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Das müssen Sie zur Olympia-Nacht wissen: Wie das ZDF die genialen Tennis-Damen ignorierte

Gleich zwei Tennis-Damen stehen bei Olympia im Viertelfinale. Das ZDF zeigte nichts live und vor Mitternacht sogar eine Wiederholung statt des spannenden Kerber-Spiels. Dazu: Ein deutscher Olympionike kritisiert seine Chefs offen. Was Sie gestern und in der Nacht verpasst haben.

Angelique Kerber und Laura Siegemund zogen beide ins Viertelfinale des Einzel-Wettbewerbs bei Olympia ein.

Hammer-Performance, nicht im TV gezeigt: Angelique Kerber und Laura Siegemund zogen beide ins Viertelfinale des Einzel-Wettbewerbs bei Olympia ein.

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Deutschland holt die ersten Medaillen: Michael Jung gewinnt Gold im Vielseitigkeitsreiten, die Vielseitigkeits-Mannschaft holt Silber, und Monika Karsch schießt mit der Sportpistole ebenfalls Silber.

- Schwimm-Superstar Michael Phelps gewinnt über 200 Meter Schmetterling sein 20. Olympia-Gold und danach das 21. mit der US-Staffel. Paul Biedermann bleibt die erhoffte Medaille zum Abschluss seiner Karriere verwehrt. Mit der Freistil-Staffel über 4 x 200 Meter reicht es nur zu Rang sechs. 

- Die USA mit Turn-Superstar Simone Biles gewinnen das Finale der Frauen vor Russland und China.

- Der Franzose Denis Gargaud Chanut gewinnt in der Wildwasserbahn von Rio im Canadier-Einer. Der Deutsche Sideris Tsiadis hatte den Gold-Rang inne, rutschte aber im letzten Lauf unglücklich auf Rang fünf ab.

Der größte Aufreger:

Üben deutsche Funktionäre zu viel Medaillen-Druck auf die Athleten aus? Slalom-Kanute Sideris Tasiadis hat dem eigenen Verband jedenfalls gestern vorgeworfen, vor den Olympischen Spielen zu viel Erfolgsdruck auf die Sportler aufgebaut zu haben. Die Kommunikation der hohen Ziele sei unpassend gewesen, kritisierte der Canadier-Einer-Starter, der am Dienstag trotz Medaillenambitionen in Rio nicht über Rang fünf hinausgekommen war. "Die sagen uns auch, dass sie von 50 Prozent der Boote hier Medaillen haben wollen, von vier Booten müssen zwei aufs Treppchen. Dann denken wir, man kann uns auch ein bisschen anders motivieren", bemängelte der 26-jährige Augsburger. "Das ist zu viel Druck auf einem", meinte er. Die Ziele hätte man "ein bisschen anders" in Worte packen sollen. Sein Chef sieht das natürlich anders. "Fakt ist, dass unser Verband sehr offen kommuniziert, dass er um Medaillen mitfahren will. Das ist unsere Zielstellung und sicherlich auch die von Sid", sagte Thomas Konietzko.

Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen dürfen:

Hammer, diese Tennis-Damen, und das ZDF zeigt nix davon live, zumindest nicht im TV, nur im Internet-Stream. Nur so, weil es kurz vor Mitternacht im Hauptprogramm bei einer Tischtennis-Wiederholung und einem ziemlich unspannenden Beachvolleyballspiel zwischenzeitlich fast unterging: Sowohl Angelique Kerber als auch Laura Siegemund stehen im Viertelfinale der Olympischen Spiele. Zwei Damen mit der Chance aufs Halbfinale? Das gab's zuletzt 1992 in Barcelona mit Steffi Graf und Anke Huber (Übrigens: Serena Williams ist schon rausgeflogen). Siegemund schlug die Belgierin Kirsten Flipkens mit 6:4, 6:3. Und auch Kerber bleibt in Superform, schlug die Australierin Samantha Stosur 6:0, 7:5, spielte phasenweise begeisterndes Tennis. Siegemund trat parallel zu den Handball-Herren an, Kerber am Abend. Das ZDF ignorierte beide. Zeigte erst deutlich später kurze Zusammenschnitte. Schon klar, bei Olympia läuft vieles parallel. Aber vor allem im Falle Kerber fragt man sich unweigerlich: Lieber eine Zusammenfassung und Wiederholung statt eines spannenden Livespiels? Es bleibt vorerst das Geheimnis des ZDFs, wie diese Entscheidung zustande kam. Nur gut, dass der ARD das im Viertelfinale heute wohl kaum passieren wird. Die Matches starten um 17.30 Uhr (Kerber) und 19 Uhr (Siegemund).

Gewinner des Abends:

Okay, klar, Michael Jung ist aus deutscher Sicht natürlich der Gewinner des Abends. Zwei Medaillen an einem Tag, wer will ihm diesen Titel schon streitig machen? Wir wollen aber unbedingt noch die deutschen Turn-Damen im Mehrkampf hervorheben. Denn Sophie Scheder, Elisabeth Seitz und Tabea Alt kreischten, hüpften und sie fielen sich in die Arme, als hätten sie eine Medaille gewonnen. Rang sechs war das mit Abstand beste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Die Damen griffen dabei in selbst kreierten neon-weißen Turnanzügen an. Im ZDF-Interview strahlten sie und sagten, sie wollten ein bisschen feiern. Super, wenn man sich so über seine eigene Leistung freuen kann, auch wenn es nicht zu einer Medaille gereicht hat. That's Olympia!

Verlierer des Abends:

Was ist eigentlich mit Deutschlands Fußball-Frauen los? Sie stehen zwar im Viertelfinale des Olympia-Turniers. Aber das mit mehr Glück als Verstand. Gegen Kanada verlor das Team von Sylvia Neid 1:2 und zeigte dabei in keinster Weise, dass die Mannschaft vor nicht allzu langer Zeit eine der besten der Welt war. Nur dank der Tordifferenz stehen Melanie Behringer und Co. in der nächsten Runde. Eine Medaille wäre in dieser Form alles andere als verdient. Trainerin Silvia Neid hätte zum Abschluss ihrer Karriere eigentlich besseres verdient.

Wie läuft's für Deutschland?

Sagen wir so: Die Spiele haben für Deutschland begonnen. Mit etwas Verspätung, aber endlich haben sich die ersten Sportler für ihre starken Leistungen mit Medaillen belohnt. Heraus ragt natürlich Michael Jung, der Mann, der irgendwie kein bisschen anders aussieht als vor vier Jahren bei seinem Triumph in London. Gold allein, Silber im Team. "Er ist ein Tier", sagte der Sportchef vom Reitsportverband. Da kam sogar Mutti vorbei und ging auf der Tribüne ab: "Wir haben schon getanzt", sagte Brigitte Jung nach dem Springen. Mama ist stolz. Ist doch klar. Läuft also für Michael Jung und für Deutschland.

Was wird heute interessant?

Die beiden Doppelvierer des Deutschen Ruderverbandes wollen in Rio Gold. Sowohl das Herren- als auch das Frauen-Boot zählen am Mittwoch in ihren Finalläufen zu den Topfavoriten. Auch die Radfahrer Tony Martin und Lisa Brennauer haben Edelmetall im Blick. Sie rechnen sich im Einzelzeitfahren mit Start und Ziel am Atlantik Chancen aus. Die deutschen Fußballer brauchen einen Kantersieg gegen Außenseiter Fidschi, um aus eigener Kraft ins Viertelfinale einzuziehen. Achja und dann sind da natürlich die beiden Tennis-Damen (siehe oben).

Bilder des Abends:

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feh mit Agenturmaterial