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Podcast "heute wichtig" Folter und Überwachung – so leben Uiguren in China

Uiguren beim Beten
Uiguren und andere Gläubige beten während des Gottesdienstes in der Id-Kah-Moschee in Kashgar in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang.
© Mark Schiefelbein/AP / DPA
Ein schwarzer Tag: Der UN-Menschenrechtsrat hat eine Debatte über Menschenrechtsverletzungen Chinas gegen Uiguren abgelehnt. Omer Bekali, der selbst in einem Internierungslager festgehalten wurde, zu Gast bei "heute wichtig".

China behauptet, dass es in der Region Xinjiang, da wo 90 Prozent aller Uiguren weltweit leben, nur Ausbildungscamps gebe, ein Besuch dort sei freiwillig. Doch schon im Mai dieses Jahres sind Bilder und Dokumente aufgetaucht, auf denen die Misshandlung von Uiguren zu sehen ist. Im Podcast "heute wichtig" berichtet Omer Bekali genau von diesen Lagern, er wurde selbst in ein solches gesperrt, freiwillig ist dort gar nichts: "Die Menschen außerhalb des Camps wissen nicht, was drinnen passiert. Das Camp ist umgeben von vier Meter hohen Mauern und da sind elektronische Kabel. Im Camp befinden sich in jeder Zelle zwischen 30 und 40 Leuten. Und jeden Tag werden drei bis vier davon herausgepickt und gefoltert. Sie ließen uns hungern. Aber sie haben uns auch körperlich gefoltert und wenn wir uns immer noch gewehrt haben, haben sie uns in einen kleinen schwarzen Raum gesperrt. Es gab verschiedene Methoden. Bei einer, foltern drei Polizisten ziemlich schlimm und danach muss man 24 Stunden an der Wand in der Zelle stehen. Und wenn man sich dann noch wehrt, muss man auf einem Tigerstuhl sitzen. Das ist eine Art Metallstuhl, bei dem die Hände und Füße an den Stuhl gefesselt werden. Eine andere Methode ist für den Sommer, dann setzen sie einen in der prallen Hitze auf einen glatten Boden und da muss man dann nackt sitzen. Im Winter setzen sie einen auf Eis. Dann gab es noch ein Wassergefängnis. Hier hängt man an seinen Händen und das Wasser steigt einem bis zum Hals. Da wird man dann eine Weile ganz alleine gelassen."

Folter von Uiguren in China

Die Uiguren, das ist eine kleine Minderheit von etwa 20 Millionen Menschen in der Region Xinjiang, im Nordwesten Chinas. Chinesische Quellen erwähnen sie um das Jahr 300. In diese Zeit reichen ethnische Verbindungen zu den heutigen Türken. Seit dem 15. Jahrhundert sind die Uiguren überwiegend muslimisch. Die Uiguren selbst bezeichnen ihr angestammtes Gebiet als Ostturkestan. Doch diese Gebiete sind China ein Dorn im Auge, sagt Omer Bekali bei "heute wichtig": "China versucht seit 70 Jahren vergeblich, die Einheimischen dieser Region von ihrem Land zu vertreiben. Wir haben unsere Sprache aber nicht verändert, wir haben unsere Kultur nicht verändert, wir haben unsere Religion nicht verändert. Dadurch klafft eine große Lücke zwischen uns und den Chinesen. Das macht sie nicht glücklich. Und dass, obwohl sie die Erträge unseres Landes, das Gold, unsere Minen, Gas und Öl von uns nehmen und nutzen. Und trotzdem sehen sie in uns eine Gefahr für ihr Land. Außerdem will China seine Handelsstraßen für den Westen öffnen und dafür muss eine dieser Straße direkt durch unser heimisches Land verlaufen. Sie wollen das Land kontrollieren, um es durch diese Art der Tyrannei und Gewalt – wie sie es sagen – zu 'stabilisieren"."

Unterdrückung wurde auch dokumentiert  

China bestreitet immer wieder, das Volk zu unterdrücken, doch im Mai dieses Jahres sind interne Bilder und Dokumente unter dem Namen "Xinjiang Police Files" aufgetaucht. Bilder, die die dortigen Misshandlungen belegen. Ende August 2022 veröffentlichte das UN-Menschenrechtsbüro einen Bericht, in dem von möglichen "internationalen Verbrechen, insbesondere Verbrechen gegen die Menschlichkeit" die Rede ist. "Wenn China leugnet, was ich berichte, dann sollten sie einfach mal eine Stunde der Überwachungsvideos aus dem Gefängnis veröffentlichen. Denn im Internierungslager, in jeder Zelle, waren mindestens zwei Kameras, die uns aufgezeichnet haben. Sie können einfach eine Stunde dieser Aufnahmen veröffentlichen, können mir und der Welt zeigen, dass auch nur ein Mann ein glückliches, normales Leben im Lager geführt hat. Dass er gut gegessen hat, gut geschlafen hat und dass er technisch ausgebildet wurde – zeigt der Welt einfach, dass ich ein Lügner bin", so der ehemalige Gefangene Omer Bekali.  

Omer konnte in das Nachbarland Kasachstan entkommen, mit Hilfe seiner Frau, der dortigen Regierung und der Medien. Insgesamt sei er enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft, denn bis heute konnte keiner Chinas repressive Maßnahmen stoppen.  

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nik

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