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Die Olympia-Nacht: Patzer, Gezicke, dann doch noch Gold: Savchenko und Massot schaffen Sensationssieg

Hier finden Sie alles zur Olympia-Nacht: die Entscheidungen, die deutschen Erfolge und was noch passierte.

Savchenko/Massot gewinnen mit Weltrekordkür doch noch Gold im Eiskunstlauf

Ende gut, alles gut: Nach dem verpatzten Kurzprogramm schien schon alles verloren, doch mit einer herausragenden Kür fuhren Aljona Savchenko und Bruno Massot doch noch zu Gold.

Getty Images

Was in der Nacht passiert ist, und was der Tag uns bringt - der Überblick:

+++ Hier geht es zum Live-Ticker mit allen Infos und dem Medaillenspiegel +++

So lief es für die deutschen Athleten

Im Eiskunstlauf wurde ein Sport-Märchen für das deutsche Paar wahr: Aljona Savchenko und Bruno Massot haben mit einer grandiosen Aufholjagd die Goldmedaille im Paarlauf-Wettbewerb bei den Olympischen Winterspielen gewonnen. Die WM-Zweiten sicherten sich mit einer Klasse-Kür am Donnerstag in Pyeongchang noch den ersten Platz und machten nach dem verpatzten Kurzprogramm gleich drei Ränge gut. Mit 235,90 Punkten distanzierten die Wahl-Oberstdorfer die Weltmeister Sui Wenjing/Han Cong aus China (235,47) und die Kanadier Meagan Duhamel/Eric Radford (230,15). Es war das erste olympische  Paarlauf-Gold für Deutschland seit 66 Jahren, als das Ehepaar Ria und Paul Falk 1952 gewann. Die beiden neuen Eiskunstlauf-Olympiasieger vergossen unmittelbar nach der Entscheidung Tränen.

Thomas Dreßen hat die erhoffte Medaille in der olympischen Abfahrt verpasst. Als Fünfter nach 30 Startern sorgte der Skirennfahrer aus Mittenwald jedoch für das beste Winterspiele-Resultat eines deutschen Abfahrers seit 26 Jahren.

Nicht gut sah es schon nach dem ersten Lauf für Gold-Favoritin Viktoria Rebensburg im Riesenslalom aus. Durch einen Fehler vergab sie eine gute Ausgangsposition für das Finale. Nach 32 gestarteten Fahrerinnen lag Deutschlands beste Skirennfahrerin in Pyeongchang mit 0,83 Sekunden Rückstand auf die überraschend starke Manuela Mölgg aus Südtirol auf Rang acht. Trotz eines beherzten zweiten Laufs reichte es für Rebensburg nicht für eine Medaille, sondern nur noch für den undankbaren vierten Platz.

Das deutsche Eishockey-Team der Herren musste in seinem ersten Spiel gegen Finnland eine 2:5-Niederlage einstecken. Snowboardcrosser Martin Nörl aus Adlkofen hat das Halbfinale erreicht. Der 24-Jährige kam als Sieger seines Viertelfinal-Laufs in die nächste Runde. Im Skeleton liegt Axel Jungk nach dem 2. Lauf auf dem Bronze-Platz.

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Die Entscheidungen

Neben der Paarlauf-Entscheidungen mit deutscher Goldmedaille im Eiskunstlauf (siehe oben) gab es Hoffnung in der alpinen Abfahrt der Männer. Doch Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen verpasste als Fünfter die Medaille. Seine norwegischen Konkurrenten errangen dagegen einen Doppelsieg. Aksel Lund Svindal gewann in 1:40,25 Minuten vor Kjetil Jansrud. Bronze ging an Beat Feuz aus der Schweiz.

Den Riesenslalom der Damen, in dem es für Viktoria Rebensburg nicht zu einer Medaille reichte (siehe oben), gewann die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin. Zweite wurde die Norwegerin Ranghild Mowinckel vor Federica Brignone aus Italien.

