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stern-WM-Jury zum WM-Finale: "Ich gönne es dieser Mannschaft so"

Die stern-WM-Jury leidet und hofft mit der deutschen Elf im WM-Finale gegen Argentinien. Alle sind sich einig: Dieses Team hat den Titel so etwas von verdient.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gehören zu jenen Spieler, die das deutsche Spiel seit zehn Jahren prägen. Die WM-Jury gönnt ihnen einfach diesen Titel

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gehören zu jenen Spieler, die das deutsche Spiel seit zehn Jahren prägen. Die WM-Jury gönnt ihnen einfach diesen Titel

Leo Lindenberg ist zehn Jahre alt und selbst begeisterter Fußballspieler. Er freut sich auf die WM, weil er immer mal wieder länger aufbleiben darf. Sein Lieblingsspieler? Mesut Özil.

Leo Lindenberg ist zehn Jahre alt und selbst begeisterter Fußballspieler. Sein Lieblingsspieler ist Mesut Özil. Für den stern berichtet er über alle Deutschland-Spiele.

Das Spiel war so spannend!

Das Spiel war von Anfang an ziemlich gleichwertig. Deutschland hatte Glück, weil Higuain nicht richtig getroffen hat. Das Tor von Argentinien war ein guter Spielzug - aber eben tatsächlich abseits.

Das Spiel war so spannend! Ich habe vor Aufregung am ganzen Körper gezittert. Das Tor von Götze war schön!

Ich bin vor Spannung fast gestorben. Jetzt sind wir Weltmeister!!!

Henry Lübberstedt ist Geschäftsführender Redakteur beim stern. Er gibt ganz offen zu, dass er Fußball hasst. Leider verdonnerte ihn die Redaktion dazu, genau deshalb die Deutschland-Spiele anzuschauen - und sie zu beurteilen.

Henry Lübberstedt ist Geschäftsführender Redakteur beim stern. Er gibt ganz offen zu, dass er Fußball hasst. Leider verdonnerte ihn die Redaktion dazu, genau deshalb die Deutschland-Spiele anzuschauen - und sie zu beurteilen.

120 Minuten Hardcore-Fußball

Das Spiel war ja schon am Rande der Körperverletzung – 120 Minuten wusste ich vor Anspannung nicht wohin mit mir! Die Jungs haben sich nicht die Butter vorm Brot nehmen lassen. Selbst wenn die jetzt nicht "das Ding" geholt hätten, die hätten zufrieden mit sich sein können. 90 Minuten Hardcore-Fußball und dann noch mal 30 Minuten oben drauf. Verdreckt, blutend, getacktere Wunden – die haben wirklich alles gegeben. Beide Seiten schenkten sich nichts. Was mich berührte, war das Verhältnis von Löw zu "seinen Jungs". Während der argentinische Coach kurz vor der Verlängerung im Kreis seiner Spieler rumbrüllte (jedenfalls sah es so aus), spürte man bei Löw und der Truppe die emotionale Verbindung untereinander. Irgendeinem Spieler kniff er in die Wange, eine fast väterliche Geste. David Beckham soll gesagt haben, Deutschland hätte keinen herausragenden Spieler. Mag sein, aber dafür agierten die Deutschen im Team und genau das war ihre Stärke.

Mein persönliches Highlight bei einer gewonnen WM war nie das Spiel. Es war die Stimmung der Deutschen danach. Jede Nation braucht ihre Fixpunkte, ein gemeinsames Erleben, um sich als "Wir" zu fühlen. Die Bilder von der Spieler-knuddelnden Angela Merkel und den schwarz-rot-goldenen Fanfesten in ganz Deutschland waren ein einziges "Wir". Großartig! Es war meine erste WM, bei der ich alle Spiele gesehen habe. Offengestanden habe ich in meinem ganzen Leben noch nie zuvor so intensiv Fußballspiele verfolgt. Bin ich nun ein Fan geworden? Nein. Dieser Sport, wie jeder andere übrigens auch, geht mir immer noch am Po vorbei. Allerdings habe ich eine Beobachtung machen können: Selten zuvor kam ich auf Geschäftsterminen unverfänglicher ins Gespräch mit Verhandlungspartnern. Fußball schuf eine gemeinsame Basis in der Verständigung. Und zum allersten Mal konnte ich mitreden. War auch ein gutes Gefühl.

