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Leichtathletik: Jamaika-Trio sprintet zum Dreifach-Triumph

Einen Tag nach dem Fabelsieg von Usain Bolt haben Jamaikas Sprinter für einen weiteren Paukenschlag in Peking gesorgt: Im 100-Meter-Finale der Frauen feierte der Karibik-Staat einen Dreifach-Erfolg. Gold holte Shelly-Ann Fraser vor Sherone Simpson und Kerron Stewart, die zeitgleich Silber gewannen.

Jamaika tanzt die Welt aus. Eingehüllt in die grün-gelb-schwarze Nationalflagge feierte ein Sprinterinnen-Trio aus dem Karibik-Staat am Tag nach Usains Bolts Fabel-Weltrekord einen noch nicht erlebten Dreifach-Triumph bei Olympischen Spielen. Shelly-Ann Fraser gewann in Peking souverän die 100 Meter in eingestellter Weltjahresbestzeit von 10,78 Sekunden und freute sich schon vor dem Überqueren der Ziellinie mit erhobener Faust. Ihre Teamkolleginnen Sherone Sympson und Kerron Stewart aber mussten minutenlang auf die Auswertung des Zielfotos warten. Erst auf der gemeinsamen Ehrenrunde erfuhren beide von ihrer gemeinsamen Silbermedaille in 10,98 Sekunden - das Zielfoto konnte keinen Unterschied belegen.

"Wenn wir nach Hause kommen, dann wird da groß gefeiert. Ich bin sicher, da flippen alle aus. Das bedeutet viel für unser Land", sagte die erste Sprint-Olympiasiegerin aus dem nur 2,8 Millionen Einwohner zählenden Inselstaat und benannte das Erfolgsgeheimnis: "Reggae-Power". Die Vize-Weltmeisterin mit der Staffel steigerte ihre Bestleistung um sieben Hundertstelsekunden und ist nun in der ewigen Bestenliste die achtschnellste Frau. "Während des Laufs dachte ich, jede Zeit ist möglich." Bolts Weltrekord-Gala 24 Stunden zuvor im Nationalstadion von Peking hatte Shelly-Ann Fraser inspiriert. "Ich war so voller Siegeswillen und habe mir gedacht: Wenn Usain es schafft, schaffe ich es auch."

Noch niemals in der olympischen Geschichte kamen alle Medaillengewinnerin über 100 Meter der Frauen aus einem Land. Bei den Männern war das nur den USA (1904 und 1912) gelungen. Voller Stolz fiel die 21-Jährige in den Katakomben des Nationalstadions der Sportministerin ihres Landes, Olivia Grange, um den Hals. "Wir sollten diesen Tag zum Feiertag machen. Er hat alle Jamaikaner inspiriert", sagte Grange, die sich gegen alle Doping-Verdächtigungen wandte: "Wir haben uns immer an die Regeln gehalten."

Schlappe für US-Sprinterinnen

Eine Schlappe erlitten die drei amerikanischen Sprinterinnen, die nur die Plätze vier, fünf und acht belegten. Torri Edwards, die nach ihrem WM-Titel 2003 eine zweijährige Dopingsperre absitzen musste, wurde in 11,20 Sekunden sogar Letzte in einem Rennen, das die schnellste Olympiasiegerin seit der verstorbenen Florence Griffith- Joyner 1988 sah.

Viele große Namen der vergangenen Jahre fehlten beim olympischen Sprint-Finale. Titelverteidigerin Julia Nesterenko aus Weißrussland flog ebenso im Halbfinale raus wie Europameisterin Kim Gevaert (Belgien). Marion Jones, die im olympischen Finale 2000 vorn gelegen hatte, sitzt seit dem 7. März nach einem Doping-Geständnis wegen vorausgegangenen Meineids im Gefängnis. Ihr wurden bereits alle in Athen gewonnen Goldmedaillen aberkannt. Die vor vier Jahren zweitplatzierte Ekaterina Thanou (Griechenland) durfte auf Geheiß des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht in Peking starten, ob sie nachträglich für Jones Gold zugesprochen bekommt, erscheint mehr als fraglich. Die aktuelle Weltmeisterin Veronika Campbell-Brown hatte sich als Vierte der jamaikanischen Vorentscheidung gar nicht erst für Olympia qualifiziert.

Marc Zeilhofer/DPA / DPA

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