Registrieren Sie nach den zehn Tagen WM erste Ermüdungserscheinungen, erste Aussetzer? Die kann ich definitiv nicht mehr leugnen. Während und nach dem Spiel der Franzosen gegen Südkorea ist es bei mir soweit: Mitte der zweiten Hälfte nicke ich auf meinem schäbigen Hotelzimmer irgendwo zwischen Köln und Wuppertal ein. Ich wache erst auf, als die Begegnung längst gelaufen war. Und was ich auf der Mattscheibe sehe, kann eigentlich nur ein Traum sein.

Red Bull für Netzer

Im Halbschlaf erkenne ich die Umrisse von Oliver Geissen. Aber was, bitteschön, hat Oliver Geissen mit Fußball zu tun?, Soweit mir in Erinnerung ist , hat er ungefähr zehn Jahre lang eine Talkshow auf RTL moderiert hat und führt mittlerweile durch höchst anspruchvolle TV-Formate wie "Die 80er Jahre Show“ oder "Die DDR-Show“. Nein, das muss die Fortsetzung meines komatösen WM-Burnout-Traums sein.

Einmal kneifen, zweimal kneifen, spätestes jetzt hätte mein Lieblingsanalysten-Duo Netzer/Delling da stehen müssen, oder wenigstens Tick, Trick und Track (Kerner, Klopp, Meier) vom ZDF. Ich muss im Schlaf auf die falsche Taste der Fernbedienung gekommen sein, hektisch und aufrecht im Bett sitzend, beginne ich zu zappen. Meine letzte Hoffnung….. umsonst: nirgendwo Fußball, außer auf RTL. Da lacht mich jetzt nicht mehr Geissen, sondern plötzlich Günter Jauch an, flankiert von "Rudi-Nationale".

Mit der Zeitmaschine zu Rudi

Was ist denn hier los? Endet dieser Traum denn nie? Bei aller Liebe zu Günter Jauch, aber auch den hätte ich jetzt nicht unbedingt mit der WM in Verbindung gebracht. Falsch, denn wer das Über-Ich des deutschen TV-Infotainments WM-mäßig nicht auf dem Zettel hat, hat schon verloren, oder braucht Urlaub. Langsam wird mir klar, dass das hier alles kein Traum mehr sein kann.

Und dass Rudi Völler bei RTL als Experte auftritt, darf ich in Zukunft auch nicht mehr verdrängen. Es gibt schließlich nur einen. Hat man vor vier Jahren ja oft genug skandiert. So kann das alles nicht weitergehen. Der Minutenschlaf vor der Glotze ist Gift für mich. Ab sofort wird bei mir im Koffer Red Bull gebunkert. Das Turnier dauert schließlich noch fast drei Wochen...

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