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Grafik zur WM 2014: Wenn König Fußball die Weltkarte bestimmt

Kleine Länder, großer Fußball: In unserer interaktiven Karte bestimmen die Punkte in der Fifa-Weltrangliste über die Größe eines Landes mit.

Von Patrick Rösing

Alle Monate wieder veröffentlicht die Fifa eine Neuauflage ihrer Weltrangliste. Wie die Welt durch die Brille der Verbandsstatistiker aussieht, verdeutlicht unsere Grafik: Darin bestimmt nicht nur die Fläche eines Landes, sondern auch dessen Anzahl an Punkten in der Fifa-Weltrangliste, über die Größe. Das Ergebnis: Kleine Länder wie Uruguay oder die Niederlande schwellen auf ein Vielfaches ihrer Größe an, Riesenreiche wie China oder Indien schrumpfen zusammen. Der europäische Kontinent zieht größentechnisch mit dem asiatischen gleich.

Wird statt der Fifa-Punktezahl ein anderer Vergleichsmaßstab angelegt, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: Wählen Sie zum Vergleich einmal den Skalierungsfaktor "Einwohnerzahl". Dann werden Indien und China dramatisch wachsen. Wenn Sie sich die Karte wiederum ohne Skalierungsfaktor anzeigen lassen, sehen Sie die Welt, wie Sie sie kennen dürften.

Die Fifa-Weltrangliste: Eine Tabelle ohne echte Aussagekraft

Dass die Fifa-Rangliste den tatsächlichen Leistungsstand der Nationalteams wiederspiegelt, kann getrost bezweifelt werden. Die ersten fünf Plätze dürften von Fußballkennern noch mehr oder weniger einstimmig abgenickt werden: Spanien, Deutschland, Brasilien, Portugal und Argentinien.

Dann folgt jedoch schon die erste Überraschung: Die Schweiz. Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld profitiert unter anderem von ihrer blitzsauberen WM-Qualifikation ohne Niederlage. Dass die Eidgenossen wirklich stärker sind als hinter ihnen platzierte Teams wie Italien und Uruguay, oder die Geheimfavoriten Chile und Belgien glaubt wohl trotzdem niemand ernsthaft. Italien etwa hat sich ebenfalls als Gruppenerster für die WM qualifiziert und stand vor zwei Jahren sogar im EM-Finale. Trotzdem liegt die Squadra Azzura derzeit nur auf Platz acht.

Der Grund für diese Überraschungen liegt im Berechnungsverfahren für die Weltrangliste. Es wird nicht nur gezählt, wie of ein Team gewonnen oder verloren hat. Es fließen unter anderem auch die Stärke des Gegners und die Bedeutung der Partie mit in die Wertung ein. Ein EM-Spiel wird beispielsweise ebenso hoch gewichtet wie eine Partie der Afrika-Meisterschaft. Die Afrikaner spielen ihren Kontinentaltitel jedoch alle zwei Jahre aus, die Europäer haben einen Vier-Jahres-Rhytmus. Dagegen wirkt, dass der afrikanische Verband CAF niedriger eingestuft wird, als die Uefa. Ein komplizierter Modus, der für immer wieder für erstaunliche Platzierungen sorgt.

Brasilien etwa, einer der Favoriten auf den WM-Titel, war zwischendurch sogar auf Rang 18 abgerutscht. Als WM-Gastgeber musste das Team nicht durch die Qualifikation und absolvierte deshalb in den vergangenen vier Jahren weniger Pflichtspiele als die anderen WM-Teilnehmer. Gut, dass die kommenden Wochen in Brasilien Klarheit darüber bringen werden, wer tatsächlich einen Platz in der Weltspitze verdient hat.

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