Olympia-Aus Amputierter Sprinter darf nicht starten


Der kühne Olympia-Traum von "Stelzen-Sprinter" Oscar Pistorius ist geplatzt. Der Leichtathletik- Weltverband hat den unterschenkelamputierten Südafrikaner gestoppt und den erhofften Start in Peking verwehrt. Pistorius wird gegen das Startverbot Einspruch einlegen - auf höchster Ebene.

Auf seinen High-Tech-Unterschenkelprothesen ("Cheetahs") wollte sich der 21-Jährige erstmals bei Olympia der Konkurrenz nichtbehinderter Sprinter stellen.

"Mein Traum ist es, bei Olympischen Spielen zu starten. Mit meinen Zeiten bin ich nah an den Qualifikationsnormen dran. Auf dieses Ziel arbeite ich hin", hatte Pistorius vor dem IAAF-Urteil in seiner Heimatstadt Pretoria gesagt. Doch das Council des Weltverbandes machte dem ehrgeizigen Sprinter einen Strich durch die Rechnung: Durch seine federnden Karbonprothesen verschaffe sich der Südafrikaner einen beträchtlichen "mechanischen Vorteil" gegenüber nichtbehinderten Läufern, begründete der Weltverband in Monte Carlo seine Entscheidung, die sich auf eine Studie des Kölner Biomechanik- Professors Gert-Peter Brüggemann und die IAAF-Wettkampfregel 144.2 stützt.

Derartige Vorteile sieht Pistorius, dem im Alter von elf Monaten die Füße sowie Teile beider Unterschenkel amputiert werden mussten, nicht. "Sollte die IAAF diese Informationen dazu verwenden, mich von IAAF-Veranstaltungen auszuschließen, werde ich gegen diese Entscheidung auf höchster Ebene vorgehen", hatte der Behinderten- Weltrekordler über 100, 200 und 400 Meter angekündigt. Höchste Instanz in derartigen Streitfällen ist der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne.

"Ich werde nicht nachgeben", sagte

Pistorius, und sein Manager Peet van Zyl bestärkte ihn: "Wenn es in Peking nicht klappt, ist das noch nicht das Ende für uns. 2012 könnte er dann in London im südafrikanischen Olympia-Team stehen." Man dürfe keiner Organisation gestatten, meinte Pistorius, "unsere Fähigkeit in Zweifel zu ziehen, Wettkämpfe mit genau jenen Hilfsmitteln zu bestreiten, ohne die wir nicht einmal gehen, geschweige denn sprinten könnten".

Bei den Paralympics im September in Peking kann der "Schnellste auf keinen Beinen" (Pistorius über Pistorius) sein 200-Meter-Gold verteidigen - zu den Sommerspielen darf er dagegen nur als Zuschauer. Laut IAAF verstößt er gegen die Wettkampfregel 144.2 (e), die technische Hilfsmittel wie Federn, Räder oder andere Geräte verbietet.

Pistorius hält die Behinderten-Weltrekorde

über 100 (10,91 Sekunden), 200 (21,58 Sekunden) und 400 Meter (46,56 Sekunden). Er wollte in Peking in der südafrikanischen 4x400-Meter-Staffel laufen. Mit einer Sonderregelung hatte ihm die IAAF im WM-Jahr 2007 den Start bei zwei Grand-Prix-Meetings "zu Studienzwecken" erlaubt und auch die biomechanische Studie in Köln finanziert. Pistorius wurde dort am 12. und 13. November getestet.

Der "mechanische Vorteil", den sich Pistorius dank seiner Karbon- Prothesen gegenüber unversehrten Athleten verschaffe, sei "höher als 30 Prozent", teilte die IAAF in ihrer Begründung mit. Die Tests am Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln bei Professor Brüggemann hätten ergeben, dass der Südafrikaner bei gleicher Laufgeschwindigkeit 25 Prozent weniger Energie einsetzen muss als unversehrte Sprinter. "Aus diesen Erkenntnissen geht klar hervor, dass ein Athlet mit Cheetah-Prothesen mit weniger Energieverbrauch genauso schnell sprinten kann wie nichtbehinderte Athleten", heißt es in der Begründung.

DPA/kbe


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