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Kommentar

Endgültiger WM-Kader: Löw streicht Sané - warum die Entscheidung richtig ist

Auf Jogi Löw ist Verlass. Auch diesmal hat er mit dem Verzicht von Leroy Sané für die WM eine Entscheidung getroffen, die alle überrascht hat. Die Experten schäumen, dabei ist die Entscheidung durchaus verständlich.

IM DFB-Dress läuft Leroy Sané über den Trainingsplatz und sieht dabei unzufrieden aus

Ist es nicht schön?! Die WM hat noch nicht einmal angefangen und doch sind die sprichtwörtlich "80 Millionen Bundestrainer" schon in Aufruhr. Der echte Nationalcoach, Jogi Löw, hat uns allen mit der Ausbootung von Leroy Sané aus dem WM-Kader nicht zum ersten Mal einen echten Aufreger geliefert. Die Meinungen gehen weit auseinander - auch in der stern-Redaktion. Während mein Kollege Tim Schulze wenig Verständnis für die Entscheidung hat, sehe ich das ganz anders - und habe es zwar nicht genauso erwartet, aber immerhin im Vorfeld durchaus für möglich gehalten.

Um es gleich klar zu sagen: Selbstverständlich hat der Shootingstar von Manchester City das Leistungsvermögen und die Klasse für eine WM-Teilnahme - das hat er während der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen. Nur leider hat er das in der Nationalmannschaft bisher so gar nicht zeigen können. Man denke nur an das Testspiel gegen Brasilien (0:1) Ende März. Ich bin der kommende Mann, beeindrucke in meinem Verein, habe die Chance mit der Nationalelf die WM zu spielen, vielleicht sogar den Titel zu holen und bin bei einem Test gegen Brasilien dabei - mehr geht eigentlich nicht. Doch Sané enttäuschte auf ganzer Linie, spielte nur pomadig mit. Das war nicht nur Toni Kroos aufgestoßen, der hinterher Mitspieler heftig kritisierte, dabei keine Namen nannte, aber sicher auch Sané meinte.  

Leroy Sané - vorerst ein Versprechen auf die Zukunft

Junge Top-Spieler, die für ein großes Turnier bereit sind, treten in solchen Spielen ganz anders auf. Sie zeigen sich. Sie versuchen, etwas zu bewegen. In einer ganz ähnlichen Situation war vor der EM 2012 beispielsweise ein gewisser Mario Götze. Der Gegner: Brasilien. Der damals 19-Jährige brillierte, schoss ein Tor, setzte als Newcomer seine Kollegen in Szene, Deutschland gewann 3:2. Am Tag danach überschlugen sich die Kommentatoren, vom neuen deutschen Fußball-Gott war die Rede. Hätte sich Sané in Eppan und davor nur halb so bereit präsentiert wie der junge Götze seinerzeit, der 22-Jährige wäre in Russland dabei.

So aber bleibt Leroy Sané vorerst ein Versprechen auf die Zukunft. Seine Zeit wird kommen, er ist zweifellos eines der größten deutschen Fußballtalente. Das weiß natürlich auch Jogi Löw, der - man erinnere sich - immer schon nicht die 23 besten Spieler für ein Turnier nominiert hat, sondern eine Gruppe, die seiner Meinung nach am besten über die vielen Turnierwochen hinweg funktioniert. Und da sprach wohl einiges eher für Brandt, Draxler und Goretzka, die sicher keine besseren Fußballer sind als Sané, die aber bei Olympia und Confed Cup allesamt schon ihre Turnierfähigkeit und ihren Willen, Verantwortung für den Team-Erfolg zu übernehmen, bewiesen haben.

Löw setzt auf funktionierende Gemeinschaft

Der Nationalcoach ist bisher sehr gut damit gefahren, bei Turnieren auf den ein oder anderen Star zu verzichten und gleichzeitig Spielern Kredit zu geben, die es nach Ansicht seiner 80 Millionen "Kollegen" nicht verdient hatten. Löw weiß aber auch: Geht es in Russland richtig schief und "die Mannschaft" scheidet frühzeitig aus, dann wird ihm nicht zuletzt seine Entscheidung gegen Leroy Sané um die Ohren fliegen. Richtig war sie aus heutiger Sicht trotzdem.

IM DFB-Dress läuft Leroy Sané über den Trainingsplatz und sieht dabei unzufrieden aus


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