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Athen 2004 Länder: Forever Number One

Trotz vieler Dopingfällen und Absagen einiger Topstars gibt es für die amerikanische Olympiamannschaft nur ein Ziel: wieder mehr Medaillen als jede andere Nation zu sammeln.

Die USA haben ein klares Ziel: Der seit 1992 anhaltende Abwärtstrend in der Medaillenausbeute soll unbedingt gestoppt werden. Zwar konnten sich die Baseball-Spieler nicht qualifizieren, verzichten viele Stars aus der Basketball-Profiliga NBA ebenso wie Radprofi Lance Armstrong auf eine Teilnahme und könnten einige sicher geltende "Bänke" wegen Dopings noch gesperrt werden. Dennoch hält das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) konsequent an seiner Zielstellung fest, bei den Olympischen Spielen in Athen wieder 100 Medaillen und mehr, davon wenigstens 41 in Gold, gewinnen zu wollen. Vor zwölf Jahren in Barcelona waren es noch 108 (37 Gold), vier Jahre später in Atlanta 101 (44) und in Sydney 2000 gab es für die "Stars-and-Stripes"- Athleten nur noch 97 Mal Edelmetall (40) zu bejubeln.

Rekord-Fördermittel

"Auch wenn noch einige unliebsame Dinge passieren könnten, weichen wir von unserem Plan nicht ab, den ersten Platz in der Nationenwertung mit einer dreistelligen Medaillenausbeute zu verteidigen", lässt Chef de Mission Herman Frazier keine Zweifel an der erfolgreichen Umsetzung des unter dem Slogan "Athens Advantage" firmierenden Förderungsprogramms. Mit der Rekordsumme von 174 Millionen Dollar unterstützt USOC im laufenden Olympia-Zyklus die Athleten, unter denen Michael Phelps zum neuen Megastar aufsteigen könnte. Der 19 Jahre alte Schwimmer schickt sich an, den Jahrhundertrekord von Mark Spitz mit sieben Triumphen bei den Spielen 1972 in München zu übertrumpfen. Phelps will seine "Mission Gold" mit sechs Einzel- und drei Staffelstarts verwirklichen.

Optimale Vorbereitung

Durch die immensen Investitionen, die um 21 Millionen Dollar über denen für Sydney liegen, können alle Olympia-Starter bereits einige Wochen vor Beginn der Spiele zur optimale Vorbereitung nach Europa reisen. Das von zahlreichen Absagen der eigentlichen NBA-Stars geprägte "Dream Team IV" wird dadurch unter anderem am 4. August ein Testspiel in Köln gegen die deutsche Auswahl bestreiten. Auch ohne ihre millionenschweren Korbjäger Kevin Garnett, Kobe Bryant oder Vince Carter gilt das Basketball-Team, das auf einem Luxusliner und nicht im Olympischen Dorf logieren wird, als Gold-Favorit. Die Mehrzahl der US-Sportler wird sich den Feinschliff außerhalb Athens oder auf Kreta holen, wo das USOC Trainingscamps herrichten ließ.

Doping als Damoklesschwert

Frazier wird zugleich nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu versichern, "dass wir keinen Dopingbetrüger, sondern ein sauberes Team nach Griechenland schicken". Nicht nur der Olympia- Dritte über 400 m und Staffel-Olympiasieger von 1976 befürchtet allerdings, dass der im Zuge der Ermittlungen gegen das BALCO-Labor ausgelöste Dopingskandal die Einstimmung auf die Spiele weiter trüben könnte. Unausgesprochen glücklich war man in den USOC-Reihen deshalb, dass sich die Sprinter Tim Montgomery, Chryste Gaines, Michelle Collins und Alvin Harrison - ihnen droht eine lebenslange Sperre - bei den Trials nicht qualifizieren konnten. Noch bleiben aber Marion Jones, Regina Jacobs sowie Calvin Harrison. Das juristische Tauziehen bis zur Klärung ihrer Fälle kann sich bis zu den Spielen erstrecken.

An dieses Horror-Szenario will Frazier nicht denken. Um erst gar keine Missstimmung aufkommen zu lassen, versucht er der brisanten Dopingaffäre stets auszuweichen und plädiert stattdessen für ein positives Denken. Gleiches gilt auch für die Sicherheits-Thematik. Trotz der Beschwörungen durch das USOC, alles Menschenmögliche für den Schutz der etwa 550 Sportler und 300 Offizielle umfassenden Mannschaft getan zu haben, verzichteten einige Athleten wie Ruderer Xeno Muller wegen Sicherheitsbedenken auf die Chance, für eine Goldmedaille 25 000, für Silber 15 000 oder für eine Bronzeplakette die Prämie von 10 000 Dollar kassieren zu können.

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