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Olympia 2018: Der Eisflüsterer: Wie Coach Alexander König Savchenko/Massot zur Gold-Hoffnung macht

Mit seiner lockeren, oftmals ironischen Art hat Trainer Alexander König den Druck von den Eiskunstläufern Aljona Savchenko und Bruno Massot genommen. Jetzt gilt das Paar als Favorit auf Gold bei den Winterspielen.

Alexander König Aljona Savchenko

"Wir zünden gleich am Anfang ein Feuerwerk": Alexander König (l.) mit Aljona Savchenko und Bruno Massot während des Teamwettbewerbs in Pyeongchang

Aljona Savchenko hat schon viele Trainer erlebt während ihrer langen Karriere als Eiskunstläuferin. Da waren die strengen Übungsleiter in ihrer Heimatstadt Kiew, die mit militärischem Drill herrschten. Da war Ingo Steuer in Chemnitz, der sie und ihren damaligen Partner Robin Szolkowy abkapselte vom Rest der Szene und sich von Feinden umstellt sah. Und da ist Alexander König aus Oberstdorf. Der Mann, der einen ganz neuen Ton setzt. "Herr ist unser Sonnenschein", sagt Savchenko, "ich habe ihn noch nie mit schlechter Laune erlebt."

, 51, betreut das Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot seit vier Jahren. Ein freundlicher Mann mit kurzen blonden Haaren und roten Wangen, den Kragen seiner Dauenjacke trägt er stets hochgeschlagen.

"Wir können uns eigentlich nur selbst schlagen", sagt König mit Blick auf die Paarlauf-Konkurrenz bei den Winterspielen in Südkorea. Am Mittwoch zeigen /Massot ihr Kurzprogramm, am Donnerstag folgt die Kür. Savchenko, 34 Jahre alt, die im Eiskunstlauf fast alles erreicht hat, will endlich olympisches Gold gewinnen.

Alexander König ist Mittler wischen den Welten 

König ist für Savchenko und Massot mehr als ein Trainer, das war zu spüren in den Wochen der Vorbereitung vor den Winterspielen. König ist ein Mittler zwischen den Welten, zwischen Savchenko, die vor Ehrgeiz brennt und oftmals gebremst werden muss in ihrem Eifer, und , der noch mit 14 Jahren zweifelte, ob das überhaupt der richtige Sport für ihn sei.

Vier Mal am Tag, jeweils 50 Minuten, trainierten Savchenko und Massot in Halle 1 des Eislaufzentrums in Oberstdorf. König steht auch an diesem Nachmittag hinter der Bande, die Hände in den Taschen. Knapp zehn Grad sind es hier, egal ob draußen Hochsommer herrscht oder Schnee liegt wie heute.

Savchenko und Massot drehen Hand in Hand einige Runden auf dem . Dann sollen sie den doppelten Toeloop zeigen, einen zweifachen Drehsprung um die eigene Längsachse. Versuch Nummer eins: Massot, der unter starken Rückenschmerzen leidet, stolpert bei der Landung. Versuch Nummer zwei: Massot wackelt bei der Landung. Versuch Nummer drei: Savchenko stürzt auf die Knie.

"Ich hab aus Versehen gar nicht hingeguckt", sagt König. "Lief’s gut?"

Alle lachen.

Vertrauen über Jahre erarbeitet

Im vierten Versuch klappt es dann endlich. "Ja, gut gekämpft", ruft König quer über die Eisfläche. Savchenko würde jetzt gern weitermachen, noch ein paar Elemente üben aus der Kür für . Sie ist unter Dampf, sie will unbedingt.
"Hmm", sagt Massot.

"Aljona, sieh das mal als Aufwärmprogramm", sagt König auf Deutsch, "Schluss für heute, ok? Morgen legen wir dann eine Schippe drauf. Wir sind voll im Plan." Jede Minute auf dem Eis ist kostbar in diesen verletzungsgeplagten Tagen, Savchenko weiß das, aber sie vertraut ihrem Trainer.

König hat sich dieses Vertrauen über Jahre erarbeitet. Er hört seinen Sportlern zu, baut ihre Ideen ins Training ein und trägt Entscheidungen der Gruppe mit, auch wenn er anderer Meinung ist. Die gesamte Planung der Olympiasaison haben sie zu dritt gemacht, und Aljona Savchenko ist noch heute manchmal irriert über die großzügigen Mitspracherechte.

Aljona Savchenko: So viel Freiheit hatte ich in 25 Jahren nicht

"Soviel Freiheiten hatte ich in den vergangenen 25 Jahren nicht", sagt Savchenko nach der Trainingseinheit. Sie sitzt im Restaurant "Bei Zoran", in der ersten Etage des Eissportzentrums, vor sich ein Glas Apfelschorle. "Für mich waren Trainer Menschen, die Befehle geben", sagt sie, "und wenn man die nicht ausführte, bekam man Ärger."

Königs weiche, oftmals ironische Art ist umso erstaunlicher, als er selbst ein Kind des DDR-Sportsystems ist. Er lernte in der Wellblechhalle von Berlin-Hohenschönhausen das Eiskunstlaufen und holte, angeleitet von zwei sehr strengen Trainerinnen, bei der EM 1988 in Prag die Bronze-Medaille mit seiner Partnerin Peggy Schwarz. "Ich galt damals als Träumer", sagt König, "die Schreierei auf der Eisfläche ging bei mir rechts rein und links wieder raus. Ich habe immer gedacht: Was wollen die eigentlich von mir? Es ist doch nur Sport."

Königs Gelassenheit tut Aljona Savchenko und Bruno Massot gut - und hat sie mutig werden lassen. Für ihre Olympia-Kür haben sie Christopher Dean als Choreografen gewinnen können. Dean tanzte mit Jayne Torvill einen Boléro bei den Winterspielen 1984 in Sarajewo und gilt seitdem als Halbgott im Eiskunstlauf. Dean komponierte eine sehr anspruchsvolle Kür, gespickt mit Höchstschwierigkeiten.

"Wir zünden gleich am Anfang ein Feuerwerk", sagt König, "und wenn wir das sauber aufs Eis bringen, dann sollte es für Gold reichen."