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Nebel in Whistler: "Ananas Express" stoppt Medaillenjagd

Londoner Verhältnisse im kanadischen Whistler: Wegen des starken Nebels, der schon den ersten Lauf des Damen-Riesenslaloms erschwerte, hatte die Jury den zweiten Durchgang mehrfach verschoben - als nichts mehr ging, wurde schließlich doch abgesagt.

Von Christian Ewers, Whistler

Der Nebel schluckte alles. Die Tore, die blaue Linie dazwischen, die Läuferinnen natürlich auch, nur als Schattenrisse waren sie noch zu erkennen. Whistler war am Mittwoch wie London im Herbst, dunstig, klamm, melancholisch. So gar nicht feierlich, so wenig olympisch. Der Riesenslalom der Frauen war ein einziger Kampf gegen Widerstände, und um 15 Uhr war der Kampf verloren. Immer wieder hatte die Jury den zweiten Lauf verschoben, aber der sogenannte "Mid mountain fog" wollte nicht weichen. Das Rennen wurde auf Donnerstag, 18:30 Uhr (MEZ), verschoben.

Der Nebel hatte den Riesenslalom für manche Athletinnen zum Blindflug gemacht. "Wo ist Mancuso?", fragte der Reporter des kanadischen Senders CTV, und er brauchte eine Weile, um die zweifache Silbermedaillen-Gewinnerin dieser Winterspiele auf dem Franz's Course zu entdecken. Sie war verloren gegangen, eingewickelt in einen dichten weißen Schleier. Julia Mancuso kam schließlich als 18. ins Ziel; sie wird dieses Mal wohl keine Medaille holen. Gute Chancen hat dagegen Elisabeth Görgel (Österreich), sie raste furchtlos durch den Dunst, dicht gefolgt von Taina Barioz (Frankreich) und ihrer Landsfrau Kathrin Zettel. Beste Deutsche waren Viktoria Rebensburg (6.) und Maria Riesch (7.).

Frauen-Bundestrainer Matthias Berthold hatte Verständnis für die Entscheidung der Jury. "Das ist okay", sagte Berthold. "Lieber morgen einen ordentlichen Lauf, als heute einfach so runterwurschteln. Dazu steht einfach zu viel auf dem Spiel." Das nass-warme Wetter hatte der "Ananas-Express" nach Whistler transportiert. So nennen Metereologen die subtropische Windströmung, warme und feuchte Luft aus Hawaii heranführt. Für Donnerstag wird keine wesentliche Wetterbesserung für Whistler erwartet – trotzdem ist der zweite Lauf erst einmal angesetzt worden. Athleten und Jury hoffen, dass die Temperaturen über Nacht fallen. Kälte mag der Ananas-Express nämlich nicht. Er dampft dann lieber ab.

Christian Ewers

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