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US-Sportstars vor Gericht: Phelps, Solo und Rice bangen um ihre Karrieren

Die drei US-Sportstars Michael Phelps, Hope Solo und Ray Rice müssen in den nächsten Wochen vor Gericht erscheinen. Phelps saß betrunken am Steuer, Solo und Rice sind wegen Körperverletzung angeklagt.

Sie stehen für gewöhnlich im sportlichen Rampenlicht, liefern mit herausragenden Leistungen den Stoff für viele Stories. Doch zuletzt war Schwimm-Superstar Michael Phelps nicht im Becken schnell unterwegs, sondern auf dem Highway - und zwar alkoholisiert. Der Rekord-Olympiasieger muss sich im November ebenso vor Gericht verantworten wie Amerikas Fußball-Nationaltorhüterin Hope Solo oder Football-Profi Ray Rice, die beide wegen häuslicher Gewalt in die Schlagzeilen geraten sind.

Für Phelps geht es um seine mögliche fünfte Teilnahme an Olympischen Spielen. Bei Solo steht die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Kanada auf dem Spiel. Und Rice hofft darauf, dass seine von der National Football League NFL verhängte Sperre auf unbestimmte Zeit aufgehoben wird und einer der 32 Vereine den Frauenschläger verpflichtet.

In der Öffentlichkeit drängt sich derweil die Frage nach einer möglichen Sonderbehandlung für die Sportsstars auf. Phelps ist mit seinen 22 Goldmedaillen immerhin Rekord-Olympiasieger. Marshall Henslee sieht durchaus die Chance, dass Richter ihm eine Art Prominenten-Bonus geben könnten. Henslee ist Anwalt in Phelps' Heimatstadt Baltimore. Sein Spezialgebiet: Fahren unter Alkohol.

Phelps droht ein Jahr Gefängnis

Im September wurde der 29 Jahre alte Phelps nachts von der Polizei gestoppt, als er mit Tempo 135 statt der zulässigen 72 km/h unterwegs war. Sein Blutalkoholwert war mit 1,4 Prozent fast doppelt so hoch wie erlaubt. Vom 19. November an steht Phelps in Baltimore vor Gericht - nach 2004 zum zweiten Mal wegen Alkohols am Steuer. Damals wurde er zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Jetzt drohen sechs Monate Führerschein-Entzug und bis zu einem Jahr Gefängnis.

Derzeit unterzieht er sich einer sechswöchigen Therapie. Er hoffe, hatte Phelps via Twitter wissen lassen, dass das Programm ihm helfe, sich besser zu verstehen. Schwimmen sei zwar ein wichtiger Teil seines Lebens, dennoch müsse er sich derzeit auf sich selbst fokussieren und notwendige Schritte machen, um aus dieser Erfahrung zu lernen und künftig bessere Entscheidungen zu treffen.

Unabhängig vom Urteil wird Phelps nicht bei der WM im August in Kasan starten. Dies hatte der nationale Schwimmverband beschlossen und seinen "Goldfisch" zudem wegen Verletzung des Verhaltenskodex' für sechs Monate gesperrt.

Ein halbes Jahr könnte auch Hope Solo demnächst fehlen. Von Montag an steht sie im US-Bundesstaat Washington vor Gericht. Hier soll die zweimalige Olympiasiegerin laut Anklage ihre Halbschwester sowie ihren 17-jährigen Neffen im Sommer geschlagen haben. Solo bestreitet die Tat. Im Gegensatz zur NFL im Fall Ray Rice stellte sich der US-Fußball-Verband demonstrativ vor Solo und sperrte sie nicht.

Rice Ruf scheint ruiniert

So stand die 33-Jährige in der vergangenen Woche beim WM-Qualifikationsturnier des CONCACAF-Verbandes im Tor. Man wolle jetzt den Gerichtstermin abwarten, meinte Verbands-Präsident Sunil Gulati. Es wird allgemein angenommen, dass Solo vom Verband bei einem Schuldspruch für die WM gesperrt würde. "Alles andere wäre unangemessen", meinte die Tageszeitung "New York Daily News".

Für übertrieben halten die Anwälte von Ray Rice die Sperre gegen ihren Klienten, sie wollen von Dienstag an gerichtlich dagegen vorgehen. Die Juristen berufen sich auf ein einen Passus im Arbeitsvertrag, wonach ein Spieler nicht zweimal für die selbe Sache bestraft werden kann. Rice hatte im Februar seine damalige Verlobte in einem Fahrstuhl bewusstlos geschlagen und wurde daraufhin von NFL-Commissioner Roger Goodell für zwei Spiele ausgeschlossen.

Nach dem Auftauchen eines weiteren Gewaltvideos hatte Goodell die Sperre auf unbestimmte Zeit verlängert. Experten gehen davon aus, dass Rice Recht bekommt. Sein Ruf scheint trotzdem ruiniert. So verkleideten sich an Halloween zahlreiche Menschen in den USA als Rice. Sie trugen sein ehemaliges Baltimore-Ravens-Trikot - und zogen eine verprügelte Puppe hinter sich her. 

Von Heiko Oldörp/ DPA / DPA

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