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GPS-Dating in Sotschi: Vergebliche Liebesmüh auf der Snowboardpiste

Schwitzende Körper durchtrainierter Menschen: Olympische Spiele versetzen viele Medien in erotische Verzückung. Eine Snowboarderin macht sich darüber lustig: In Sotschi laufe das Online-Dating nicht.

Von Oliver Noffke

Das richtige Herzblatt zu ziehen, war noch nie wirklich einfach. Früher war die Ständegesellschaft der freien Liebe im Weg, später verhinderte zu laute Diskomusik das Gegenüber auf intellektuelle Eignung näher zu untersuchen, und das Internet hat auch nicht alles einfacher gemacht. Zwar ist das Auswählen durch verschiedene Apps so einfach wie eine Pizza zu bestellen. Nur die Auswahl muss eben erst einmal da sein. Die GPS-gestützte Dating-App Tinder erobert gerade die Smartphones liebeshungriger Singles. In Sotschi schaut eine flirtbereite Snowboarderin allerdings auf einen leeren Bildschirm. "Sieht so aus, als würden nicht viele Olympioniken Tinder benutzen ... ich will doch nur das jamaikanische Bobteam näher kennenlernen", schrieb die Neuseeländerin Rebecca Torr auf Twitter.




Ein erster Tweet der Snowboarderin wurde sogar im Magazin des olympischen Dorfs abgedruckt. Vor ihrem Abflug nach Sotschi schrieb Torr schon, dass sie es kaum erwarten könne, die Dating-App bei den Spielen zu nutzen.

Die Legende von Grindr

Ob Torr wirklich auf der Suche nach dem Richtigen ist, ist nicht bekannt. Allerdings macht sie sich über den ewig wiederkehrenden Hype der angeblich so sexuell aufgeladenen Stimmung in olympischen Dörfern lustig. Bei jeder Olympiade machen Meldungen um noch mehr verteilte Kondome die Runde, was jedoch nichts über deren tatsächliche Benutzung aussagt. In London vor zwei Jahren sorgte der Zusammenbruch von Grindr, einem schwulen Äquivalent zu Tinder, am Tag des Einzugs der Athleten in ihre Unterkünfte für Furore. Schuld war jedoch nicht die plötzliche, massenhafte Nutzung des Diensts durch liebeshungrige Sportler, sondern schlicht die lahmende Technik, wie die Firma selbst später einräumte.

Wahrscheinlicher ist, dass viele Athleten vor ihren Wettkämpfen mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind als mit GPS-basierter Liebessuche: dem Training zum Beispiel. Nach ihrem ziemlich enttäuschenden 18. Platz im Slopestyle hat Torr angekündigt, mehr Zeit bei Tinder zu verbringen solange sie noch in Sotschi ist.




Am Tag der Eröffnungsfeier wurde ihr zumindest ein Wunsch erfüllt. Den umjubelten Einlauf der Jamaikaner kommentierte Torr bei Twitter. Verziert mit Lachgesichtern und Herzchen merkte sie dabei an: "Ich habe sogar schon einen von ihnen getroffen." Klappt also auch ohne Smartphone.

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