Doping-Skandal Kenteris: "Mir wird Unrecht getan"


Das IOC verweigerte dem verdächtigten Griechen einen Doping-Nachtest. Kostas Kenteris ist aber überzeugt, die Doping-Vorwürfe entkräften zu können.

"Mir wird Unrecht getan. Ich habe nie verbotene Substanzen genommen", erklärte der 31- jährige 200-m-Olympiasieger von Sydney am Dienstag beim Verlassen des KAT-Krankenhauses in Athen. "Nach der Kreuzigung kommt die Wiederauferstehung." Sollten Kenteris und Thanou nicht schlüssig erklären können, warum sie am vergangenen Donnerstag einen Doping-Test versäumt haben, droht ihnen der Olympia-Ausschluss. Die 29-jährige Sprint-Europameisterin verließ 40 Minuten nach Kenteris die Klinik, in der beide nach einem Motorradunfall seit Freitag behandelt wurden. "Ich bin sehr verbittert über all das, was ich in den vergangenen Tagen gehört habe, doch ich werde meinen Kampf fortsetzen", gab sich auch Thanou entschlossen, den Anschuldigungen zu begegnen.

IOC verweigerte Kontrolle im Krankenhaus

Ihr Trainingspartner bekundete zudem seine Bereitschaft zur Aussage vor der vom deutschen IOC-Vizepräsidenten geleiteten Disziplinarkommission: "Ich werde alle Frage beantworten." Er schöpfe seine Kraft auch aus den "hunderten von Briefen, E-mails und Telegrammen", die er von seinen Fans im Krankenhaus erhalten habe. "Sie zeigen ihre Liebe zu mir."

Nicht nachkommen wollte das IOC der Bitte der beiden Athleten, sie nachträglich im Krankenhaus zu kontrollieren. "Ich weiß nicht wie ihre Strategie aussieht, aber wir sind nicht darauf eingegangen", erklärte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC, in einem Interview mit der schwedischen Zeitung "Expressen". Sie hätten sich durch einen Nachtest wohl einen Vorteil bei ihrer Verteidigung versprochen. "Im Krankenhaus ist es sinnlos, noch zu testen. Es wären alles nur Tricksereien, bei denen man ganz sicher ein negatives Resultat bekommen hätte", sagte Ljungqvist.

Kein Boykott der Leichtathleten

Kritik am unendlichen Doping-Drama, das nach einem etwaigen Olympia-Bann der Beiden durch das IOC-Exekutivkomitee beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) fortgesetzt werden könnte, äußerte erstmals das Olympia-Organisationskomitee (ATHOC). "Wir hätten gerne gleich eine Antwort von den Athleten gehabt", erklärte ATHOC-Generaldirektor Marten Simtsek.

Während die schwedischen Leichtathleten mit einem Boykott der Wettbewerbe in Athen gedroht haben, sollten Kenteris und Thanou doch noch teilnehmen, käme dies für die deutschen Läufer, Werfer oder Springer nicht in Frage. "Die Geschichte der Boykotte bei Olympischen Spielen hat gezeigt, dass sie unnütz waren. Dies galt für den der Moskauer Spiele 1980 und den Gegenboykott 1984 in Los Angeles", erklärte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV). "Es ist Aufgabe der IOC-Disziplinarkommission, für saubere Spiele zu sorgen", sagte er.

Kein Verständnis hätte Yvonne Bönisch dafür, wenn das nicht zum ersten Mal unter Doping-Verdacht geratene Duo in Athen starten dürfte. "Sie müssen gesperrt werden, sonst macht man den ganzen Sport kaputt", sagte die 23-jährige Judoka aus Potsdam einen Tag nach ihrem Olympiasieg. Bei der Abfahrt aus der Klinik ließ Thanou offen, ob sie bei einem juristischen Erfolg am Freitag zum 100-m-Vorlauf antreten würde. "Ich beantworte keine Fragen mehr", so Thanou.

Von Andreas Schirmer/DPA


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