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WM 2014: Sabella wird Nationaltrainer von Argentinien

Nach dem frühen Aus bei der Copa América wurde Sergio Batista als argentinischer Nationaltrainer gefeuert. Nun steht der Nachfolger fest: Alejandro Sabella übernimmt das Nationalteam der Gauchos. Wir haben uns auf die Spuren von "El Mago" begeben.

Argentiniens Fußballnationalmannschaft wird ab sofort mit dem "Magier" den Weg zurück in die Erfolgsspur suchen. Alejandro Javier Sabella wurde von Verbandspräsident Julia Grondona via TV als Nachfolger des enttäuschenden Sergio Batista benannt. "El Mago" soll die Albiceleste nun in Form und die WM-Teilnahme 2014 in Brasilien unter Dach und Fach bringen. Wir haben uns auf die Spuren von Alejandro Sabella begeben und sehen eine positive Zukunft.

Später Erfolg als Spieler

Die Karriere des heute 57-Jährigen begann in den frühen 70ern als er in der Jugendmannschaft seines Heimatvereins CA River Plate anheuerte. Lange Zeit hörte man nichts von ihm bis 1978 Sheffield United an die Pforte von River Plate klopfte und den jungen Sabella für 160.000 Pfund (nach heutiger Rechnung wären es knapp 183.000 Euro) auf die Insel lockte. Wenn man es genau nimmt, wollte Sheffield den künftigen Nationaltrainer Argentiniens gar nicht. Zunächst fragten die Verantwortlichen bei einem jungen Mann namens Diego Maradona an, doch die gebotenen 400.000 Pfund waren zu wenig, so entschied der englische Zweitligist sich für die billigere Variante und kaufte Sabella ein.

Nach zwei Jahren in Sheffield wechselte der Argentinier in die Premier League und unterschrieb einen Vertrag bei Leeds United. Richtig in Tritt kam der Offensivmann nicht. Das geschah zum ersten Mal 1982, nachdem er sein Gastspiel in England beendet und zu Estudiantes de La Plata wechselte. Dort konnte "Pachorra" (zu deutsch "Trägheit") mit seinem bedächtigen Spiel unter Trainer Carlos Billardo richtig auftrumpfen und gewann mit seinem Team 1982 das Metropolitano-Turnier und im darauf folgenden Jahr sogar das Nacional. Gleichzeitig wurde er viermal für die argentinische A-Mannschaft nominiert. Nach weiteren Engagements in Brasilien und Mexiko beendete er seine Karriere als Spieler.

Der Lehrmeister und die große Liebe

Ins Trainergeschäft stieg Sabella 1989 zunächst als Co-Trainer neben Daniel Passarella, der ebenso ein Neuling unter den Trainern war, ein. Das Trainergespann blieb 17 Jahre zusammen und war von Beginn an erfolgreich. Die erste Station war CA River Plate, Sabellas Heimatverein, den auch Passarella aus seiner Spielerkarriere noch gut kannte. Mit River Plate gewann das Duo gleich im ersten Jahr die argentinische Meisterschaft und konnte 1991 sowie 1993 jeweils die Apertura gewinnen. Die Erfolge auf Vereinsebene machten den argentinischen Fußballverband (AFA) neugierig. Gemeinsam wurden sie zur Nationalmannschaft beordert und nahmen an der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich teil.

Nach dem Viertelfinal-Aus (1:2 gegen die Niederlande) folgten für Sabella Co-Trainer-Aufgaben bei der uruguayischen Nationalmannschaft (2000/2001) und dem italienischen Erstligisten AC Parma (2001). Immer unter der Aufsicht seines langjährigen Cheftrainers Passarella. Der Erfolg kam erst 2003 mit dem Sieg der mexikanischen Meisterschaft mit CF Monterrey wieder. Bevor die beiden Langzeitpartner zu ihrem Ursprung nach River Plate zurückkehrten, gaben sie noch ein kurzes Intermezzo in Brasilien. 2007 beendete Sabellas Gefährte das Engagement, da Passarella zum Saisonstart dem Verein einen Titel versprach und dieser nicht folgte. Sabella profitierte in der Folgezeit von seiner großen Verbundenheit zu seiner großen Liebe, den Estudiantes de La Plata.

In all den Jahren als Co-Trainer, schaute sich Sabella immer wieder die Spiele der Pincharrata an. 2009 übernahm er den Trainerposten und der Club hatte sein Idol wieder und dieser enttäuschte den Verein nicht. In seiner ersten Saison als Cheftrainer gelang ihm mit Estudiantes der Gewinn der Copa Libertadores. Bei der anschließenden FIFA-Klub-Weltmeisterschaft wurde sein Team erst in der Verlängerung des Finales (1:2) von Barcelona gestoppt und aus Sabella wurde "El Mago".

"Ein großartiger Kandidat"

Argentinien ist seit nunmehr 18 Jahren ohne großen Titel. Zuletzt wurde 1993 der Copa América gewonnen. Bei den Weltmeisterschaften kam die Albiceleste nach dem verlorenen Finale von 1990 nicht mehr über das Viertelfinale raus. Trauriger Höhepunkt war wohl das blamable Aus bei der diesjährigen Copa América. Das Volk, eine Fußballnation, wartet auf Titel. Der Druck ist hoch und wird von den Medien immer weiter gepusht. Als Paradebeispiele sind Sabellas Vorgänger zu nennen: Maradona legte sich andauernd mit der argentinischen Presse an, wurde verurteilt und es half ihm nicht einmal mehr sein Legendenstatus.

Sergio Batista wurde von Anfang an als "krasse Fehlbesetzung" tituliert und scheiterte in der Copa América. In Sache Sabella ist sich die argentinische Presse einig: Er ist ein großartiger Kandidat. Schon vor acht Monaten galt der bodenständige Stratege als Maradona-Nachfolger Nummer 1. Nun ist es so weit und er hat die nach eigener Aussage "begehrteste Position Argentiniens" sicher.

Sein größtes Problem könnte gleichzeitig zur Erfolgsgarantie werden: Der Weltfußballer Lionel Messi. So genial er auch im Verein spielt, so schwach spielte er bis dato in der Albiceleste. Ob Messi unter ihm besser spielt bleibt abzuwarten. Generell mangelt es in der argentinischen Nationalmannschaft nicht an großen Fußballern.

Geschichte wiederholt sich

Ob Sabella wirklich der richtige Mann für diesen Job ist, bleibt abzuwarten. Wir glauben, die Chancen stehen nicht schlecht, dass er Argentinien sicher zur WM 2014 in Brasilien führt. Er bringt Erfahrung als Co-Trainer mit - wie Joachim Löw. Er hat unter dem Weltmeistertrainer von 1986 Carlos Bilardo Fußball gespielt und 17 Jahre mit dem Weltmeisterkapitän von 1978 gemeinsam trainiert. Zudem hat er selber schon die Nationalmannschaft als Co-Trainer bei einem großen Turnier erlebt. Erfahrungen, die für Sabella unerlässlich sein werden.

Und da sich Geschichte bekanntlich wiederholt: Sein ehemaliger Trainer Carlos Bilardo trainierte Estudiantes de La Plata und direkt darauf die Nationalmannschaft ab 1983. Drei Jahre später folgte die Weltmeisterschaft in Mexiko, einem amerikanischen Land. Argentinien siegte mit Maradona als Weltstar. Die Parallelen sind vorhanden: Von Estudiantes zur Nationalmannschaft. Drei Jahre vor einer Weltmeisterschaft auf amerikanischem Boden. Und ein Weltstar befindet sich mit Messi auch im Team.

Tobias Becker

sportal.de / sportal

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