Highlight der Nacht

Keine Frage: Was Aljona Savchenko und Bruno Massot da in ihrer Kür aufs Eis brachten war Olympia-Gold auf jeden Fall wert. In ihrem an einen Naturfilm angelehnten Vortrag "La terre vue du ciel" (Die Erde von oben gesehen) zeigten Savchenko/Massot ihre ganze Klasse. In dem von Eistanz-Olympiasieger Christopher Dean choreographierten Programm gelangen ihnen unter den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach in der Gangneung Eisarena vor rund 8000 Zuschauern alle Einzelsprünge, ein exzellenter hoher Twist als Eingangselement und ein schöner dreifacher Wurf-Flip. Weil die Konkurrenz danach patzte, reichte es mit der Winzigkeit von vier Zehnteln vor den Chinesen doch noch zu Gold. Vor allem für Aljona Savchenko war es das erhoffte Happy-end einer glanzvollen Karriere, in der nur Olympia-Gold noch fehlte. "Ich bin so glücklich und habe geheult", kommentierte Eiskunstlauf-Ikone Katarina Witt die beispiellose Aufholjagd.

Flop der Nacht

Sicher, es kann nicht alles klappen. Trotzdem: Wenn man die Saison dominiert und als klare Favoritin auf Gold in den Olympia-Wettkampft geht, dann muss man wohl von einer Enttäuschung sprechen. Viktoria Rebensburg, die Gold-Siegerin von 2010 und Bronze-Gewinnerin von 2014, trug ihren vierten Platz mit Fassung. Nur zwölf Hundertstel fehlten der Kreutherin letztlich, um wenigstens eine weitere Bronze einzuheimsen. Der zweite Lauf zeigte, was drin gewesen wäre, hätte die 28-Jährige nicht diesen einen groben Schnitzer gehabt. Aber hätte, wenn und aber bringen nun mal keine Medaillen.

Was heute noch ansteht

Aus deutscher Sicht darf man heute noch auf weitere Medaillen hoffen. Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen geht ab 9.15 Uhr MEZ auf die 15-Kilometer-Strecke. Die 24-Jährige ist Weltmeisterin in dieser Disziplin. Das und ihre beiden Olympiasiege in Sprint und Verfolgung machen sie zu einer großen Hoffnung auf eine weitere Goldmedaille. Vielleicht schafft aber auch Denise Herrmann eine Überraschung - zuzutrauen ist es der laufstarken Deutschen.

Eine weitere große Gold-Hoffnung ist mit dem Mixed-Team im Rennrodeln verbunden. Team Germany geht mit Olympiasiegerin Natalie Geisenberger, den Doppelsitzer-Olympiasiegerin Tobias Wendl und Tobias Arlt und Bronzemedaillen-Gewinner Johannes Ludwig an den Start. Man muss es so sagen: Ein zweiter Platz wäre eine echte Enttäuschung. Los geht's ab 13.30 Uhr MEZ.

Schon eine gute Stunde früher (12.20 Uhr) gehen die Biathlon-Männer auf die 20-Kilometer-Strecke. Arnd Pfeiffer nach seinem Sprint-Gold, Simon Schrempp und Co. werden durchaus Medaillenchancen eingeräumt. Favorit auf Gold ist aber der Franzose Martin Fourcade, der nach seinem Durchhänger im Sprint in der Verfolgung seine ganze Stärke zeigte. Als größter Konkurrent gilt der Norweger Johannes Thingnes Bø, der in Pyeongchang aber noch nicht überzeugen konnte.

Zuvor, um 12 Uhr, gehen die Männer auf die 10.000-Meter-Strecke im Eisschnelllauf. Bisher ging jedes Gold in dieser Sportart in die Niederlande. Und auch über diese Distanz ist ein Holländer der große Favorit: Sven Kramer. Deutsche Chance auf eine Medaille? Eigentlich nicht.

dho mit / DPA

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