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WM 2018: Nach Sieg gegen Costa Rica - Neymars Tränen gegen die Zweifler

Es sah nicht gerade nach Lust aus, was Neymar und seine Brasilianer ausstrahlten. Doch das Happy End im Spiel gegen Costa Rica kam. Spät, aber umso gewaltiger. Nach dem erschufteten Sieg weinte sich Neymar den Druck von der Seele.

Neymar weint

Nah am Wasser gebaut, nach dem Sieg gegen Costa Rica und auch sonst: Neymar

DPA

Es war wieder mal so, wie er es eigentlich mag: Alle Augen auf Neymar. Er versuchte seine Tricks (nicht immer erfolgreich). Er lieferte sich ein Privatduell mit dem holländischen Schiedsrichter (selten erfolgreich). Er versuchte, einen Elfmeter herauszuschinden (nicht erfolgreich). Er drehte spät auf und riss das Spiel an sich (endlich erfolgreich).

Brasilien gewann gegen Costa Rica mit viel Mühe, aber hochverdient  2:0.

Das Achtelfinale ist nun näher gerückt. Das Zittern, das Nachbar Argentinien gerade durchmacht, haben sie zunächst abgewendet. Und das Chaos, das unweigerlich gefolgt wäre in der Heimat. Die vielen Zweifel. Die vielen Fragen - auch zu Neymar.

Freudengepurzel vom Brasilien-Trainer

Auch deswegen jubelte Trainer Tite bei Coutinhos Siegtreffer in der 90. Minute so sehr, dass er sich verstolperte und Purzelbäume machte. Auch deswegen fiel der Jubel in der Arena in Sankt Petersburg so frenetisch und erlösend aus. Auch deswegen weinte Neymar so erleichtert am Ende des Spiels.

Allein hockte er am Mittelkreis und versteckte sein verweintes Gesicht unter dem Trikot. Fernandinho kam zu ihm und nahm in den Arm. Gabriel Jesus kam zu ihm. Als das nicht reichte, kam Thiago Silva, der Routinier und weinte mit ihm und ließ ihn für eine Minute nicht mehr aus den Armen.

Neymar: Nah am Wasser gebaut

"Du bist ein weicher Typ", hatte ihn kürzlich ein TV-Moderator gefragt, als er Tränen vergossen hatte. "Nah am Wasser gebaut?"

"Bin ich", sagt Neymar mit weicher, fast zärtlicher Stimme.

"Du bist ein sensibler Kerl?"

"Bin ich."

Vor dem Spiel gegen Costa Rica gab es eine klare Ansage aus der Heimat: Er solle endlich für das Team spielen. Er solle diese sinnlosen Dribblings vermeiden, wenn Mitspieler besser stehen. Er solle weniger brasilianisch spielen, weniger Show bieten, jedenfalls dann, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht.

Neymar aber machte zunächst da weiter, wo er aufgehört hatte: Er dribbelte sich ein ums andere Mal fest. Er lamentierte viel, wenn er keinen Freistoß bekam. Es sah nicht gerade nach Lust aus, was er ausstrahlte.

Das galt für das ganze brasilianische Team in der ersten Halbzeit. Es wirkte manchmal wie ein Freundschaftsspiel, die Spieler trabten in einem gemächlichen Tempo über den Platz, als ob sie in Sankt Petersburg der Hitze ausgesetzt wären (bei 17 Grad) oder nicht hatten schlafen können hier oben im Norden in der kürzesten Nacht des Jahres (war tatsächlich der Fall).

In der zweiten Halbzeit drehten sie dann auf und vergaben eine Chance nach der anderen. Im Abschluss fehlte es an Präzision, auch bei Neymar, der dreimal allein vor dem Torwart auftauchte und erst in der Nachspielzeit seinen Treffer machte.

Schließlich fiel er zu theatralisch im Strafraum

Er war sichtlich frustriert, schimpfte auf die Gegenspieler, meckerte, lamentierte, holte sich dafür eine gelbe Karte ab. Schließlich fiel er zu theatralisch im Strafraum und erhielt nach Sichtung der Videobilder zu Recht keinen Elfmeter.  Das Happy End kam spät, aber umso gewaltiger.

Jetzt haben sie eine gute Ausgangsposition, um eventuell schon im Achtelfinale Revanche nehmen zu können für 2014. Dann muss nur noch Deutschland mitspielen und weiterkommen.

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