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Vielseitigkeitsreiten: Doppel-Gold für Romeike

Geglückte Revanche für das "geklaute Gold" von Athen: Vier Jahre nach dem aberkannten Olympia-Sieg haben die deutschen Vielseitigkeitsreiter den Team-Wettbewerb gewonnen. Und im Einzelwettbewerb krönte Hinrich Romeike den Gold-Tag mit einem weiteren Husarenritt.

"Schatzi, wir haben sie - und dieses Mal nimmt sie uns keiner weg", schrie Bundestrainer Hans Melzer ins Telefon zu seiner Frau, als die Revanche für das "geklaute Gold" von Athen geglückt war. Die deutschen Vielseitigkeitsreiter hatten kurz zuvor in Hongkong mit einer beeindruckenden Team-Leistung olympisches Gold gewonnen. Und Hinrich Romeike veredelte den denkwürdigen Abend noch mit Einzel-Gold vor der Amerikanerin Gina Miles mit McKinlaigh und der Britin Kristina Cook mit Miners Frolic. Er krönte sich auf seinem Pferd Marius zum ersten deutschen Doppel-Olympiasieger der Spiele in China.

"Wenn’s läuft, dann läuft’s. Das waren unsere Spiele. Das war unser Turnier", schwärmte der Zahnarzt nach seinem zweifachen Coup. "Wir sind unglaublich Dressur geritten. Im Gelände haben unsere Pferde einen fantastischen Job gemacht. Und zum Springen braucht man gar nichs zu sagen." Mannschafts-Gold sei sein Traum gewesen. Der Einzel-Sieg "war das i-Tüpfelchen auf dem i-Tüpfelchen auf dem i- Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen".

Zuvor hatten der "goldene Reiter" und seine vier Teamkollegen Frank Ostholt (Warendorf), Ingrid Klimke (Münster), Andreas Dibowski (Egestorf) und Peter Thomsen (Lindwitt) endgültig das Athen-Trauma überwunden. Noch bevor der 44-Jährige als letzter Starter über die Ziellinie beim Mannschafts-Wettbewerb geritten war, rissen die anderen die Arme hoch und jubelten. "Es ist eine gute Genugtuung, uns das wieder zu holen, was man uns weggenommen hat. Jetzt haben wir ihnen das gezeigt", sagte Melzer. "Athen hat uns zu dieser Leistung beflügelt."

Deutsche Reiter außer Rand und Band

Die deutschen Reiter waren außer Rand und Band. Das blieb auch so, obwohl Ingrid Klimke mit Platz fünf und Dibowski als Achter noch eine weitere mögliche Einzel-Medaille verpasst hatten. "Es war schwer, mich noch einmal zu motivieren", sagte Klimke nach dem Einzel.

Kollegen vom Springen und der Dressur gratulierten den erfolgreichen "Buschreitern". "Es gab keine Proteste", erklärte Melzer derweil seiner Frau am Telefon schon nach der Mannschafts-Wertung, während die anderen feierten. Der Schmerz von Athen, als die Reiter die aberkannten Medaillen zurückschicken mussten, war noch nicht vergessen.

"Das war spitze", sagte Verbands-Generalsekretär Hanfried Haring jubelnd und scherzte mit Blick auf Springreiter Ludger Beerbaum: "Das macht ihr jetzt aber nach!" Beerbaum grinste und schwärmte über die Kollegen aus der Vielseitigkeit: "Das war überzeugend. Sie haben lange von der Revanche für Athen geträumt. Das war sie - Respekt!"

Nullrunden von Ostholt mit Mr. Medicott und Dibowski mit Butts Leon hatten den Weg geebnet, doch dann hatte Ingrid Klimke mit Abraxxas einen Abwurf. Sie hätte schon das Gold perfekt machen können, aber "das wusste ich gar nicht". Ähnlich erging es Romeike, der von seinem Mannschafts-Gold noch nichts ahnte, als er einritt: "Ich wusste es nicht, weil wir abgesprochen hatten, nichts zu verraten, wenn einer noch reiten muss." So erfuhr er als letzter vom frühzeitigen Sieg durch einen Abwurf der Australierin Megan Jones. Das deutsche Team gewann mit 166,10 Strafpunkten vor Australien (171,20) und Großbritannien (185,70). Es ist das dritte Team-Gold nach 1936 und 1988.

"Total happy" und besonders ergriffen war Ingrid Klimke. Sie erinnerte an ihren Vater Reiner, der vor exakt 20 Jahren in Seoul mit der Dressur-Mannschaft seine sechste und letzte Goldmedaille geholt hatte: "Das ist schon etwas ganz Besonderes."

Hoy gratuliert als Erste

Dem Quintett gelang das Happy End vier Jahre nach der "griechischen Tragödie", als das deutsche Team in Athen seine Medaillen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wieder verlor. Und die traurige Hauptdarstellerin des tränenreichen Dramas, die wegen einer Verletzung ihres Pferdes nicht nominierte Bettina Hoy, zählte zu den ersten Gratulanten. "Sie gehört weiter zu uns. Sie hat uns hier immer geholfen, wenn es ging", sagte Klimke.

Hoy hatte der Mannschaft "immer die Daumen gedrückt und mitgezittert", nachdem sie in Athen zunächst das legendäre "Papi, ich habe Gold" in die Kameras gerufen hatte. "Ich freue mich unheimlich. Ich gönne es ihnen von Herzen", sagte die aus Rheine stammende Reiterin, die vor vier Jahren versehentlich zweimal über die Startlinie geritten war. Sie hatte diese Unachtsamkeit aber nicht bemerken können, weil die Zeitnahme nicht funktionierte. Anschließend gab es Proteste der Konkurrenten und das CAS-Urteil. So etwas ist nun nicht zu befürchten.

DPA / DPA

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