Alexandra Kraft ist Redakteurin im New-Yorker-Büro des stern. Sie liebt Sport über alles. Aber nicht unbedingt nur Fußball. Auf diesem Foto posiert sie mit dem ehemaligen Box-Star Lennox Lewis. Kraft schreibt beim stern auch einen Lauf-Blog.

Alexandra Kraft ist Redakteurin im New Yorker Büro des stern. Sie liebt Sport über alles. Aber nicht unbedingt nur Fußball. Auf diesem Foto posiert sie mit dem ehemaligen Box-Star Lennox Lewis. Kraft schreibt beim stern auch einen Lauf-Blog.

Das Team hat Werbung für unser Land gemacht

Weltmeister! Glückwunsch einem deutschen Team, dass unglaublich konzentriert und couragiert um diesen Titel gekämpft hat. Am Ende – nach vier vergeblichen Anläufen – war es wahrlich verdient. Das Finale war ein Krimi. Ein extrem fokussiertes deutsches Team, gegen Argentinier, denen man jederzeit alles zutraute. Am Ende gab es einen wesentlichen Unterschied: Die Deutschen spielten mit Herz. Sie rannten, ackerten und gaben keinen Ball verloren. Wie oft wurde Schweinsteiger grob und fies von den Beinen geholt? Der blutige Cut wie bei einem Boxer unter seinem rechten Auge war Zeugnis für seinen unglaublichen Einsatz. Und das Tor von Mario Götze war einfach traumhaft. Technisch perfekt - und unglaublich abgebrüht.

Als Deutsche im Ausland kann ich nur sagen: Dieses deutsche Team mit seinen Tugenden, hat Werbung für unser Land gemacht. Am Samstag war ich noch beim Friseur. Alles Italiener. Sie schwärmten geradezu von Schweinsteiger und Co. Immer wieder kam das Kompliment: "Ihr gewinnt sicher, weil ihr ein echtes Team habt und nicht nur einen Spieler wie Messi." Sie beglückwünschten mich am Ende dazu. Schöneres kann man als Deutsche doch nicht erleben, als dass man im Ausland für gute Arbeit geliebt wird. Und genau das war es, was das deutsche Team in den letzten Wochen zeigte – und damit endlich den Titel gewonnen hat.

Vor dem Spiel hielt Jürgen Klinsmann auf seiner Facebook-Seite das deutsche Trikot in die Höhe (als amerikanischer Nationaltrainer konnte er es natürlich nicht überziehen). Und wünschte dem Team alles Gute. Man sah ihm an, wie ehrlich er es meinte. Nach dem Spiel saß Michael Ballack im Studio bei ESPN. Das Lächeln wirkte wie aufgeklebt. Schmallippig und pflichtgemäß sagte er in die Kamera: "Ein verdienter Sieg." Echte Freude sieht anders aus. Aber vielleicht kann das ein "ewiger Zweiter", der am Ende im Streit ging, nicht. Ich freue mich wirklich. Auch weil ich zum ersten Mal mit einem elfjährigen Sohn erleben konnte, wie eine deutsche Mannschaft Weltmeister wurde. Hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Stefanie Sadewasser arbeitet in der Kneipe "No Name" im Hamburger Portugiesenviertel. Für den stern berichtet sie zu allen Deutschland-Spielen, was am Abend vor dem Tresen los war.

Stefanie Sadewasser arbeitet in der Kneipe "No Name" im Hamburger Portugiesenviertel. Für den stern berichtet sie zu allen Deutschland-Spielen, was am Abend vor dem Tresen los war.

Jetzt waren sie mal dran

Es war so spannend. Ich bin tausend Tode gestorben. Dann fiel endlich das Tor und wir haben gefeiert. Ich habe die Autokorsos vor der Kneipe mit meinem Handy gefilmt. Die ganze Stadt stand Kopf.

Ich habe es ja schon nach dem Brasilien-Spiel gesagt, dass wir Weltmeister werden. Wahnsinn, dass es auch so gekommen ist. Ich gönne es dieser Mannschaft so. Viele waren so oft dritter. Jetzt waren sie mal dran. Die Leute bei uns im Laden haben bis tief in die Nacht gefeiert, sich umarmt, sich Getränke ausgegeben, über vergangene und neue Helden geschnackt. Deutschland ist Weltmeister – ein Wahnsinns-Gefühl.

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