Olympia in Vancouver Magdalena Neuner krönt sich zur Königin


Biathletin Magdalena Neuner hat bei den Olympischen Spielen ihre zweite Goldmedaille gewonnen. Im Massenstart ließ sie der Konkurrenz keine Chance, Bronze ging ebenfalls an eine Deutsche. Die größte Überraschung gab es aber nach dem Rennen.

Als Magdalena Neuner ihr zweites Olympiagold in der Tasche hatte, riss sie mit einem breiten Lächeln die Arme in die Höhe. Mit einer fulminanten Lauf-und Schussleistung erkämpfte sich das deutsche Glamour Girl im Massenstart-Rennen der Frauen ihren zweiten Olympiasieg und schwang sich damit endgültig zum Star dieser Winterspiele auf. Simone Hauswald mit Bronze komplettierte den großen deutschen Erfolg. Silber sicherte sich Olga Saizewa (Russland).

"Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, und schwupps habe ich meine zweite Goldmedaille", sagte Neuner überglücklich. DOSB-Präsident Thomas Bach verneigte sich: "Die Mädels sind einfach phantastisch. Das war ein grandioser Schlussspurt."

Drei Tage nach ihrem zehnten Platz in der Königsdisziplin über 15 Kilometer zeigte sich Neuner bei "Kaiserwetter" in den Bergen von Whistler gut erholt. Der Akku war wieder aufgeladen, die sechsfache Weltmeisterin wirkte frisch und gelöst. Schon auf der ersten Runde übernahm die 23-Jährige die Spitze des 30 Athletinnen umfassenden Feldes. Auch die von einer leichten Erkältung geplagte Kati Wilhelm war bei ihrem letzten Olympia-Auftritt im Einzel von Anfang an vorne dabei. Der Traum vom krönenden Abschluss ihrer großen Karriere ließ das "Rotkäppchen" von Beginn an die Flucht nach vorne antreten.

Wilhelm enttäuscht

Unter genauer Beobachtung von DOSB-Präsident Thomas Bach leisteten sich Neuner und Wilhelm beim ersten Liegend-Schießen dann aber ebenso wie Andrea Henkel einen Patzer. Nur Simone Hauswald kam aus dem deutschen Quartett beim ersten Auftritt am Schießstand ohne Fehler durch und lag auf Rang drei. Neuner kehrte nach einer Strafrunde mit einem Rückstand von 20,9 Sekunden auf die Strecke zurück.

Beim zweiten Liegend-Anschlag blieb die Wallgauerin dann ohne Fahrkarte und war damit wieder mitten drin im Medaillen-Rennen, aus dem sich Wilhelm hingegen frühzeitig verabschiedete. Die dreimalige Olympiasiegerin hatte große Schwierigkeiten mit der Einstellung ihres Gewehres und schoss dreimal daneben - vorbei der Traum vom Edelmetall bei ihren letzten Winterspielen. Auch Wilhelms Einsatz in der Staffel am Dienstag scheint nach den Problemen nicht mehr gesichert.

Entscheidung beim letzten Schießen

Neben Neuner blieb Hauswald hingegen mit ihren zweiten fehlerfreien Schießen ebenfalls vorne dabei, auch Henkel kämpfte sich mit einem "glatten Fünfer" zurück in die Spitzengruppe, die beim ersten Stehend-Anschlag noch breit gefächert war. Hauswald leistete sich dann aber zwei Patzer, auch Neuner musste ein weiteres Mal in die Strafrunde. Nur Henkel blieb fehlerfrei. Als Sechste, Siebte und Achte gingen Henkel, Hauswald und Neuner auf die vorletzte Runde - die dritte Einzelmedaille für die deutschen Frauen in Whistler war weiter möglich.

Die Entscheidung über die Medaillen im letzten Einzelrennen dieser Winterspiele fiel beim letzten Stehend-Schießen. Neuner und Hauswald blieben ebenso ohne Fehler wie Zaitschewa und gingen mit nur sieben Sekunden Rückstand auf die Schlussrunde.

Im Ziel brachen dann alle Bänne: Die deutsche Kolonie auf der Tribüne stimmte das Lied "So sehen Sieger aus" an, während Bundestrainer Uwe Müssiggang seine Frauen in den Arm nahm. "So sehen Champions aus. Beim letzten Stehendschießen haben die beiden extrem gut gearbeitet", sagte der Goldschmied, der nach der Saison zum Oberboss für Frauen und Männer aufsteigt. Sein Sportdirektor Thomas Pfüller hatte Tränen in den Augen: "Unglaublich, wie die Mädels dem großen Druck standgehalten haben."

DPA/kbe

Überraschung nach dem Rennen

Für eine Riesenüberraschung sorgte das deutsche Glamour-Girl wenige Stunden nach ihrer zweiten Goldmedaille. "Für mich sind die Olympischen Spiele heute beendet. Ich werde die Staffel nicht laufen", sagte Neuner bei der Pressekonferenz im Deutschen Haus in Whistler. Damit ist auch ein Start Neuners in der Langlaufstaffel zum Ende der Spiele ausgeschlossen, über den immer mal wieder spekuliert worden war.

Ungläubiges Staunen bei allen Beobachtern - mit diesem Verzicht hatte niemand gerechnet. "Ich habe gemerkt, dass ich vom Kopf her doch ziemlich fertig bin. Jetzt hoffe ich, dass die anderen Vier ein gutes Rennen machen und ihre Medaille holen", erklärte die 23-Jährige. Im letzten Biathlon-Rennen der deutschen Frauen werden nun am Dienstag Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), Andrea Henkel (Großbreitenbach), Simone Hauswald (Goßheim) und Martina Beck (Mittenwald) die deutschen Farben vertreten.


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