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Stefan Effenberg exklusiv: Jeder ist ersetzbar - auch Oliver Bierhoff

Der Machtkampf zwischen dem DFB und dem Gespann Löw/Bierhoff schadet vor allem der Nationalmannschaft, meint stern.de-Experte Stefan Effenberg. In der Sache bezieht Effe klar Stellung - und bricht eine Lanze für Matthias Sammer.

Oliver Bierhoff

Eine Frage wird bei dem ganzen Hickhack zwischen DFB und dem Gespann Löw/Bierhoff immer vergessen: Welchen Einfluss hat ein solche empfindliche atmosphärische Störung im unmittelbaren Umfeld der Nationalmannschaft eigentlich auf die Spieler? Auf die kommt es schließlich an. Sie sind es, die im Sommer bei der WM in Südafrika auf dem Platz stehen und für Deutschland die Eisen aus dem Feuer holen sollen. Die Antwortet lautet - und da spreche ich aus eigener Erfahrung: Natürlich beschäftigt man sich als Spieler mit diesem Thema. Die Jungs sind Profis, Fußball ist ihr Lebensinhalt. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Die derzeitige Situation trägt nicht unbedingt dazu bei, entspannt in das Turnier zu gehen. Das ist doch das eigentlich Fatale.

Insofern rate ich beiden Seiten dringend, sich möglichst schnell wieder an einen Tisch zu setzen und eine Lösung zu erarbeiten. Und noch etwas möchte ich den Herren auf den Weg geben: Bitte lassen sie die Öffentlichkeit aus dem Spiel. Zuletzt lancierten beide Seiten ihre Standpunkte in ihren Lieblingsmedien. Das ist unprofessionell und wirft ein ganz schlechtes Licht auf das äußere Erscheinungsbild der Nationalmannschaft. Ich wiederhole mich: Die Spieler leiden darunter am meisten!

In der Sache schlage ich mich übrigens auf die Seite von DFB-Präsident Theo Zwanziger. Ich finde es richtig, dass er den Vertragsentwurf von Oliver Bierhoff nicht akzeptiert hat. Auch wenn Bierhoff am Sonntag bei "Sky90" bestritten hat, dass es eine Forderung nach einer Signing Fee gegeben hat, so hat er doch zugegeben, dass er, mal ganz abgesehen von einer Aufstockung des Gehalts, gegenüber dem DFB eine "Einmalzahlung" gefordert habe. Da frage ich mich doch, wo da der Unterschied liegt...

Schlimm sind die Eitelkeiten

Bei dem ganzen Spielchen geht es vor allem um Macht. Von der wollen Löw und Bierhoff immer mehr, der DFB aber will sich nicht zum Spielball dieser Firma machen. Und zwar zu Recht. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Nationalmannschafts-Manager ein Veto-Recht bezüglich der Besetzung des Bundestrainerpostens einfordert. Nein, damit bewegt sich Bierhoff meines Erachtens außerhalb seines Kompetenzbereichs.

Schlimm sind natürlich auch die Eitelkeiten, die dahinter stecken. Es ist ja nun kein Geheimnis, dass Bierhoff und Sammer nicht miteinander können. Für Bierhoff wäre Matthias Sammer als Bundestrainer der Alptraum schlechthin, deshalb will er ihn verhindern. Und deshalb gibt es auch immer wieder neue Forderungen des DFB-Managers was die Kompetenzverteilung der Junioren-Auswahl U 21 betrifft. Aber das ist Schwachsinn. Bierhoff und Löw sollten sich einzig und allein um das A-Team kümmern. Alles andere geht schon rein arbeitstechnisch gar nicht. Der Aufwand wäre viel zu groß. Ich muss an dieser Stelle auch mal eine Lanze für Matthias Sammer brechen. Der Mann verrichtet eine exzellente Arbeit. Deutschland ist erstmals Europameister in den Jahrgängen U21, U19 und U17. Das sind vor allem die Erfolge des "DFB-Jugendleiters" Matthias Sammer.

Gibt es noch Dankbarkeit?

Noch ein letztes Wort zu Joachim Löw: Er macht einen tollen Job, auch ihm geben die Ergebnisse, die er mit "seiner" Mannschaft erzielt hat, Recht. Es war nicht klug vom DFB, ihm ein Ultimatum in Sachen Vertragsunterschrift zu stellen, aber trotz allem kann ich die Wucht seiner Verärgerung nicht verstehen. Mensch, der Mann kann froh sein, dass er weiter Bundestrainer bleiben darf. Das ist der schönste Job im ganzen Land. Man will ihn doch beim DFB. Das ist eine große Ehre. Gibt es eigentlich noch so etwas wie Dankbarkeit... ? Dass Löw jetzt seine Zukunft an die von Oliver Bierhoff koppelt, finde ich nicht sehr geschickt. Löw ist ein Fachmann, er kann mit der Nationalmannschaft noch Großes erreichen - wenn denn dieser unsägliche Streit eines Tages vorüber ist. Was die Person Oliver Bierhoff angeht, halte ich es mit Franz Beckenbauer: Jeder ist ersetzbar.

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