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Athen 2004 Deutsche Hoffnungen: Der "Schieß-Schumi" wird Profi

Am 21. August will Ralf Schumann sein drittes Olympia-Gold ins Visier nehmen. "Eine Medaille soll es auf jeden Fall werden. Gold ist mein persönliches Ziel."

Mit der ihm eigenen Akribie hat sich der weltbeste Schnellfeuerschütze - zwei Mal Olympiasieger, fünf Mal Weltmeister, 13 Mal Europameister, Inhaber aller Weltrekorde - ein passendes Umfeld für seinen fünften Olympia-Start geschaffen. Schumann hat nach dem Weltcupfinale im September in Mailand fast vier Monate Schieß- Pause eingelegt, zum Abschalten, Kraft sammeln, Körper durchchecken. Dazu gehörten regelmäßiges Athletik-Training mit Mountainbike-Fahren und Aufenthalte im Fitness-Studio ebenso wie die Besuche bei einer Physiotherapeutin in Nordheim und Gespräche mit dem Team-Psychologen Hannes Kratzer aus Bad Liebenstein.

Augenübungen zum schnellen focussieren

Aus der Schweiz kam er mit einem Programm für Augenübungen zurück. "Im vergangenen Jahr habe ich bemerkt, dass ich einige Schüsse nicht mehr genau sehen konnte. In Zürich hat Pascal Abeg festgestellt, dass meine Augenlinsen das Ziel nicht mehr so schnell wie vordem focussieren können. Ich habe zwar immer noch 115 Prozent der normalen Sehschärfe, doch das war früher noch besser", erläutert Schumann.

Die Übungen sollen die Schnelligkeit und Beweglichkeit des Auges trainieren. "Die Pistole ruhig halten kann ich recht gut. Mit perfektem Sehen kann ich es aber besser beeinflussen, dass ich möglichst oft die 10 in der Scheibe treffe", erklärt der in Stockheim in der bayerischen Rhön wohnende Sachse.

Festangestellter Sportschütze

Seit April 2003 ist Schumann mit einer Festanstellung bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe Vollprofi geworden. Seinen Job in der Schleiferei eines Sägewerks in Ostheim wird er im Herbst wieder aufnehmen. "Neben der Deutschen haben die Thüringer Sporthilfe und der Olympiastützpunkt Thüringen großen Anteil daran, dass ich mich hundertprozentig aufs Schießen konzentrieren kann", erklärt er.

Bis zur Abreise nach Athen wird Schumann in diesem Jahr rund 25 000 Trainingsschüsse abgegeben haben. Dazu kommen mindest doppelt so viele Anschläge im Trockentraining. "Viel mehr kann man nicht in guter Qualität machen. Sonst schleichen sich technische Fehler ein", meint "Schieß-Schumi" - so seine E-Mail-Adresse -, dessen Markenzeichen seit Jahren die rote Mütze ist.

Nach Athen geht es weiter

Um technische Fehler auszumerzen, ist er seit Anfang Januar täglich zum Training von Stockheim nach Schweinfurt gefahren. "Der dortige Trainer Klaus Peter erkennt Fehler sofort", begründete er die Wahl des Ortes. Am Olympiastützpunkt Suhl gebe es leider keinen Schnellfeuer-Trainer mehr. Seit Ende Januar ist Bundestrainer Peter Kraneis der Partner.

Zu zwei Auswahl-Lehrgängen haben sich die deutschen Pistolenschützen mit dem Bulgaren Emil Milew sogar einen ihrer vermutlich härtesten Kontrahenten eingeladen. "Emil ist in Bulgarien alleine. Er hat nachgefragt, ob er bei uns einen Lehrgang mitmachen könne. Ich finde es gut, denn starke Trainingspartner spornen an", sagt Ralf Schumann, der nach Olympia keinesfalls aufhören möchte. "Auch nach Athen ist für mich noch nicht Schluss. Das Schießen macht mir noch viel zu viel Spaß - und ein Leben ohne Training und Wettkämpfe kann ich mir noch nicht vorstellen." Dies hat er längst mit Ehefrau Anke, einst selbst Weltmeisterin mit der Luftpistole, besprochen.

Uwe Jentzsch/DPA

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