VG-Wort Pixel

"Mississippi Fairness Act" Mississippi schließt Trans-Mädchen und -Frauen vom Frauensport aus

Gouverneur Tate Reeves trägt einen Mund-Nasen-Schutz
Das vom republikanischen Gouverneur Tate Reeves unterzeichnete Gesetz tritt im Juli in Kraft
© Rogelio V. Solis / Picture Alliance / AP
Ebenso wie Männer hätten Transfrauen gegenüber biologischen Frauen klare körperliche Vorteile. Auf Grundlage dieser Annahme schließt der US-Bundesstaat Mississippi Transschülerinnen von sportlichen Wettkämpfen aus. Der "Mississippi Fairness Act" stößt landesweit auf Kritik.

Tate Reeves, Gouverneur des US-Bundestaats Mississippi, hat mit dem "Mississippi Fairness Act" ein Gesetz unterschrieben, dass es Transgender-Athletinnen verbietet an sportlichen Wettkämpfen für Frauen teilzunehmen.

"Künstliche Einschränkung der Möglichkeiten des Einzelnen" werden

Dem Gesetzestext zufolge müssen alle Highschools und öffentlichen Hochschulen ihre Sportmannschaften "auf Grundlage des biologischen Geschlechts" in die Kategorien Männer, Frauen und gemischt trennen. Dies sei erforderlich, weil es "'inhärente Unterschiede zwischen Männern und Frauen" gebe, die zwar "ein Grund zum Feiern sind", aber nicht zur "Verunglimpfung" der Geschlechter führen und zum Nachteil des Einzelnen werden dürften.

Des Weiteren wird ausführlich auf die körperlichen Vorteile von Männern in Sachen Kraft und Ausdauer eingegangen. Biologische Männer, die sich als Frauen identifizieren, hätten einer Studie zufolge wegen des natürlichen Testosterons auch Monate nach Verwendung von Pubertätsblockern und geschlechtsübergreifenden Hormonen weiterhin einen "absoluten Vorteil" gegenüber weiblichen Athleten.

Im Streitfall soll das Geschlecht durch ein ärztliches Attest definiert werden. Dabei zählten unter anderem Testosteronspiegel und der "genetische Aufbau des Schülers" zu den ausschlaggebenden Kriterien. Letztendlich fördere die strikte sportliche Trennung der Geschlechter auch die Gleichberechtigung. Sportlerinnen hätten so die Chance, ihre Fähigkeiten zu beweisen und Auszeichnungen und Stipendien zu erhalten. Das Gesetz tritt zum 1. Juli 2021 in Kraft.

Transgender Vater bekommt Tochter

Aktivisten: Gesetz gefährlich für Transkinder

Medienberichten zufolge passierte der Entwurf beide Legislativkammern von Mississippi mit überwältigender Mehrheit. Es sei jedoch anzunehmen, dass der Entwurf rechtlich angefochten wird. Laut "BBC" sagte die republikanische Senatorin Angela Burks Hill, dass sie "zahlreiche Trainer im ganzen Bundesstaat" angerufen und ihr erklärt hätten, dass solche Präventivmaßnahmen notwendig seien. Befürworter würden häufig einen Fall aus dem US-Bundesstaat Connecticut zitieren, wo zwei Trans-Frauen Sprint-Champions wurden. Kritiker wiederum lehnten das Beispiel ab – vielmehr würde es deshalb oft herbeigezogen, weil es so wenige Fälle gebe, in denen Trans-Sportlerinnen andere Athletinnen übertreffen.  

Die "Human Rights Campaign", die größte LGBT-Unterstützergruppe in den USA warnte davor, dass das Gesetz insbesondere für Transgender-Kinder gefährlich sei, weil es zu mehr Mobbing an Schulen führen würde. "Anti-Gleichstellungs-Extremisten" hätten eine "beispiellose Menge an Zeit und Energie investiert, um die LGBTQ-Gemeinschaft und vor allem LGBTQ-Jugend anzugreifen", wird Alphonso David, Präsident der Human Rights Campaign (HRC) in einer Pressemitteilung am Samstag zitiert.

Mit drei weiteren derartigen Beschlüssen vergangene Woche sei 2021 bereits jetzt das Jahr mit den meisten "Anti-Transgender"-Gesetzesentwürfen in der Landesgeschichte. Derlei Gesetze würden kein reales Problem lösen und seien nicht von den Wählern gefordert, so David weiter. Vielmehr würden derartige Anstrengungen "von nationalen rechtsextremen Organisationen angetrieben", die "Angst und Hass säen" wollten.

South Dakota mit ähnlichem Gesetzentwurf

Der "BBC" zufolge erwägen 20 weitere US-Bundesstaaten vergleichbare Maßnahmen. Laut "CNN" steht ein ähnliches Gesetz in South Dakota kurz vor der Unterzeichnung durch Gouverneurin Kristi Noem. Auf einer Pressekonferenz habe sie erklärt, dass es hierbei "nicht um Transgender geht – es geht um die Fairness von Mädchen im Mädchensport". Die Regelung soll auf der Geburtsurkunde einer jeden Person basieren. Der Vorschlag werde allerdings noch geprüft.

An seinem ersten Amtstag habe Präsident Joe Biden eine "Executive Order" – eine präsidiale Durchführungsverordnung – unterzeichnet, mit der die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität unterbunden werden soll. Diese Verordnung habe Gouverneur Reeves und den Staat Mississippi dazu gezwungen den "Mississippi Fairness Act" zu erlassen. Reeves Ansicht nach fördert die Executive Order den "Transgenderismus". "Ohne diese Tatsache wären wir heute nicht hier", habe er am Donnerstag im Kapitol von Mississippi gesagt.

Quellen: "Mississippi Fairness Act"; Presseerklärung "Human Rights Campaign"; "BBC"; "CNN"


Mehr zum Thema



Newsticker