China Tote bei Anschlägen in China


Eine Serie von Explosionen hat in der Nacht die Stadt Kuqa in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina erschüttert. Hinter den Anschlägen werden muslimische Separatisten vermutet. Bei der Verfolgung der Täter soll es acht Tote und mehrere Verletzte gegeben haben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Am zweiten Tag der Olympischen Spiele sind in der westchinesischen Unruhe-Provinz Xinjiang bei einer Serie von Selbstmordanschlägen und einer Schießerei acht Menschen getötet worden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, fuhren die Angreifer ein Taxi von einem Anschlagsort zum nächsten und schleuderten selbst gebaute Sprengsätze auf ihre Ziele. Vier Selbstmordattentäter starben bei Angriffen auf Regierungsgebäude, bei denen ein weiterer Mensch getötet wurde. Drei Angreifer wurden von der Polizei erschossen. Hinter den Anschlägen wurden muslimische Separatisten vermutet. Es war bereits der zweite Anschlag binnen einer Woche in der abgelegenen Provinz.

Zahl der Opfer noch unklar

Die Anschlagsserie habe sich in den frühen Morgenstunden in der Stadt Kuqa im Süden der Provinz ereignet, berichtete Xinhua weiter. Ziele seien unter anderem das örtliche Sicherheitsbüro, Industrie- und Geschäftsverwaltungen gewesen. Ein Verdächtiger habe ausgesagt, dass 15 Personen beteiligt gewesen seien. Was mit den übrigen Verdächtigen passierte, ging aus dem Xinhua-Bericht nicht hervor. Ein Vertreter im Büro der Kommunistischen Partei von Kuqa sagte, die Hintergründe seien noch weitgehend unklar. Offenbar stünden aber Separatisten hinter der Gewalt.

Augenzeugen berichteten von sporadischem Gewehrfeuer. Die Staatsagentur verwies auch darauf, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könne. Als Reaktion auf die Explosionen sei das örtliche Militär mobilisiert worden, "um zu intervenieren". Die betroffene Innenstadt von Kuqa sei abgeriegelt worden. Die Hintergründe der Zwischenfälle blieben zunächst unklar.

Ein Ausländer in Kuqa berichtete telefonisch der Deutschen Presse-Agentur DPA in Peking, vor der ersten Explosion sei "ein kleines Düsenflugzeug" über die Stadt geflogen, was in dieser Region höchst ungewöhnlich ist. Er berichtete von 21 lauten Detonationen innerhalb von rund eineinhalb Stunden. "Die Fensterscheiben klirren", berichtete der Mann während der Explosionen. Aus dem Fenster seines Hotel seien Lichtblitze zu sehen, aber kein Feuer oder Rauch. "Das Gewehrfeuer begann eine halbe Stunde nach der ersten Explosion." Die Detonationen seien innerhalb von wenigen Minuten aufeinandergefolgt.

Viele Menschen liefen auf die Straßen

Die ersten Detonationen begannen gegen 2.35 Uhr Pekinger Zeit (20.35 Uhr MESZ). Viele Menschen seien aufgeregt auf die Straßen gelaufen. Gegen 4.00 Uhr sei aber alles wieder ruhig gewesen, sagte der Reisende in einem zweiten Telefonat am Sonntagmorgen. "Jetzt haben sich alle wieder in ihre Häuser verzogen." Es herrsche Ruhe. "Hier passiert jetzt absolut gar nichts mehr, keine Stimme, man hört nichts", sagte der Augenzeuge. Das Internet sei inzwischen gesperrt. Die historische Stadt Kuqa liegt am Rande des Taklamakan-Wüste und war einst ein wichtiges Handelszentrum der antiken Seidenstraße.

Die Explosionen folgten auf einen blutigen Zwischenfall am Montag ebenfalls in Xinjiang in der Stadt Kashgar, wo 16 Grenzpolizisten getötet wurden. Die chinesischen Behörden sprachen von einem "Terroranschlag", ohne aber die Urheber genau zu benennen. Es wurden zwar zwei Uiguren als Täter festgenommen, doch wurden uigurische Separatisten bisher nicht direkt als Urheber beschuldigt. Ein Augenzeuge hatten bei dem Zwischenfall mit einem Lastwagen in Kashgar gesehen, wie Uniformierte geschossen hatten. Angehörige der Grenztruppen seien mit Schusswunden zu Boden gegangen. Amtliche Quellen haben bis heute aber nicht von Schüssen bei dem Blutbad berichtet, sondern vielmehr von Sprengsätzen, die explodiert seien.

Separatistische Bewegungen in Xinjiang

Das von acht Millionen Uiguren bewohnte Xinjiang gilt als Unruheregion. Es gibt Widerstand in dem muslimischen Turkvolk gegen die chinesische Fremdherrschaft über Xinjiang. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 hatte sich die kommunistische Führung das Gebiet einverleibt, auf dem es in den 40er Jahren kurzzeitig eine ostturkestanische Republik gegeben hatte. Chinas Regierung wirft einigen uigurischen Gruppen heute Separatismus und Terrorismus vor. Es gab aber zunächst keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen separatistischen Bestrebungen und den Zwischenfällen in Kuqa.

DPA DPA

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