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Fußball-WM 2010: Klose und die Louis-van-Gaal-SMS

Am Tag nach dem furiosen Auftakt des deutschen Teams bei der WM in Südafrika wurde im DFB-Lager viel über Bayern-Trainer Louis van Gaal gesprochen. Der hatte Klose vorm Spiel per SMS aufgemuntert.

Von Klaus Bellstedt, Centurion

Müde, aber glücklich sah Miroslav Klose am Tag nach dem fulminanten WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft aus. Das 4:0 gegen Australien ließ den Stürmer auch die kleine Bindehautentzündung am linken Auge vergessen, die ihn schon in der Partie geplagt hatte. Klose wiegelte aber schon in der Nacht vor der strapaziösen Rückreise von Durban zurück ins Mannschaftsquartier nach Centurion bei Pretoria ab: "Keine Sorge, beim Tor habe ich alles gesehen." Und wie er da gesehen hatte!

Normalerweise kann man auf Pressekonferenzen mit Miroslav Klose zwischendurch auch schon mal wegnicken. Die Nüchternheit seiner Analyse wirkt manchmal wie ein Schlafmittel. Am Montag hingegen sprudelte es nur so aus dem sensiblen Angreifer heraus. Klose war mit seinem Kopfballtreffer und einer insgesamt beeindruckenden Leistung einer der Matchwinner im DFB-Team. "Ich habe noch nie an mir gezweifelt", sagte er. So selbstbewusst und eloquent hatte man Klose lange nicht mehr gesehen.

"Schön, ihn im Arm zu haben"

Keine Frage: Seine Leistung beim 4:0 gegen die Australier hat dem 32-Jährigen vor allem selbst richtig gut getan. Unmittelbar nach seinem Tor zum 2:0 konnte man erkennen, welche Last er auf seinen schmalen Schultern in letzter Zeit getragen hatte. In einem langen Jubelschrei löste sich die ganze Anspannung seiner Frustmonate beim FC Bayern. Kapitän und Flankengeber Philipp Lahm nahm Klose gefühlte 30 Sekunden in den Arm und drückte ihn fest an sich. Mit leichtem Wehmut erinnerte sich der Stürmer tags darauf noch gut an diese Szene: "Das war schön, ihn im Arm zu haben." Was während der Knuddel-Orgie zwischen ihm und Lahm gesprochen wurde, daran konnte sich Klose nicht mehr erinnern: "Ich habe Philipp beim Essen nachts auch noch mal gefragt, aber er konnte sich an unser Gespräch auch nicht mehr erinnern."

An was sich Klose aber sehr wohl erinnern konnte, war eine SMS von seinem Trainer bei den Bayern, Louis van Gaal, die ihn vor der Partie gegen Australien erreicht hatte - und ihn zusätzlich stark gemacht hatte: "Jeder Bayern-Spieler hat so eine SMS von van Gaal bekommen. Da standen liebe Worte drin." So schnell geht das also: Plötzlich spricht niemand mehr vom Krisen-Klose, sondern vom "Torungeheuer" ("The Sun"), das die Jagd auf den WM-Rekord von Brasiliens Ronaldo wieder aufgenommen habe. Elf Treffer hat Klose jetzt bei Weltmeisterschaften erzielt, vier weitere fehlen ihm, um mit dem Brasilianer gleichzuziehen. Nach seinem ersten Auftritt in Südafrika scheint das nicht mehr unmöglich.

Kombinationsfußball und Spielkultur

Aber noch einmal kurz zurück zu Louis van Gaal. Der Name fiel am Tag nach dem deutschen Auftaktsieg noch mehrfach. Thomas Müller, Kloses Teamkollege beim FC Bayern, hatte ihn sogar schon am Sonntag kurz vor Mitternacht ins Spiel gebracht. "Wir spielen hier im Louis-van-Gaal-Stil", gab der Torschütze zum 3:0 zu Protokoll.

Der Bundestrainer wollte das gar nicht bestreiten: "Auch Louis van Gaal legt großen Wert auf die Raumaufteilung. Nur wenn die stimmt, kann man guten Kombinationsfußball spielen. Da haben die Bayern gegenüber den anderen Teams in der Bundesliga schon einen Vorteil." Und Löw ergänzte noch: "Ich möchte immer Kombinationsfußball in Verbindung mit Spielkultur sehen." Bei Miro Klose hatte der Bundestrainer gegen Australien beides gut beobachten können.

P.S.: Wie wird sich das deutsche Team in Südafrika schlagen? Diskutieren Sie mit auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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