WM-Qualifikation Der Geist von Moskau


Gerade im Hinblick auf die WM 2010 in Südafrika macht der 1:0-Erfolg des DFB-Teams gegen Russland Hoffnung. Die Handschrift des Bundestrainers ist deutlich zu erkennen. Besonders die jungen Spieler profitieren davon.
Ein Kommentar von Klaus Bellstedt, Moskau

Es war ein großes Spiel, das die deutsche Nationalmannschaft beim 1:0-Erfolg im Moskauer Luschniki-Stadion vor über 80.000 enthusiastischen Fans abgeliefert hat. Nicht, weil die Männer von Bundestrainer Joachim Löw sonderlich groß aufgespielt haben, sondern weil sie sich füreinander zerrissen haben. Auf dem ungewohnten Kunstrasenplatz stand ein Team, eine verschworene Gemeinschaft, ein Kollektiv, das im besten Sinne funktioniert hat. Das macht Hoffung. Auch und gerade im Hinblick auf die WM im nächsten Jahr in Südafrika.

Zwei Spieler machen besonders viel Mut: Torhüter René Adler und Mittefeldregisseur Mesut Özil. Beide stehen für eine neue Generation Nationalspieler. Der eine, Adler, 24 Jahre alt, überzeugte im Moskauer Hexenkessel nicht nur mit individueller Klasse, sondern auch mit Nervenstärke und Souveränität. Solche Eigenschaften sind bei außergewöhnlichen Turnieren wie etwa Weltmeisterschaften besonders gefragt. Der andere, Özil, 20 Jahre alt, ist ein Spieler, wie ihn Deutschland lange nicht gesehen hat.

Internationales Lehrgeld

Der Bremer Mittelfeldstratege, der an der Weser den genialen Brasilianer Diego innerhalb weniger Wochen hat vergessen lassen, trumpft jetzt auch im DFB-Team groß auf. Mit Ballack, Rolfes und Schweinsteiger an seiner Seite steigt sein Wert noch mehr. Die anderen Mittelfeldstrategen sind es, die Özil das machen lassen, was ihn auszeichnet: Dribblings auf engstem Raum und Pässe in die Tiefe. Mit Mesut Özil auf der zentralen Position eröffnen sich für Joachim Löw nie gekannte Möglichkeiten. Nicht wenige Fachleute hatten daran gezweifelt, ob der Deutschtürke in so einem "Endspiel" dem Druck würde standhalten können. Die Entscheidung, Özil von Beginn an zu bringen, spricht für den Bundestrainer. Denn sie war richtig.

Löw hat eine Philosophie. Die umfasst, junge Spieler im Nationalteam zu integrieren, an sie zu glauben und sie weiterzuentwickeln. Das heißt auch, an Jerome Boateng weiter festzuhalten. In Moskau zahlte Hamburgs Überflieger internationales Lehrgeld und flog zu Recht vom Platz. Der DFB-Coach zeigte sich hinterher keineswegs unzufrieden mit der Leistung des Rechtsverteidigers. Im Gegenteil: Er lobte ihn. Das ist Teil seiner Strategie.

Boateng ist hoch veranlagt. Er ist der Prototyp des WM-Perspektivspielers. In Moskau war er trotz einer eher schlechteren Vorstellung Teil der Mannschaft, die sich durch den 1:0-Erfolg bei einem russischen Weltklasseteam direkt für die WM 2010 qualifizieren konnte. Boateng hat mitgewirkt an der Entstehung des Geistes von Moskau. Auch an ihm werden wir bei der WM in Südafrika großen Spaß haben - jede Wette.


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